Beiträge von Henrika

    @ Paulina: HP in Rente = Heilpraktikerin? Entschuldigung, aber das sind ganz verschiedene „Baustellen“. Wird nur offenbar gar nicht kapiert. Ich gehe grundsätzlich von der Schulmedizin (!!) aus, ziehe erst nach Diagnose eventuelle Homöopathika in Betracht.

    Ein Klassiker bei Katzen etwa dürfte das vernichtende Urteil CNI sein. „Ihr Kater ist praktisch tot“. Schau dir die Blutwerte an, wenn es sich mit entsprechenden homöopathischen Nierenmitteln schnell bessert (sechs Wochen), das Kreatinin aber weiter stark erhöht bleibt, handelt es sich um eine hypertrophe Kardiomyopathie. Keine seltene, angeborene Katzen-Krankheit mit Verdickung der Herzwand. Du darfst dich aber nicht darauf verlassen, dass ein Veterinär (!) den Zusammenhang kennt. Oder gar der Tier-Kardiologe der Münchener Universitätsklinik. Ihn damals angerufen. Er hatte noch nie etwas von erhöhtem Kreatinin bei HCM gehört. Herzultraschall mit Bestätigung der Krankheit lag „leider“ längst vor.

    Muss ich bitte jetzt nichts mehr dazu sagen, dass ich blauäugig Globuli verabreiche???!! 😉

    … Hilfe durch den Tierschutzverein vor Ort kann man vergessen, die sind nur mit sich selbst und ihrem überfüllten Asyl beschäftigt. Darüber hinaus gibt es null Kostenübernahme für Katzen, die in der Nähe von Höfen geboren wurden oder leben. Schluss aus. Den Landwirten ist es halt egal, wenn man so Druck ausübt. Beliebteste Methode, die Tiere einfach totzuschlagen.


    … Ach Du liebe Güte, Nachmittag fast vorbei, musste außer Putzen Termine regeln - und jetzt gibt’s schon mehrere Nachrichten.


    … Zuerst mal die Antwort an Justus, wäre traurig, wenn Du nicht mehr schreibst. Ich bin (!) krank, gar sehr schwer, chronisch mit heftigen akuten Schüben. Früher verwilderte Katzen mit dem Käscher gefangen, mehrmals pro Woche beim Veterinär. Das kann ich nicht mehr, abgesehen davon sind die Tiere hier völlig traumatisiert. In der vorigen Wohnung, anderes Schwarzwald-Tal, waren sie’s nicht, obwohl sie alleine klarkommen mussten.


    Möchte wirklich niemandem auf die Füße treten, aber - Goya - wenn Du nichts von Hierarchien und Clan-Chefs weißt, bist Du kaum informiert. Normalerweise sind Katzen Einzelgänger, aber wenn sie die Not des Überlebens dazu zwingt, bilden sie Rudel. Und diese sind völlig durchstrukturiert. Geordnet nach potenten und schwächeren Katern, Mädels immer ganz „unten“ etc. Verletzte/kranke Tiere dürfen nicht an’s Futter, werden „gemobbt“. In der Hinsicht kann mir hier echt niemand etwas „vormachen“. Ich habe 10 Jahre rund um die Uhr mit 40 solcher „Exemplare“ gelebt. Sie selbst wählten mich - dauerte gut 24 Monate - zur Chefin des Clans. D.h. die dominierenden Kater gaben die Leitung an mich ab. Von dem Moment an galt mein Wort/Befehl, nicht ihres. Wenn ich sagte: „Rebecca darf jetzt essen, trotz der Verletzung, das Schälchen ist nur für sie“, attackierte sie niemand mehr. Konnte weggehen, keiner wagte es, sie anzugreifen.


    … Nicht bekannt? Keine Rangordnung? „Katzen sind keine Hunde“? Selbst diese so verschreckten Tiere hier verlassen sich nach den zehn Monaten darauf, dass ich als „Boss“ ihre Zwistigkeiten regele. Ein Kater, schätze er ist zu 50% echter Wildkater, terrorisiert die anderen. Für sie ganz klar, dass ich einschreite, ihm mit dem Finger einen leichten Klaps auf die Nase gebe. Er akzeptiert’s auch. „Tut mir leid, mal wieder über die Stränge geschlagen.“ 😉 Selbst Leon will von mir ihm gegenüber beschützt werden. …

    Henrika

    @ Justus: Mein damals vierjähriges Patenkind Jakob setzte mir morgens mal sein Meerschweinchen neben die Kaffeetasse und sagte: „Bist wohl ein bisschen fies vor Fritzchen, weil du ihn noch nicht kennst?“ 😉 Spaß, der sich auf die „schmerzhafte Wahrheit“ bezieht, dass „medizinisch ordentlich gecheckt werden“ müsste. Du kennst mich genauso wenig wie ich damals Jakobs Meerschweinchen. Gut 30 Jahre intensiver Beschäftigung mit Schulmedizin, gleichzeitig Homöopathie. Schon 2003 rief die Tierarzt-Praxis bei mir an, wenn sie mit Antibiotikum das Fieber bei Hund oder Katze nicht senken konnten. Ganz sicher „doktere“ ich nicht einfach so an den Katzen herum, weiß Bescheid.

    „Schau, ich bekomme auch eine nicht sehr große Rente, nun egal wie ich die Katzen liebe, versuche ich am Boden zu bleiben bzw. mir das zu leisten was ich mir auch finanziell und platzmäßig leisten kann.“ Entschuldigung, aber es geht doch gar nicht darum, was man sich „leisten“ kann, sondern hungernde Tiere. Soll ich ihnen sagen: „Zwei wären mit dem wenigen Geld noch so eben möglich, ihr anderen müsst euch ne alternative Nahrungsquelle besorgen“? Meine Seele tut weh, Justus, wenn ich ein leidendes Tier sehe, kann nur handeln, eigene Bedürfnisse zurückstellen.


    Um’s zusammenzufassen, es ist Deine (!) „schmerzhafte Wahrheit“, dass die Viecherl ordentlich medizinisch gecheckt werden müssen, nicht meine. Wenn man keinen blassen Schimmer hat, bleibt nur der Veterinär. Ansonsten darfst Du’s gerne versuchen, etwa eine der fünf Katzen zum Tierarzt zu bringen. 😉 Bitte, keinesfalls „böse“ gemeint. Ich vertrete eben die Position, dass es medizinisch eine Selbstverantwortung gibt. Wenn man die bei sich ablehnt, betrifft’s natürlich auch eigene Tiere.

    Paulina zog etwa eine Pankreatitis in Frage. Und? Wie äußert sie sich, Justus? Leg los, müsstest Du nämlich selbst wissen, anstatt beim Hausarzt über Magenschmerzen zu klagen. Sonst ist die Verwechslung mit Bauchspeicheldrüsen-Krebs so gut wie sicher.


    Putze nun weiter, es stinkt fürchterlich, keine Ahnung, wie das hygienisch einwandfrei werden soll.


    Henrika

    Justus: Weder zynisch noch sarkastisch gemeint, mich amüsieren die „Titel“ bzw. ich wusste nicht, dass „Sklave“ der nächste ist.

    Vielleicht wurde es in diesem Beitrag noch nicht deutlich, dass es sich bei den inzwischen nur noch fünf Zugelaufenen um absolut menschenscheue Katzen handelt? „Mit dem Kater zum Tierarzt“ ist völlig ausgeschlossen. Genauso dessen Hausbesuch. Dr. Sch. könnte allenfalls per Blasrohr einen Betäubungspfeil schießen. 😉 Mir die Technik wahlweise beibringen. Denn sie lassen keinen außer mir - nur beim Füttern - in ihre Nähe. Wobei auch ich sie nicht anfassen oder mich „ungeschickt“ bewegen darf. Beispiel: Abendessen serviert, alle sind beschäftigt, möchte etliche Meter vom Futterplatz entfernt die Tomaten gießen? Nee, sofort kollektive Flucht.

    … Problem Nummer zwei angesichts eurer so gut gemeinten Ratschläge sind die Finanzen. Ich habe im Winter angefangen sie zu füttern, weil ich’s nicht mit ansehen konnte, dass die Bauern „ihre“ Tiere gar bei -15° hungern ließen, sie selbst Mistgruben nach Essbarem durchwühlten. Das machen bei starkem Frost normalerweise nur Füchse (Aasfresser).

    Wegen Minirente plus Grundsicherung bleiben mir 500 € mtl. für alles: Strom, Telefon, Auto, Ernährung … und fünf Katzen. Ich rechne permanent, was sich wie einsparen lässt, um die Tiere (!) zu versorgen. Sie bekommen Purina One Trockenfutter (Lachs mit Reis) als nahrhafte Basis, beobachte ständig die Internetpreise, momentan indiskutabel hoch. Dosen dürfen maximal 55 Cent kosten. Möglichst mit 12fach Rabattpunkten im Drogeriemarkt. Schon das übersteigt verfügbares Geld bei weitem. „Wir“ können uns keine teuren Diätmarken etc. leisten. Auch null frisches Fleisch.

    Nebenbei wandte ich mich an’s Rathaus und eine der großen Umwelt-Organisationen mit der Bitte, Landwirte zum Füttern zu verpflichten, überall abgeblitzt.


    @ Goya: Der „gute Anfang“ endete in einer Katastrophe bzw. m.E. mit einem Frontal-Angriff. Die beiden Toiletten nutzte Leon nachts je einmal. Dann nahm er sich mein „Büro“ vor: Sekretär zwischen Wohn-, Esszimmer und Küche (ein Raum). Unter’m Esstisch auch noch ein alter Orientteppich. Rund um den Schreibtischstuhl hat er ihn mit sechs „Flecken“ verziert. Nein, nicht die Krönung. Der nun 37 Jahre alte Girsberger ist natürlich durchgewetzt, deswegen mit einem dekorativen Tuch verhüllt. Das riss Leon runter und machte direkt auf den Sitz.

    Klingt wohl eher nicht nach einem Hilferuf? Dürfte mich den ganzen Tag kosten, die Sauerei(en) möglichst hygienisch einwandfrei zu beseitigen. Zunächst noch überlegt, den Teppich danach mit einer Malerfolie abzudecken. Aber Leon kann meinetwegen tagsüber - unter Kontrolle - auf der Couch schlafen, nachts fliegt er jetzt raus. Bin nicht seine Putzfrau.

    Was hältst Du von der These eines „Machtverhaltens“? Mich erinnert’s nämlich irgendwie an Francesco (gest. 8.9.2024). Als er fünf Monate nach Giovannis Tod - beide „zugelaufen“ - rein durfte, hat er mich mehrmals bis zur Sepsis gebissen. Nö, ich wollte ihn partout nicht anfassen, er sollte nur hier ein Zuhause haben. Dann sprang der kleine Sibire immer wieder auf den Schreibtisch, bot mir sein Bäuchlein an: „Streichle mich doch mal!“ Sofort alle Zähne in der Hand. Blut floss in Strömen. Es dauerte bis Francesco verstand, dass ich die Chefin bin. Musste später nur noch den Zeigefinger heben, dann lachte er sich zwar kaputt, wusste aber sofort, dass der „Spaß ein Loch hat“. - „Man kann’s ja mal versuchen? 😉“


    Noch ne Bemerkung zu Leons Ängstlichkeit. Er will klar hier einziehen, aber sobald ich mich bewege, gerät er in Panik. Vorhin sprang er auf die Anrichte: Puppenstube = teils Flur, teils Küche. Momentan voller Werkzeug, das ich sortieren wollte, auf der Küchenseite Gläser, Kaffeebecher. Ich hätte mich nicht rühren dürfen, sonst alles kaputt. Ohne ihn anzuschauen zwischen Kommode und Tisch durch, Milch in ein Schälchen gefüllt. Leon hopste runter, schlabberte. Soo schwierig ist es.

    Nebenbei rührt sein Durchfall zu 100 % nicht daher. Laktosefrei vertragen sie bestens. Josephine, gerade wieder kurz vor der Geburt, verlangt genau diese Milch, hinterlässt eher „harte Würstchen“. Sog. „Katzenmilch“ aus Tiermärkten ist schlicht Abzocke. Klar, nur meine Meinung.


    Grüße am Rande der Verzweiflung

    Henrika

    @ Justus: Wenigstens weiß ich jetzt, dass es noch ein langer Weg vom „Streuschlepper“ bis zum „Sklaven“ ist. 😉

    Selbstverständlich bekommen alle Kostgänger von mir nur laktosefreie Milch. Wasser gibt’s zur Genüge, aber sie werden auf den Höfen so vernachlässigt, brauchen Kalorien, Kalorien.

    @ Goya und Paulina: Irrtum, die Toilette steht in Reichweite, um seine Häufchen auf Teppichen zu verteilen, muss Leon weiter laufen. 😉 Aber natürlich SAND!! Mehrere Säcke vorrätig, brauche sie im Winter als Hinterachsen-Last, um bei Schnee den Berg nach Hause zu schaffen. Damit lässt sich ne „Diarrhöe-Schüssel“ für Leon basteln, die er vielleicht akzeptiert.

    Als eventuell passendes Durchfall-Mittel käme „noch“ Arsenicum album in Frage, wir haben nämlich wegen der Lungenwürmer, Bronchitis, Atemnot eigentlich alles durch, was nebenbei auch gegen einen zu flotten Darm wirkt.

    @ Paulina: Danke für Deine Hinweise „in jede Richtung“, Pankreatitis und ne spinnende Galle würde uns echt noch fehlen. 😉 Oder FIP. Einen Gang runter schalten, sein Immunsystem* ist arg schwach, mehr wahrscheinlich nicht. - *keine Infektionsgefahr, stets großer Abstand zu Artgenossen.

    … Und ja, Leon weiß genau, wie lange ich schon versuche ihm zu helfen. Muss nur sagen: „Medizin unbedingt essen!“, dann sind die Globuli mit einem Happs drin.

    Eben spazierte er zwischen meinen Füßen unter’m Schreibtisch durch, Küchentür noch offen, lief auf die Wiese und erledigte den Abendessen-Output dort. Ein Hilfeschrei dürfte es also nicht sein? Bzw. klares Zeichen, dass Leon nicht aus Not auf Teppiche und ins Bett macht? Er ist’s nicht gewohnt, ne Toilette zu benutzen? Mal schauen, was passiert, Sand-Klo steht jetzt neben dem mit Biostreu.


    … Sehr (!!) dankbar für eure Ratschläge, probieren wir’s heute Nacht außerdem, obwohl’s nicht ungefährlich ist, mit spaltweit offener „Wohnzimmer“-Terrassentür. Leon hopst von der Couch, kann direkt in die Wiese - und zurück.


    Leicht unruhige Grüße 😉

    Henrika

    Danke, Melanie,

    aber Leon ist halt „ein wildes Tier“. 😉 Veterinär völlig ausgeschlossen. Darf ihn doch selbst nicht mal berühren oder nur zu nahe kommen. Gegen Würmer bekommt er schon lange Homöopathika. Möchte selbst manchmal „chemisches Gift“ anwenden, ihm ein Spot-on in den Nacken geben, aber wie??


    … Krank natürlich, war schon vor Monaten der Grund für’s Thema „Igelzecken“ - mit Lungenwürmern. Leon geht’s zwar besser, aber er hat immer noch Atemprobleme, Husten/Schnupfen. Obwohl in jeder Futterportion ein Medikament dagegen ist.

    Igelschützer mit eigener Auffangstation schreiben, es könne sehr lange dauern, weil selbst nach diversen Wurmkuren Reste der Viecher in den Lungen verbleiben, also „totes Material“. Und neuerdings ist klar, dass gar Schnecken diese Lungenwürmer übertragen. Jeder Hundebesitzer sollte seinem vierbeinigen Freund erklären, dass er bitte keine Schnecken verputzen darf.

    Egal, ob Hund, Katze oder Igel: Medizinisch sind diese lebensbedrohlichen Parasiten so schwer nachweisbar, dass man leicht ab 500 € aufwärts loswird. Günstiger, bei auffälliger Atemnot sofort mit den besten Wurmmitteln zu „schießen“.


    Weiter ratlose Grüße


    Henrika

    Liebe Expert:innen,


    vor drei Tagen ereignete sich ne Art Wunder. Mitte November tauchte Kartäuser-Kater Leon auf (zusammen mit fünf Streunern), stammt definitiv nicht von einem der umliegenden Bauernhöfe, ist extrem scheu, nahm allenfalls mal eine Mahlzeit in der Küche.

    Nun inspizierte er plötzlich die sehr kleine Wohnung (ein großer Raum plus Schlafzimmer und Bad), legte sich erst ins Bett, dann auf die Couch: „Das ist jetzt mein Zuhause!“

    Sein Ernst, er verbrachte seitdem jede Nacht und halbe Tage hier. Meine Freude, denn ihn wollte ich durchaus „adoptieren“, bekam leider einen heftigen Dämpfer. Schon am Morgen danach vier Häufchen auf den Teppichen. Obwohl’s Klöchen bereitstand.

    Der Clou letzte Nacht? Wurde von einem Geräusch wach. Leon scharrte direkt vor’m Bett, ließ seinen Durchfall „laufen“. Noch nicht das Schlimmste. Wieder aufgewacht, weil Laken und Decke „nass“ waren. Kater machte mir danach schlafend direkt ins (!) Bett.

    … Klar, zunächst wird die Diarrhöe homöopathisch behandelt. Aber warum benutzt er seine Toilette nur für’s Pipi? Heißt doch, dass Leon eigentlich weiß, wohin es gehört? Wir hatten wegen des Debakels einen kleinen Streit: „Dann geh raus, erledigte deine Geschäfte dort!“ Kater fauchte mich an, drehte um, legte sich wieder auf die Couch.

    … Seine Scheu ist eine eigene „Nummer“, aber das dürften wir auf Dauer schaffen. Er möchte zum Frühstück Futter und laktosefreie Milch, ich nur einen Becher Kaffee. Beides wegen der Enge nebeneinander. Leon flüchtet dreimal, bis er realisiert, dass ihm nichts passiert.

    … Frage: Wenn der Kater bisher nur draußen lebte, seine Häufchen dort entsorgte - soll ich’s mal mit Erde statt Streu versuchen? Schlafzimmertür bleibt ab sofort natürlich geschlossen.


    Hoffentlich wisst ihr Rat?


    Herzliche Grüße

    Henrika

    Sozusagen außer der Reihe eine lange vergessene Tier-Persönlichkeit. Man könnte auch sagen: Vollkatastrophe auf vier Pfoten. 😉 Seines Zeichens Riesenschnauzer. Mit dem gar nicht lustigen Namen „Wälz“ ≠ Wels wie der gründelnde Fisch. Vorliebe? Sich in Exkrementen anderer Tiere zu wälzen. Hätte ihn trotzdem nie so genannt. Unsensibel.

    Auch wenn mir als Hund- und Haus-Sitterin der in die Ferien gereisten Wohngemeinschaft das Dilemma live geboten wurde. Krieg mal alleine einen Riesenschnauzer in die Badewanne, um den Gestank aus seinem Fell zu waschen! Mein bestes, teures Pfirsich-Shampoo benutzt, mochte er nicht, sprang aus der Wanne, schüttelte sich dreimal, ließ mich klatschnass zurück, kam mit seinem Lieblingsduft wieder: Katzen-Durchfall. 😡

    Am nächsten Tag klingelte eine Nachbarin: Hellblaue Frottee-Schuhe weg. „Vor’m Einschlafen auf der Gartenliege noch Ihren Hund gesehen!“ War doch nicht meiner. Trotzdem in den Zimmern gesucht, zwei schmuddelige Teile gefunden, entfernt hellblau. „Könnten es die Hausschuhe gewesen sein?“ 😉


    Eigentlich nie 24 Stunden ohne ein Malheur. Wälz knabberte nachts ein großes Loch in die überaus kostbare indische Bettdecke des abwesenden WG-Mitglieds (eingenähte Spiegelchen etc.), klopfte früh um fünf mit einer Futterdose gegen den Herd - „Hunger!!“ - oder klaute mir abends gleich das bescheidene Steak vom Küchentisch.

    Einmal sollte er wirklich nur ganz kurz im Auto warten, sah hinterher aus wie ein Lametta-geschmückter Tannenbaum. Beste Rockmusik der 70er aus dem Kassenrecorder geknibbelt, sich die Bänder um den Hals gehängt. Offenbar sehr zufrieden.


    Aber keineswegs seine Spitzenleistung. Ihn mit nach Münster zu meinen Freunden genommen, auch eine WG. Wir tranken Tee, alles schien entspannt zu sein, bis eine gewisse Hundeschnauze die angelehnte Tür aufschob - mit „Knochen“ im Maul. Telefonhörer. Weil der natürlich „Widerstand“ leistete, das Kabel einfach durchgebissen.


    … Nie ein eigener Hund, aber mehrfach sollte ausgerechnet ich die „Urlaubsvertretung“ übernehmen. Z.B. bei Borony, schneeweiße ungarische Kuvasz-Hirtenhündin. Also ursprünglich weiß. 😉 Gleiche Vorliebe wie Wessna für Schlammbäder, nur sprang Borony in modernde Ententeiche, versteckte sich hinterher unter’m Schreibtisch, wollte noch weniger als „Wälz“ gewaschen werden.

    … Gut ein nicht soo sauberer Hund eher kein Problem, aber ein Pinkfarbener? Wie soll man den seiner Besitzerin zurückgeben?! Eigentlich Boronys Schuld. Sie hatte ihren Korb in der Küche, wollte aber lieber im Flur vor meiner Schlafzimmertür liegen. Ja auch meine Schuld, erlaubte ihr den gleichen Raum nicht. Jetzt gab’s ne Waschmaschinen-Panne, Schlauch löste sich, die dunkelroten Flur-Fliesen nass. Hündin morgens einseitig knallrosa (!). Leichte Ariel-Lauge: ging einfach nicht raus. Bei allen notwendigen Spaziergängen immer so neben ihr gelaufen, dass es niemand sehen konnte. Gleichzeitig Fluchtpläne geschmiedet: Kanada oder noch weiter weg. 😉 Finanziell unmöglich. Übergabe-Tag kam eben. Prompt lacht sich Boronys Frauchen schier kaputt: „Das Fell wächst doch nach, Pink erledigt sich von selbst“.


    Ups, „Sit“ wäre noch erwähnenswert, locker dreimal so groß wie Borony, ein Pyrenäe, Rüde, echt gigantisch. Wollte nach Abi eine Freundin am Geburtsort besuchen, mit der ich eingeschult wurde. Nur ihr Vater und Hirtenhund anwesend. Sit guckt mich an, ich ihn - schon liegen wir beide auf dem Boden, rangeln, kämpfen spielerisch. Er war sooo viel stärker, aber ganz vorsichtig. Meine Klamotten halt etwas ramponiert. 😉


    … Gerade bereit zu „senden“, als Deine Antwort, Carol, auftauchte. Mille grazie, verstehe langsam, was Du immer wieder betontest bzw. dass wir unseren Mitgeschöpfen ähnlich/gleich respekt- und liebevoll begegnen. Mein auslösendes Moment war vor Jahren eine Sendung über Schimpansen - hoffentlich auf all den Seiten noch nicht erwähnt? „Sie können den Mond erkennen, wissen aber nicht, dass es der Mond ist. Mich fürchterlich aufgeregt: „Wie wollt ihr (!) das denn beurteilen?!“ Absurde Intelligenztests mit Hunden, Katzen - die sollen vergleichsweise strohdumm sein - Papageien. Alles an Menschen gemessen, ohne jegliche Ambition, die Erkenntnismöglichkeiten von Tieren einzubeziehen. Sie sind uns in vielem hoch überlegen, weil wir förmlich am deduktiv-rationalen Denken „kleben“.

    Mich in den letzten vier Jahren heftig mit Meeresbiologen gestritten, sollte ehrenamtlich entsprechende Texte korrigieren. Ja, sie haben’s Fach studiert, aber gar keinen Bezug zu den Tieren. Wenn in Serie Orcas vor spanischen und portugiesischen Küsten Segelboote angreifen, viele versenken, „wollen sie nur spielen“?? Gleichzeitig seien diese großen Delphine die intelligentesten Meeressäuger überhaupt. Eben, die blödeln nicht, es geht darum, dass ein oder mehrere ihrer nahen Verwandten durch Schrauben der Segelboot-Motoren verletzt wurden. Folgerichtig muss deren Gefahr ausgeschaltet werden.

    Für „Wissenschaftler“ „unzugänglich“, wenn sie sich in kein Wesen hineinversetzen können? Es nur von außen mit „gültigen“ rationalen Parametern betrachten?


    Nochmals danke für eure Genesungswünsche. Ja, „alle“ schimpfen, müsste ins Krankenhaus, aber niemand würde die Tiere hier so abgelegen versorgen, täglich mehrmals kommen. Einer weiß, dass es nicht sehr spaßig ist: Leon mit seinen halbwegs überwundenen Igelzecken, Lungenwürmern, Bronchitis. Er bleibt plötzlich, ließ sich heute nicht mal von den lauten Geräuschen des Schleppers bei der Heuernte vertreiben.


    Wird schon - oder nicht


    Henrika

    Liebe Melanie,


    vielen, vielen Dank für Deine Besserungswünsche! Hätte auf die Katzen hören sollen. Denen gefiel das Drahtgeflecht mit Kokos-Fasern vor der Küchentür noch nie, war ihnen zu „stachelig“. 😉 Ein falscher/unbedachter Schritt, und es mutiert zum Surfboard, rauscht davon.


    Herzliche Grüße

    Henrika

    Liebe Carol,


    Du verwöhnst mich mit Deinen liebevollen Kommentaren, merci. Aber ein „zweites Leben“ auf diesem Planeten, um es „abenteuerlicher“ zu gestalten, solltest Du Dir überlegen. Der Himmel, dort Deine Lieblinge wieder zu treffen, wäre vielleicht besser? 😉 Und die 70er, in denen Trampen ganz selbstverständlich war, kommen nicht zurück. Bzw. man muss eben jung/naiv sein, um sich mal eben an die Straße zu stellen, mit der Idee, lange zu wandern, unter Bäumen zu übernachten. Drollige Ängste: Ich lag bereits im Schlafsack, aber Amseln hüpften weiter durch’s Laub, suchten Insekten. Es hörte sich an wie menschliche Schritte. Panik. 😉

    Beim nächsten „Ausflug“ mit einer Freundin, Schwarzwald, weckte sie mich nachts: „Wir müssen aus dieser Schutzhütte! Ertrage es keine Minute länger.“ - „Stell dich doch nicht so an!“ Drehe mich zu ihr um … und schaue in zwei „glühende Kohlen“/Augen. - „Okay, komme mit.“ 😉 Aus heutiger Sicht lächerlich. Die Hütte war’s Zuhause einer Steinmarder-Familie. Was sollten uns so kleine Wiesel tun?!

    Selbst Wildschweine muss man schon richtig ärgern, damit sie angreifen. Auch wenn schlimme Geschichten über Eber kursieren. In Forsthaus-Nähe oft eine Rotte beobachtet. Sobald die Frischlinge auf mich zuliefen, drohten ihre Mütter. Ein paar Schritte zurück, alles okay.

    Rehbock schimpfte lautstark, lief nicht weg. Antwort: „Glaubst du etwa, ich könnte den Steilhang zu dir hoch rennen?!“ Monsieur brummelte etwas, ging weiter.

    Eichhörnchen eher wütender: „Das ist mein Baum!“ - „Bleibt deiner, möchte nur kurz auf dem Stamm ausruhen.“ Keine Ahnung, wann diese selbstverständlichen Dialoge mit den Tieren begannen. „Du musst jetzt mal aufstehen, Berta, deine Freundinnen sind schon auf dem Weg zur Weide.“ Berta hatte ne Hufentzündung, die der Bauer nicht behandeln ließ. Sie immer zuerst gemolken, damit sich das Mädel länger ausruhen konnte. Aber kaum gesagt, erhob sie sich, humpelte neben mir her - und brüllte beim Abschied am Weidezaun durch’s ganze Tal: „Kommst du bitte morgen wieder?“ 😉

    Bald kursierten „Legenden“ über den „Engel der Ställe“. Wollte mir nur auf einem anderen Hof ne Motorsense ausleihen, niemand im Stall. Bis die Bäuerin mit der Herde reinkam. Nicht so leicht, erst mal alle in ihre Boxen zu kriegen, anketten, Melkgeschirr. Hielt mich zurück. Ein Geschirr saß halt nicht gut, tat dem Tier weh/„schlürfte“, es justiert. Dann war durch eine „rindernde“ Kuh (Damen besteigen sich gegenseitig) die unter der Decke verlaufende Wasserleitung abgerissen worden, musste sie halt „stützen“.

    Dreimal darfst Du raten, was als Geschichte kursierte: „Da steht ne wildfremde Frau im Stall, sagt kein Wort, geht zu unserer gefährlichsten Kuh, richtet ihr’s Melkgeschirr, das Tier macht gar nichts, und dann lässt sie sich auch noch geduldig nass regnen, bis mein Mann das Wasser abstellte.“ 😉

    Nachbarin, der ich täglich half, völlig außer sich bzw. ihre Erwiderung: „Sie kommt einfach rein, hockt sich zwischen die großen Viecher, als sei’s ganz normal.“ Ist es auch, wenn man den Persönlichkeiten respektvoll begegnet.

    Mein Anfang September 2024 verstorbener Kater hätte’s Futter gar nicht angerührt ohne ein höfliches Bitteschön beim Servieren. Danke und bitte selbstverständlich.

    … Der Vater des damaligen Vermieter-Bauern wurde fast zu Tode gequetscht, als er ausmisten wollte, ihn eine Kuh „einklemmte“, Rettungswagen, lange im Krankenhaus. Sie brüllen, schlagen mit Knüppeln, ahnen nichts von der Sensibilität ihrer Tiere. Wenn ich nur bat, „könntest du einen Schritt zur Seite gehen, damit ich deine Häufchen wegräumen kann“, wurde sofort reagiert: „Selbstverständlich!“

    Doch, Herde in den Stall holen musste ich lernen, war beim ersten Versuch regelrecht traumatisiert. Fröhlich auf eine mir bekannte Kuh zugelaufen, sie startete ihren Angriff, verfolgte mich, hätte mich auf die Hörner genommen. Nie wieder. Man muss einfach vorbeigehen, hinter alle kommen, dann laufen sie automatisch Richtung Stall.

    Apropos, der wirkliche „Engel der Ställe“ war eine amerikanische Tierwissenschaftlerin/Verhaltensbiologin, die versuchte, Rindern auf Schlachthöfen ihre Angst zu nehmen, Temple Grandin. Sie legte sich zwischen tausend Tiere, ohne dass ihr etwas geschah. Hab’s ausprobiert, mich auch auf die Weide gelegt. Man wird nur abgeschleckt. 😉


    … Für heute genug, Leon bzw. das verwilderte Rudel wartet auf Futter. Sie wissen genau um meine „Behinderung“, zeigen sich geduldig. Samstag beim Katzen-Frühstück draußen ausgerutscht: Knöchel-Fraktur, Muskelfaserriss, Knieprellung. Jede Mahlzeit ein Abenteuer bzw. arg mühsam.


    Herzliche Grüße

    Henrika

    Hey Carol, 😉


    danke, dass ich mir jetzt keine Sorgen mehr um Dich machen muss 😉. War schon leicht panisch bzw. dachte: „Sie ist krank, verreist, möchte keine Geschichten mehr.“

    Nun Deine Nachricht entdeckt, alles fallen lassen, um weiter zu erzählen bzw. noch etwas zu den beiden Hunden zu sagen.


    Wessna brauchte nach ihrer jahrelangen „Jagdhündin-Sklaverei“ einfach Freiheit und Selbstbestimmung, die ich (!) ihr als Vertrauensvorschuss gewährte. Was sie wiederum sofort realisierte. Nicht einmal enttäuscht worden. Im Gegenteil. Stets weit voraus, hinter mehreren Weg-Kurven, aber ne Art „eingebauter Timecode“. 😉 Maximal 90 Sekunden, dann saß sie plötzlich neben mir. Anders ausgedrückt schien Wessna von Ferne zu spüren, wann ich stehen blieb, um etwa mit geschlossenen Augen Yoga-Atemübungen zu praktizieren, kam gleich zurück. Leider Teil ihrer rüden Erziehung. Diese „Berufshunde“ müssen (!) bei Fuß sitzen, sobald sich’s „Herrchen“ nicht mehr bewegt.

    Sie dürfen Wild auch nur mit „erhobener Pfote“ anzeigen, selbst nicht reagieren. Als ich durchschaute, was Wessna in den jährlichen drei Wochen Training durchmachte, regte ich mich maßlos auf. Mittlerweile zweifelnd. Denn hier hängt man jeden Tierriss „dem Wolf“ an, obwohl’s streunende Jagdhunde sind. Sie töten Kälber, Schafe, Ziegen, richten Blutbäder an. Selbst in der früheren Wohnung erlebt. Lautes Klagen, draußen, sofort losgerannt: Ein Reh, mit Hund auf dem Rücken (!), er hatte sich „festgebissen“. Ihn verscheucht, Jagdpächter angerufen, brauchte Hilfe, um das verletzte Tier zum Veterinär zu transportieren. Ja, er kam sofort, legte an, erschoss das Reh vor meinen Augen.


    Soll nicht wieder in Traurigkeit enden, daher die schönste Episode mit Schäfer-Dogge-Mix Tasso. In den Süden Frankreichs - vom Münsterland aus - kamen wir trampend, auch noch am Mittelmeer entlang. Aber dann mussten wir in die Berge, um Freunde im Massif Central zu besuchen. Aussichtslos per Daumen, einen Bus genommen bis zu dessen Endstation. Kleines Bergdorf. Kaum auf dem Marktplatz, liefen alle Einwohner zusammen, bestaunten Tasso und mich. Man brachte uns ins Hotel-Restaurant-Bistro. Wirt gleichzeitig Bürgermeister. 😉 Hund bekam ein Spitzenmenü aus der Küche, bestes Fleisch, ich auch ein leckeres Essen. Danach schickte man die „Kinder“ ins Bett: „Selbstverständlich darf Tasso mit auf’s Zimmer. Wieso nicht?!“

    Am nächsten Morgen Aufklärung. Der Gemeinderat hätte bis spät in die Nacht getagt und einstimmig entschieden, dass Bistro, Restaurant, Hotel und Rathaus geschlossen bleiben. Junge Frau mit Hund könne unmöglich alleine durch’s Gebirge, viel zu gefährlich. Herr Bürgermeister samt Gattin würden uns an den Zielort bringen. Wir waren endlose Stunden über ne Art Geröllpisten unterwegs, maximal 20 km/h. Die beiden mussten im Dunkeln halt noch mal durch, zurück.

    Kann man nicht vergessen, dass sich ein ganzes Dorf um Tasso und mich kümmerte, gar auf seine Kneipe verzichtete. 😉

    … Am Zielort ging’s uns weniger gut. Junge Franzosen hatten einen Hof mit vielen verfallenen Gebäuden gekauft, wollten sie aufbauen. Kein besonderer Arbeitseifer, eher Nächte mit Gitarrenmusik, Wein … Aber jede Menge Hunde, die streunten, Schafe rissen, weil man ihnen nicht genug Futter gab bzw. sie vernachlässigte. Tasso durfte so etwas nicht lernen! Deswegen legten wir uns früh hin, um morgens ab vier über’s Hochplateau zu wandern. Bis dahin hatte er jede Nacht dem Besitzer der Ruine, in der wir logierten, die Zähne gezeigt. Treuer Wächter, sobald ich schlief. Überzeugende Darbietung, ich hätte mich auch vor ihm gefürchtet. 😉

    … Trotzdem nie verstanden, Carol, warum Tasso sofort klar war, dass er mich beschützen sollte. Wir kannten uns doch vor der Reise nicht, man gab ihn mir einfach mit. Letztlich war’s seine Freundlichkeit, die mir bzw. uns das Leben rettete. Denn sobald wir trampend in einen Wagen stiegen, dachte Tasso, Fahrer sei uns gewogen, kein Feind/Aggressor. Wer uns mitnahm, fand den „blond-großen“ Mischling sowieso toll.


    Bis zu einem Sekundenbruchteil (!), beobachtet, wie dieser Mann gleich testete, ob Tasso irgendwie auf seine Hand reagiert, ihn angreifen würde. Alarmstufe rot: wir müssen hier sofort raus! - „Im nächsten Ort bräuchte der Hund Wasser, Futter, sollte außerdem in Paris anrufen, meine Freunde wollen wissen, wann wir morgen eintreffen. Wir könnten einen Kaffee trinken?“

    Ja einerseits clever, auf der anderen Seite dumm genug, niemanden um Hilfe zu bitten, auch am Telefon nicht zu erwähnen, dass wir in Gefahr sind. Wegen des Futters hatte mir der Typ meinen Rucksack aus dem Kofferraum geben müssen. Er wollte endlich weiter, Antwort: „Vielen Dank, wir fahren nicht mehr mit.“

    Vom Moment an buchstäblich auf der Flucht. Er jagte uns stundenlang mit seinem Wagen durch den Ort, wir rannten, rannten. Bis er mal wenden musste, Tasso und ich „kopfüber“ in ein brachliegendes Areal mit sehr hohem Gras sprangen. 😉 Draußen wusste der junge Rüde wieder so genau, worum’s geht. Z.B. auch, dass er super leise sein musste, bloß kein Laut, nix. Im Prinzip schliefen wir beide vor Erschöpfung auf dem harten Boden schließlich ein, wachten sechs Stunden später auf, fast Mitternacht. - Und mussten weiter trampen. Lkw-Fahrer brachte uns bis Paris.

    So viele „Reise-Abenteuer“ mit Tasso, aber dieses Verstecken in dem Feld, sein Stillhalten wegen äußerster Gefahr beeindruckten mich am meisten. Das Erlebte total verdrängt, kam erst vor vier Jahren wieder hoch, mich aus dem Stand mehrfach übergeben. Der Mann hätte uns ganz sicher umgebracht bzw. auf sein Konto gingen bestimmt schon Morde an Tramperinnen. Es tat mir nachträglich so leid, das Kennzeichen nicht notiert, ihn der Polizei gemeldet zu haben. Nur war ich gerade mal Anfang 20, eher „nicht normal“, die verräterische Handbewegung sofort zu registrieren, Tasso und mich quasi beiläufig aus dem Wagen zu bekommen, keinerlei Aufregung zu zeigen. 😉


    … Nein Carol, leichter wird’s nicht, mit dem Tod unser Lieblinge weiter leben zu müssen. Würde es als „unterschwellig aktiven Dauerschmerz“ beschreiben. 😡 Beispiel? Ehrenamtlicher Deutsch-Unterricht für Migranten bei der Caritas. Sobald’s warm genug wurde, meist draußen im Hof. Plötzlich läuft ein Kater durch’s Areal, sah Jakob sooo ähnlich. Aber er war doch schon lange tot. Wie ferngesteuert aufgesprungen, Schüler egal, dem Kater hinterher, „Jakob, Jakob“ rufend.

    … Den „jugendlichen Raser“, der Florian auf dem Gewissen hatte, womöglich auch Sarah, konnte ich stellen. Keine Ahnung, weshalb ich’s wusste, aber genau diesen Wagen mit meinem gestoppt, von Fahrer- zu Fahrerfenster gefragt: „Ist Ihnen eigentlich klar, dass an jeder Katze, die Sie hier überfahren, ein Herz hängt?“ Der Bub wurde subito kreidebleich. Konnte nun täglich vom Schreibtisch aus beobachten, wie er weit vor’m Haus seine Geschwindigkeit reduzierte: Schritt-Tempo. 😉

    Leider änderte sich nichts, im jetzigen, noch abgelegeneren Tal die gleiche Nummer. Nicht nur Katzen, auch Füchse, Rehe, Dachse liegen tot am Sträßchen. Als wär’s ne Art Sport? 😡 Oder der Hintergrund Nachbarschafts- Feindseligkeiten, wenn sie gegenseitig ihre Katzen killen?

    … Wurde eben vehement aufgefordert, das späte Frühstück zu servieren. Deo gratias, hom. Zeckenmittel wirkte, Carlottas noch kleine im Gesicht ließ schnell locker. Trocken bemerkt: „Du hörst dich an wie ein Frosch.“ 😉 Stimmt zwar, ist aber gar nicht lustig. Warum so heiser? Man sollte für diese ängstlich-scheuen Tiere eine Art futuristische Medizin-Kamera haben, sie damit „scannen“ können. Igelzecken wie bei Leon, der sich langsam erholt, waren’s jedoch nicht.


    … Übrigens kannst Du ganz schön hartnäckig sein, Carol (ein Kompliment). 😉 Du siehst nur Liebe, während ich weiter denke „muss mich doch kümmern?“ - egal welches Tier in Not ist?

    Vielleicht doch eher Liebe? Als „GW2120“ hier auftauchte, dem Wolf sofort einen richtigen Namen gegeben: „Dan-Diarmaid“ Hebräisch/Altirisch: Gott verschafft mir Recht, als freier Mann zu leben. Könnte es nicht ertragen, wenn man Dan erschießt. Und hätte ihm so gerne geholfen, eine Frau zu finden. Wusste auch, wo. Ein Wildtiergehege im Schwarzwald. Nein, nichts dazu gedichtet. Laut genetischer Spuren (im Umwelt- Ministerium abrufbar) rannte der Wolf von unserem Dorf durch die Bergwälder schnurstracks dort hin. Chancenlos: hohe Elektrozäune. Du wirst lachen, Carol, mir gar auf deren Web-Seite mögliche Partnerinnen angeschaut, es kam nur eine in Frage. 😉 Hätte „Spiderman“ o.ä. sein müssen, um sie rauszuholen. Dan soll sehr wütend gewesen sein, tötete - angeblich - sieben Schafe in dem kleinen Ort. Hat er bestimmt nicht, untergeschoben. Oder er blieb so lange dort nahe des Zauns, dass er sie wirklich vor Hunger zum Überleben brauchte.

    Letzter Eintrag September 2021, hoffe immer noch, ihm eines Tages auf meiner Terrasse in die Augen schauen zu dürfen.


    Liebe Grüße


    Henrika

    Entschuldige Carol,


    natürlich wollte ich Dich nicht zum Weinen bringen, an Deine eigenen schmerzlichen Erinnerungen rühren. Warum sind denn bloß gleich alle drei Deiner recht jungen Hunde gestorben? Nicht erkannte Krankheit, falsche Behandlung? Hätte ich auch nicht ausgehalten bzw. weiß, dass es einen nie loslässt.

    Die Mutter meiner Patenkinder, war lange an den Wochenenden ihre Ersatz-Mama, nahm ein Kätzchen zu sich, als die beiden erwachsen das Haus verließen und sagte mir: „Ich durchleide exakt die gleichen Ängste/Sorgen, überhaupt kein Unterschied zwischen der Katze und den Kindern.“

    … Dass Du Deine Lieblinge im Himmel wiedersiehst, kann ich Dir versprechen, Carol. 😉 Vielleicht aber nicht mehr in ihrer irdischen Gestalt, eher Wesen aus Licht in vielen Farben? Doch, manchmal Angst, sie nicht zu erkennen.

    Häuschen mitten im Wald ist längst bestellt und zugesagt. Bin zu alt und arm, hier auf Erden klappt es nicht mehr. Zwei Hunde werden auch dabei sein.

    Schäfer-Dogge-Mix, gerade sechs Monate alt, gaben mir Freunde mit, wir trampten 4.000 km durch Frankreich. Niemand erklärte Tasso, dass er mich beschützen sollte, wusste der Jüngling selbst. 😉 Letzte Station, nach viel Wildnis in den südlichen Gebirgen war Paris. Leine nicht nötig im chaotischen Verkehr. Er bewegte sich erst, wenn ich bei Grün eine Fußgängerampel überquerte. Hätte Tasso einfach nicht mehr zurückgeben sollen. Ein Bauer erschoss ihn und seinen Bruder drei Monate später - die beiden spielten nur auf einer Wiese.

    Ca. 20 Jahre danach lud mich eine Nachbarin erst zum Konzert und dann einem Glas Wein ein. Wollte etwas ganz anderes: „Sie gehen doch, beobachte es immer, jeden Morgen sehr früh in den Wald. Könnten sie nicht unsere Jagdhündin mitnehmen? Wir haben keine Zeit für den nötigen Auslauf.“ Deutsch-Kurzhaar lag unter’m Couchtisch, schlief, hatte keinerlei Notiz von mir genommen. - „Ja gerne, aber es ist doch nicht meine Entscheidung. Wessna muss zustimmen.“ In dem Moment erhob sich das scheinbar schlafende Tier, legte mir seinen Kopf auf den Schoß. „Was wollen Sie mehr?!“ 😉

    Der Beginn nicht nur von Freundschaft, es war die ganz große Liebe. Null Jagdhund-Erfahrung, sollte sie mit Leine und Pfeife in Schach halten. Beides haben wir nie gebraucht. „Was ist, willst du da oben überwintern?“ Sie stürmte kichernd den Hang runter: „Nee, dich lieber weiter begleiten“. - „Bitte, kannst geradeaus gehen, ich nehme aber diesen Pfad“ - „Warte, komme natürlich mit!“ 😉

    Eines Tages stoppte mich eine Dame, verriet, dass es einen neuen Gruß zwischen den Spaziergängern gäbe: „Haben Sie heute schon die (!) Frau mit dem (!) Hund gesehen?“ Wir wurden beim Spielen und Herumtoben beobachtet. Irgendwie lächelten auch ständig alle. 😉 Fand’s manchmal weniger komisch, wenn ich einen Schluck Wasser aus dem Bach trinken wollte, Wessna sich als „Bombe“ reinfallen ließ. Ironie und Humor ihre herausragenden Eigenschaften. Sie bringt eine verrostete Dose von Waldarbeitern, schleudere das Ding die Böschung runter: am nächsten, übernächsten Tag … Dose auf dem Weg, Hündin längst weiter. „Glaubst du etwa, ich könnte die Dose nicht aus großer Entfernung riechen?!“

    Ihr einen Ast geworfen. Nee, der wurde nicht apportiert, sondern zehn Meter entfernt hingelegt. Kaum wollte ich ihn greifen, schnappte sich Wessna den Knüppel, forderte mich zum nächsten Wettrennen auf.

    … Akute Depressionen gehörten auch zu ihrem Repertoire. Dorfsheriff erwischt uns Montagmorgen um sieben: „Der Hund muss angeleint sein, gefährdet Menschen!“ - „Sehen Sie hier jemanden?!“ - „Egal, beim nächsten Mal zahlen Sie das Bußgeld.“ - „Hast es gehört, Leine, der Idiot bringt’s fertig, dreht um.“ Noch vier Schritte, Wessna bricht zusammen, kann nicht mehr gehen. - „Na gut, dann eben 50 DM“: Spontanheilung, quicklebendige Sprinterin. 😉

    Die ich selbst manchmal an die Leine nahm wegen ihrer Leidenschaft für Schlammbäder. Große Pfütze im Wald. „Hilfe, verdurste!“ - „Stimmt, es ist arg heiß. Aber nur ein Schluck vom Rand aus!“ - „Ätsch, reingefallen!“ Wessna zog kurz, lag mitten drin.

    Unser einziger Streit innerhalb von Jahren. Mir ging’s gesundheitlich sehr schlecht, bis zum Waldrand den Wagen genommen, anstatt zu laufen. Meiner schlammigen Freundin zurück stinksauer erklärt: „Du saust ihn mir nicht zu, kannst ja nebenher rennen!“ - „Hilfe, lässt du mich hier?“ Es ging um ein paar hundert Meter Landwirtschaftsweg. Auto dort abgestellt, über Obstwiesen zu den Häusern bzw. dem ihrer Besitzer: „Stell dich da hin!“ Gartenschlauch, Schlamm-Monster abgespritzt. Anschließend trocken gerubbelt. „Nee!“, sagte Wessnas Frauchen, „das haben Sie nicht gemacht! Unsere Hündin hasst Wasser aus dem Schlauch.“ - „Doch. Es tat ihr echt leid, fast ne Belohnung bzw. Versöhnung, sie zu duschen.“

    … Ach Carol, auch diese Freundschaft/Liebe endete tödlich. Neid, Eifersucht, weil Frau Jagdhündin sehr deutlich machte, dass sie jetzt mir „gehört“. Durfte sie nicht mehr holen, Wessna bekam Krebs, verstarb innerhalb eines Jahres. Mein Fehler, war nach Runterputzen zu stolz, erwartete eine Entschuldigung, die nie kam. Stattdessen erzählte meine Vermieterin, ihre Nachbarn wären froh, wenn ich Wessna wieder hole, läge nur noch traurig an der Küchentür, warte auf mich.

    Hintergrund? Hatte ihr einen Bio-Hunderiegel gekauft bzw. öfter. Wessna steckte ihre Schnauze während des „Übergabe-Zeremoniells“ in meine Hosentasche: „Was fällt Ihnen ein! Billiges Zeug, unsere Hündin bekommt nur hochwertiges Trockenfutter vom Veterinär!“ Ja genau, nix anderes. Ist doch auch soo bequem, ein paar Brekkies zu servieren. Wir plünderten morgens um fünf Kirschbäume - „Spuck bitte die Kerne aus“ (machte sie nie 😉) - ich musste ihr im Wald Himbeeren und Brombeeren pflücken, ganze Hände voll. Wessna forderte schier Vitamine, Obst wegen dieser Unterversorgung.

    Wie auch immer, sie (!) war meine Lehrmeisterin, „Hund mit Abitur“, nannte Wessna eine Freundin, die mal unsere 10 km mitlief. Ein älteres Ehepaar flippte schier aus: „Wir haben noch nie gesehen, dass ein Tier so gehorcht!“ Och, ich nur ihre Angst, als Wessna 100 m entfernt plötzlich neben ihnen war. Um ausgiebig einen Fuchsbau zu beschnuppern, Menschen uninteressant. Beste Lektion. Nämlich die Körperspannung beobachtet. Erst unseren kleinen Dreiklang (kann nicht pfeifen bzw. schier unhörbar) abgesondert, als sie nachließ. Wessna warf sich herum, rannte zu mir.

    … Eines Abends - manchmal liefen wir die 10 km zweimal am Tag -, schon dämmerig, lag ein Plastikband der Holzfäller über dem Weg. Sie blieb wie angewurzelt stehen, rührte sich nicht von der Stelle. „Ach Wessna, ist doch nur ein buntes Band, nix Schlimmes.“ Als ich’s anfassen wollte, ein ganz tiefes Wuff: „Mach’s nicht, gefährlich!“

    Nie vorher ihre Stimme gehört, sog. Vorstehhunde dürfen nicht bellen, es wird ihnen - wusste es damals nicht - per Stromschlägen ausgetrieben. Größere Liebeserklärung kaum möglich? 😉 Wessna setzte sich über das Verbot hinweg aus Sorge um mich.

    Manchmal, „Besitzer“ verreist, nahm ich sie mit in die Dachgeschoss-Wohnung (sonst hätte sie im Zwinger bleiben müssen). „Das geht nicht, unsere Hündin hat Angst vor Freitreppen! Deswegen holen wir sie immer ebenerdig hinter dem Haus ab.“ Wessna grinste nur, als ich sie tragen wollte: „Wiege doch genauso viel wie du, kannst mich gar nicht hochheben“, lief einfach die Treppe runter. 😉

    Im Wald plötzlich Humpeln, Pfotenballen untersucht, keine Dornen o.ä. gefunden. „Okay, du bleibst hier sitzen, renne zurück, hole’s Auto.“ - „Spar’s dir, die paar Meter kann ich noch gehen.“ Aufgestanden, brav mit gelaufen. Das war schon eine sehr besondere Verbindung, himmlisches Wiedersehen garantiert. 😉

    Einmal sprang direkt vor ihr eine schlafende Ricke aus dem hohen Gras, nur „Nein, Wessna!“ gesagt. Sie schaut mich überrascht an, lässt das Reh flüchten, kommt zu mir. Solche Dimensionen hätte der eigentliche „Besitzer“ nie erlebt. Er verlangte Drill und sklavischen Gehorsam.


    Mit Liebe funktioniert’s wirklich besser, Carol. Heute Morgen um sechs wollten die Streuner schon ihr Frühstück. Carlotta wurde sofort wieder vom „Vergewaltiger“ bedrängt. Er weiß nun aber sehr genau, dass ich’s nicht gutheiße, ließ sie in Ruhe. Das Mädel flüchtete, ihm, Josephine und Leon serviert. Etwas später holte sich Carlotta, andere Terrassentür, gleich zwei Mahlzeiten. Sie versteht, obwohl ver-wildert, dass ich mich um ihren Schutz kümmere bzw. „Essen im Wohnzimmer“ sicher ist. Klingt leicht, brauchte aber sieben Monate „Kontinuität“.


    Sei bitte nicht mehr so traurig, mit Tieren hat man den Vorteil, früh genug zu erkennen, dass Leben und Tod zusammengehören.


    Liebe Grüße, Henrika



    19.6.

    Liebe Carol,

    langsam erröte ich beim Lesen Deiner Zeilen. Zu viel Lob. 😉 Und viel zu alt, um noch Tiermedizin zu studieren. Im Gespräch war vor 25 Jahren homöopathische Tier-Heilpraktikerin oder „nur“ Heilpraktikerin. Kein Problem, die Prüfung abzulegen, aber eines, Geld für Behandlungen zu nehmen. Patienten - unabhängig von heimlich abgelegten kranken Katzen - kommen auch so schon lange.

    Am ersten Tag in Bayern (Urlaub), brachte mir die Nachbarbäuerin ein vollständig gelähmtes Küken. Logisch, dem kleinen Wesen sofort einen Namen verpasst: Antonia, kurz Toni. 😉 Zwei Wochen mit Küken neben dem Kopfkissen geschlafen, Toni lag in ihrer Schachtel. Ihr u.a. ein hom. Nervenmittel verabreicht: nach sieben Tagen konnte sie stehen, nach 14 Tagen flattern. Und einen Monat später rannte sie der Bäuerin wie ein Hündchen hinterher. Honorarforderung? „Toni kommt nie in den Suppentopf, okay?“ - „Ehrenwort“.

    Aus der Ferne den Innsbrucker Kater Tiger kuriert, vom Veterinär meiner Freundin bereits totgesagt. Er hatte sehr schlechte Nierenwerte. Doc tippte auf CNI, war’s aber nicht. Nieren binnen sechs Wochen gut, nur das Kreatinin blieb oben. Viel gelesen: Das ist so bei „Hypertropher Kardiomyopathie“, gar nicht seltene angeborene Krankheit bei Katzen, Verdickung der Herzwand. Tigers Frauchen ließ ein Ultraschall machen, definitiv HCM. Wir veränderten den Mittelplan entsprechend, Kater lebte noch sehr lange, praktisch gesund. Aber warum wusste es der Tierarzt nicht?!

    … Sarah pinkelte morgens Fünfmarkstück-große Blutflecken. „Nee, bloß kein Antibiotikum!“ (Standard) Arzneimittellehre durchwühlt, ihr ein südamerikanisches Ruhr-Mittel gegeben. Zweimal vier Kügelchen - Blasen-Spuk beendet.

    … Marcello konnte ich nicht helfen bzw. wollte nicht, dass man ihm ein „Immunsuppressivum“ gibt. Sollte es selbst nehmen, rasende Kopfschmerzen und permanente Übelkeit, ist ne Art Chemotherapie bzw. Krebs und AI-Krankheiten werden gleich behandelt. Die Cortison-Tabletten spuckte der Racker immer heimlich aus, fand sie überall in der Wohnung. 😉 Er hatte seine eigene Methode, Schmerzen zu reduzieren. Durfte kiloweise Bio-Joghurt kaufen, musste eiskalt sein. Genial oder, wenn überall in der Mundschleimhaut kleine Geschwüre sind? Joghurt legt sich als Film drüber, tut beim Essen nicht mehr weh. Normales Futter allerdings unmöglich, ihm Vollkornreis, Gemüse und Hähnchenfilets gekocht, alles mit Sahne püriert.

    Beißen ging nämlich nicht mehr, weil man ihm in einer Tierklinik erst mal alle Zähne zog - und der Chef dort - 500 € kassiert - danach auf die Idee kam: „Es riecht förmlich nach Autoimmun-Krankheit!“ Internet abgegrast, bis ich den damals führenden Tier-Immunologen fand, Professor an der Hannoveraner Uniklinik.

    Ihm per Email geschrieben, er verlangte eine Blutprobe, bekam sie - und wollte keinen Cent für die Untersuchung. Systemischer Lupus erythematodes, mir an sich längst klar, Marcello hatte im Gesicht unter’m Fell die typische Rötung.

    Gehört zu den arg schlimmen Erinnerungen. Er konnte sich ja nicht mehr putzen, der Schleim tropfte ihm aus dem Mund, verklebte das Fell. Deswegen legte ihn unser Doc mal in Vollnarkose, mit betäubtem Kater zurück gesaust - und ihn gründlich gewaschen. 😉😡

    Wenn man bedenkt, wie sehr sich Marcello bis zuletzt engagierte, an Söhnchen Jakob hing, allein deswegen unmöglich, ihn per Spritze zu „erlösen“. Aber mit Impfungen, recht sicher, dass sein Immunsystem dadurch „kippte“, bin ich seitdem zurückhaltend. Jakob wurde nie geimpft, machte wegen eines Notfall-Kätzchens ne heftige „Grippe“ durch, Fieber tagelang am Anschlag - und dann war’s gut.

    Er ging allerdings auch jedem Streit aus dem Weg, versuchte erst gar nicht, sein Revier gegenüber den Bossen des verwilderten Rudels zu behaupten. Deren Quittung? Sie bissen nicht, sondern pinkelten ihn an. Armer Kater musste sich diesen Gestank aus dem Fell lecken. Hätte ihn gerne unter die Dusche gestellt. 😉


    Deine Kommentare verwirren mich immer noch, Carol. Bedeutet es Liebe, sich so um Tiere zu kümmern? Mir tut einfach „die Seele“ weh, wenn eines leidet, egal wie groß oder klein. April (?) großer dunkler „Fleck“ im Hausflur, schlechtes Gewissen, meinen Bereich samt Treppe nicht geputzt. Aus der Nähe war’s eine Hornisse, sogar eine (sterbende) Königin! Die kleine Madame vorsichtig in den Thymianbusch draußen verfrachtet und Honig auf dessen Blätter geträufelt. Zu schön, wie sie ihn aufaß und sich bald erholte, wegfliegen konnte. Irgendwo wird sie hoffentlich ein Volk gegründet haben. 😉

    … Oh mir fällt der junge Star ein, den Marcello brachte, damit ich ihn „repariere“. Die Stare nisteten auf dem Dach, und das wilde Rudel versammelte sich, wenn ihre Kleinen erste Flugversuche unternahmen, oft in der Wiese landeten. Sie wurden gleich gefressen. Mein „kinderlieber“ Kater fand’s nicht gut, rettete einen Jungvogel. Das Kerlchen in den Transportkorb gesetzt, Futter, Wasser. Etwas später nach ihm geschaut. Star atmete einmal tief - und starb. Klingt sicher verrückt, aber es trat ne Art „kosmischer Stille“ ein, die Erde drehte sich für Sekundenbruchteile nicht mehr um die Sonne. Wie heißt’s? „Kein Spatz fällt vom Himmel, ohne dass euer Vater davon weiß“. Dem Boss sind auch Piepmätze wichtig, Er kennt jeden einzelnen. Und diese eigenartige Stille wurde später durch Nachrichten bestätigt. Attentate, Naturkatastrophen …, Überlebende sagten immer: „es war plötzlich unheimlich still“. Trauer des Himmels, für den Tiere „gleichwertig“ dazugehören. Wie kann man’s verweigern, sich um sie zu kümmern? Ohne den Boss zu ärgern? 😉

    20.6.

    Jakob, von seinem Adoptiv-Papa entsprechend erzogen, wurde umgebracht, weil er ein verwaistes Häschen bei mir abliefern wollte. Dumm gelaufen, Vermieter mit Frau hinter’m Haus auf der Wiese, Riesengeschrei, sie ließen ihn nicht an die Gartentür. Bin raus, er gab’s mir sofort. Das Tier gehörte in eine Wild-Auffangstation, aber nein: „Geben Sie’s uns, wir ziehen es groß, versprochen!“ Keine zwei Wochen und der Kleine hockte im Drahtkäfig direkt an der Talstraße. Wenn ein Auto vorbei raste, flippte er völlig aus, knallte hin und her, verletzte sich. „Bitte, der Käfig muss an einen ruhigen Ort!“ - „Nee, keine Zeit.“

    Warum bitte macht man so etwas? Land ohne Ende, überall geschützte Plätze, Wildhase ist doch kein Spielzeug?! … Sonntags immer Wanderer unterwegs, einer von ihnen lupfte wohl das Drahtgestell, ließ den Kleinen frei. Man unterstellte es aber mir und entführte aus Rache Jakob. „Niedrige Beweggründe“ würde’s treffen. Kann’s bis heute nicht verzeihen.

    … Jakob ahnte seinen Tod lange voraus, hatte Alpträume (!). Jeden Abend die gleiche Nummer. Er schlief auf dem Lieblings-Korbsessel im Esszimmer, wurde plötzlich unruhig, zuckte - und rannte wie von Furien gehetzt, steckte seinen Kopf unter meinen Arm. Sollte ihn trösten, ohne monatelang zu wissen, was den kleinen Helden im Traum so erschreckte.

    … Hätte misstrauisch werden müssen, denn Sarah verhielt sich vor ihrem Tod 2004 ähnlich. Sie „spachtelte“ im Eiltempo, um nach jeder Mahlzeit mit Marcello als erste auf meinem Schoß zu sein. Wieder diese mir selbst rätselhafte „Automatik“. Meiner - in dem Fall kaum eine Übertreibung - vierbeinigen Tochter Episoden aus unserem Leben erzählt: „Weißt du noch Mäuschen? Hast mir während der Fahrt die Jeans nass gepinkelt, und ich dich zum Fenster rausgehalten.“ 😉 (Keine Sorge 25 km/h) „Dann plötzlich eine dörfliche Polizeikontrolle. Du hocktest wie üblich auf meiner Schulter, musste dich schnell in die Tasche stopfen.“ - „Und diese entsetzte Kassiererin, als du ihr zwischen Milch und Gemüse auf dem Band entgegenkamst.“ - „Tiere sind hier verboten!“ - „Entschuldigung, an der Tür nur ein durchgestrichener Hund.“

    … Sarah konnte nicht genug davon bekommen, gurrte in den höchsten Tönen. Bis plötzlich die Enkelin der Nachbarn an meine Gartentür trommelte: „Komm schnell, Sarah!“ Sie lag scheinbar unverletzt tot auf dem Landwirtschaftsweg, etwas Blut aus der Nase. Berge um uns herum warfen das Echo meiner Schreie zurück, nie vorher so gebrüllt. Schlechtes Gewissen wegen des kleinen Mädchens, vier - wie Sarah.

    Ausgerechnet sie erklärte bei der Beerdigung in Opas Garten: „Sei doch nicht so traurig! Sarah isch wieder a gonz klois Kätzle, springt im Himmel herum.“ - Kindermund. Als Jakob verschwand, lief er im Traum unter ein Auto, kam unverletzt als junger Kater hervor. Die Umstände seiner Entführung, eine Schweizer „Mediatorin“ um Hilfe gebeten, machten ganz deutlich, dass man ihn mitten im dichten Bundesstraßen-Verkehr aus einem roten Van scheuchte, er den Heimweg nicht überlebte.

    Und meine eigene „Mediation“ bestätigte die Zusammenhänge. Einfach mal probiert, mich Samstagmittag auf’s Bett gelegt und Jakobs Wege nachvollzogen. Er war am Waldrand, überlegte, ging nicht in Richtung des nächsten großen Hofes, da er dort mal eingesperrt wurde, sondern zurück. Die Vermieterin, ihr gegenüber sehr misstrauisch, nahm den Käscher, Heckklappe des roten (!) VW-Van war offen, drückte Jakob zu Boden, brachte ihn weg.


    Hast wohl Recht, Carol, dass unsere Verbindungen trotz „lockeren Umgangs“ immer sehr eng sind/waren. 😉 Giovanni kam nicht zurück, im Traum hatte er eine verletzte Pfote. Es meinem „Untermieter“ erzählt, musste 2018 vorübergehend einen rumänischen Deutsch-Schüler aufnehmen, Arbeitgeber hatte ihm’s Zimmer gekündigt. Sehr sensibler Junge. Er träumte, dass Gianni, auch kaputte Pfote, zuletzt mit einem alten Mann in einem Schuppen war. Schlagfalle naheliegend, Opfer wird einfach per Knüppel umgebracht.


    Erschöpfte Grüße, zu viel Kummer

    Henrika


    Liebe Carol,

    Deine Frage nach den Namen trifft in’s Schwarze. 😉 Für Katzenohren müssen sie klingen, sollten möglichst wenig „helle“ Vokale enthalten. Jakob - er konnte einfach nicht anders heißen - endet abrupt, ist aber trotzdem „dunkel“. Sarah trug der Abendwind davon, wenn ich die Kleine rief, sie kam sofort, liebte ihren Namen.

    Francesco hörte nur noch auf die sizilianische Koseform „Ciccio“. Im Italienischen bedeutet sie „Dickerchen“, Kater eher viel zu dünn. 😉

    … Meine jetzigen Schützlinge rigoros unter den Schutz der Tagesheiligen ihres Auftauchens gestellt.

    Wegen der langen Jahre dazwischen gibt’s „Wiederholungen“ oder ne Art „Gedenken“. Francesca hieß z.B. eine Mutter mit ihren drei Kindern, die Bauern loswerden wollten. Tochter Laila genannt, Sohn Benedikt, zweiten Katernamen vergessen. Marcellos erste Babys, er kümmerte sich rührend um sie.

    … Ohne zu ahnen, dass allein die „phantasievolle“ Namensgebung Neid und Schlimmes auslösen kann. Wieder der private Klub: „Du hast ja gerade so viele Notfälle, gib mir doch vorübergehend Laila und Francesca, kümmere mich auch um ihre Vermittlung.“ Ich wusste damals nichts von „krankhafter Sammelleidenschaft“, war ein Jahr später zu Besuch: beim Öffnen der Tür fast vom penetranten Urin-Geruch umgehauen. Neun Katzen, die sich untereinander kaum grün waren, in einer winzigen Dachwohnung. Laila hockte neben einem Kater auf dem hohen Küchenschrank: „Och, sie kommen nur zum Fressen runter“. - „Und wo ist ihre Mutter Francesca?“ Widerwillig hob die „Katzenschützerin“ eine Decke im Schlafzimmer hoch. Darunter komplett bewegungsunfähige 12 !! Kilo. Musste viele Tränen runterschlucken.

    Der Scherz? Momentan, fast 20 Jahre danach, ist dieser „kriminelle“ Verein groß in der lokalen Zeitung wegen seines herausragenden Engagements. Meine liebenswürdige Haushaltshilfe sagt alle zwei Wochen: „Ruf da an, sie werden kommen, deine Schützlinge einfangen, kastrieren, vermitteln. Hast keine Futtergeld-Sorgen mehr.“ Niemals!


    … Weit zurück zur/zum dreibeinigen Rebecca. Eigenbedarfskündigung, musste das Rudel zurücklassen. Fast alles schon in der auch kleinen, vorübergehenden Dachwohnung, hatte Zeit zum Putzen, kam erst drei Tage später wieder. Fand Rebecca. Dreht mir heute noch das Herz um. Sie wollte (alle Katzen) nicht, dass ich gehe, versteckte sich unbemerkt. Kein Wasser, Futter - aber rücksichtsvoll ihre Geschäfte einzig auf den herumliegenden Plastikfolien erledigt.

    Schlussfolgerung? Jede zweite Nacht hingefahren, dabei oft im Schnee mit dem Wagen steckengeblieben, um mich von hinten anzuschleichen, das Rudel füttern zu können. War ihnen schnell klar, sie warteten oberhalb des Hofes.

    Überraschende Kehrtwende, als ich im Verteiler der Tierschutz-Organisationen einen Seufzer losließ? „Jemand“ erstattete Anzeige gegen den Ex-Vermieter, das Veterinäramt vor Ort, erklärte ihm, dass er sich um die Katzen kümmern muss. Garantiert trotzdem keinen Cent für sie ausgegeben. 😡


    … Erster Satz der neuen Vermieter? „Tiere strikt verboten!“ Aber so kleine fliegende sind einfach da. 😉 Eine Wespe besuchte mich am Schreibtisch, ihr etwas Honig serviert. Wie Sarah lud sie prompt alle Verwandten ein, schwups viel mehr als 100/200 Wespen. Kiloweise Honig besorgt - und ihr Dankeschön kennengelernt. „Helikopter“ ganz dicht an den Wangen, mit den „Rotorblättern“ streicheln sie dich. Kein Irrtum, mindestens eine machte es nach jeder Fütterung.


    … Und dann kam Giovanni! 😉 Hier war’s nämlich seitens des Vermieters noch schlimmer. Aber er kannte den Typen, schlüpfte spontan in die Rolle des Beschützers. Quasi „Sicherheitspersonal“. Von Gianni gelernt, im Zweifelsfall immer auf die Ohren einer Katze zu achten. Sie zeigen an, aus welcher Richtung sich der „Feind“ nähert.

    Schade nur, dass ein Kater nicht Zeuge für Einbrüche sein darf. Wenn er total verstört unter’m Bett hockte, Chaos herrschte, hatte der Hausbesitzer mal wieder seinen Passepartout in Abwesenheit benutzt. Nach mehreren solcher Erlebnisse, zog Giovanni Konsequenzen. Sobald ich mich im Bad fertig zum Ausrücken machte, setzte er sich gestiefelt und gespornt an die Küchentür: „Lass mich vorher raus, bleibe nicht ohne dich in der Wohnung!“

    Dabei blieb’s, auch als ich selbst die Schlösser austauschte. Währenddessen hatte sich Gianni längst mit Streunerin Elsa kurzgeschlossen, sie angestellt: Mitarbeiterin. Sobald ich draußen auf der Terrasse war, bewachte er die nördliche, sie die südliche Balustrade. Beide rührten sich nicht vom Fleck.

    Einbrecher-Königin Elsa zweimal ziemlich brutal gerettet. Oder wüsste jemand, wie man einer Katze, die von außen ins gekippte Fenster steigt, sich dabei stranguliert, anders helfen kann, als sie (Kopf anhebend) mit Anlauf in die Wiese zu werfen? 😉

    Von „Madame-Flohschleuder“ aus Not gelernt, die Biester mit der Hand zu fangen, um sie in Seifenwasser einzeln zu ertränken. Doch, kurz davor, meine Jagdtrophäen gerahmt an die Wand zu hängen. Deswegen hatte Elsa Hausverbot.

    Aber Gianni kümmerte sich um sie, Alarm im Winter bei -15°. Er insistierte so lange, bis ich Wanderstiefel und Jacke anzog, ihm folgte. Rannte zum Bach, setzte mit einem Drei-Meter-Sprung drüber. „Hallo? Das kann ich nicht! Gibt’s keine andere Möglichkeit?“ Doch, Kater „hüpfte“ zurück, weiter unten ein überwucherter Steg. Er zeigte mir auch, wo der nächste Bach seicht war. Um in einer Tannenschonung zu verschwinden. „Nein, krieche nicht auf allen Vieren unter zukünftigen Weihnachtsbäumen durch!“ 😉

    Drumherum war aber möglich und dort, was Giovanni mir zeigen wollte: Elsa. Total abgemagert, kurz vor’m Verhungern in der Eiseskälte. Musste nichts sagen, beide trippelten auf leichteren Wegen neben mir her nach Hause. Viele große Extra-Portionen, binnen einer Woche nahm sie deutlich zu. Flöhe wegen der Minusgrade kein Thema.


    … Mit Gianni musste ich einmal zu „meinem“ Veterinär, dem eigentlichen Großvieh-Doktor der Region. Die junge angestellte Tierärztin sagte spontan: „Aber das ist ja Felix!“ Sie wohnte ne Weile auf einem Nachbarhof, kastrierte all dessen Katzen. So erfuhr ich Giovannis ungefähres Alter. Immerhin acht dürfte er geworden sein, davon fast sechs bei mir. Grund der Konsultation war sein Humpeln. Frau Dr. vet. med. wollte natürlich gleich röntgen. „Nein, unnötig, gebrochen ist nichts.“ Hatte es selbst sorgfältig mehrmals abgetastet. Nur nicht daran gedacht, dass sich durch einen Biss beim Revierkampf ein Abszess im Schultergelenk bilden kann. Den hätten wir alleine kuriert. Stattdessen - ohne mich zu fragen - sofort ne 70 €-Spritze drin, Langzeit-Antibiotikum. Wie so ein kleiner Körper mit den Nebenwirkungen fertig wird, interessiert niemanden. Darmflora zerstört etc.

    … Selbstverständlich die Nadel auch meist in den Nacken, wo’s besonders wehtut, weil der Patient sofort seine Muskulatur anspannt. Praxis-Chef kannte mich ja schon lange, gab mir für Notfallkätzchen aufgezogene Spritzen mit. Nun, einer sollte das Tier halten, war ja alleine, fuhr daher zu den befreundeten Nachbarn … und machte eine komische Erfahrung. Mit K.s Frau (er hatte Blanche aus dem Silo geholt) auf den Stufen vor’m Haus, wir quatschten, die Kleine saß zwischen uns. „Aber jetzt muss sie mal ihre Spritze bekommen!“ - „Wieso? Ist doch längst passiert.“ Weder’s Katzenkind noch meine Nachbarin hatten’s gemerkt. 😉 Kleiner Pieks tief in die „lockere Felltasche“ an der Hüfte, da sind auch Muskeln, spüren sie praktisch nicht.


    Bitte, ich möchte keine Tierärzte verunglimpfen, es handelt sich um meine persönlichen Beobachtungen. Die Frage: „Wo schlägt bei einer Katze eigentlich das Herz, links oder rechts?“ wäre allerdings ein passender Schluss. Das ganze Team lachte sich halb tot, man brachte mir ein Stofftier, würde es durch den Vierfüßer-Stand verwechseln. An dem Tag nur Medikamente geholt, ne Woche später Marcello dabei. Doc horchte ihn ab, bekam einen roten Kopf: „Sie lagen richtig: Rechtsherz.“ 😉

    Herzliche Grüße

    Henrika

    Paulina, es freut mich ganz besonders, dass Du zur „Leserschaft“ gehörst, aber „mundgerechte Häppchen“ kannst Du Dir doch selbst zurechtschneiden? 😉 Musst die Beiträge ja nicht in einem Rutsch lesen? Mir fehlt an sich selbst die Zeit, so zu erzählen. Carol forderte mich dazu auf, und es scheint gerade jetzt sinnvoll zu sein, mich den Jahren mit Buschklinik und verwilderten Tieren zu stellen. Nur sind’s keine mehr oder weniger amüsanten Anekdoten, die ich mal eben lässig tippe, sondern immer hart an der Grenze des Aushaltbaren. Nicht einen einzigen Tod „weggesteckt“. Weder in der damaligen Wohnung noch hier. Jedes Datum in meinem Kopf.

    4. Mai 2018 zum Beispiel: Giovanni kam nicht zurück. Eine Woche nach Einzug Ende 2012 saß dieser rote Kater wie zur Begrüßung vor der Terrassentür - und wollte ausdrücklich ein Zuhause. Dauerte ewig, bis er mir mal die Pfote auf den Schoß legte. Im Bett kein Thema, dort besteht ein Mensch ja praktisch nur aus seinem Kopf. 😉 Und Katzen schlafen mit ihren Mamas „Hals über Kopf“.

    Nicht das reine Vergnügen, jede Nacht fünf bzw. zehnmal aufgestanden. Gianni benutzte keine Toilette, erledigte alles draußen, wollte mal eben jagen usw. Bei Rückkehr trommelte er mit den Vorderpfoten ans Schlafzimmerfenster.

    Anmerkung? 10 Jahre nie mehr als 20 min. am Stück geschlafen wegen der Notfälle bzw. Katzen überhaupt. Einmal verzichtete die Polizei gar auf den obligatorischen Strafzettel, sei ein glasklarer Tierschutz-Notfall. Och, Samstagabend um neun klingelt’s Telefon, möge gleich kommen, Mutter überfahren, Welpen erst zwei Wochen alt. Nur den Schlüssel geschnappt und in Hausschuhen los. Adresse hinter einer Eisenbahn-Trasse schwierig zu finden, musste wenden … Nicht bemerkt, dass mir ne Streife folgte. Als die Beamten, sie hatten mangels Papieren das Kennzeichen abgefragt, aber dieses Elend in der Schachtel sahen, Augen noch geschlossen, ließen sie mich „gehen“. Roberto und Angelina. Sie dreifarbig, Bruder schwarz. Bei jedem Aufwachen durch Fiepen das Fläschchen noch umklammert, beste Milch-Temperatur. Hält man nicht durch. Es fand sich eine „Amme“, die Totgeburten zur Welt brachte. Leider wenig Milch, kriegte die Geschwister schnell wieder. Immerhin eine erfolgreiche Vermittlung. Nur Angelina sollte’s sein. „Tut mir leid, man kann sie jetzt noch nicht trennen. Nehmen Sie Roberto für ein paar Wochen mit.“ Empörung hinterher? „Sie wussten doch von Anfang an, dass ich ihn nicht mehr hergebe?!“ Zumindest mein Ideal. 😉


    Wäre ein passendes Stichwort für die mich heute noch verfolgende Geschichte. Mal wieder nachts heimlich drei sehr kranke Welpen auf der Terrasse „abgeladen“. Tizian, Josephine und Paulchen. Sommer 2008. Josephine starb trotz Antibiotika, Paulchen musste ein Auge entfernt werden, Tizian war „nur“ komplett blind. Aber sie konnten gut damit umgehen. Paulchen wich nicht von Tizians Seite, „navigierte“ ihn. Eine Freude, die Brüder zu beobachten, wenn sie alle möglichen Hindernisse in der Wohnung schafften.

    Mir leider sonntags im Wald beim Pilze-Suchen alle Mittelfußknochen links gebrochen, tiefes Loch unter’m überwucherten Sturmholz. Der wegen Sarah erwähnte private „Katzen-Club“ brachte Tizian und Paulchen „vorübergehend“ ins nächste Tierheim. Leiterin war ebenfalls Mitglied in diesem Club. Zwei Wochen später fuhr ein Nachbar mit mir dorthin, wir wollten die Kleinen zurückholen. Man verweigerte ihm den Zutritt! Schließlich erfahren, dass man sie getrennt vermittelte. Null Gespür! Sind nur „Tiere“, keine Wesen mit Seele.


    … Ja, mich über die „Anmerkung“ selbst etwas ausgetrickst, Entschuldigung. 😉 Eine Parallele gibt’s immerhin, denn den Fuchs hier nannte ich auch Roberto - viel Zeit dazwischen. Füchse kommen gut alleine zurecht. Im Winter hungern aber alle Tiere. Deswegen war Roberto stets froh über Katzenfutter-Reste auf der Terrasse oder mal ein Stück Suppenfleisch. Licht einschalten, ihm zusehen durfte ich, aber Küchentür bitte nicht öffnen. Jede Nacht hier - bis ihn die Jagdpächter abknallten. 😡

    Vorher brachte er mir aber den vermissten Giovanni zurück, legte ihn auf der Wiese ab. Fundstück aus der Mistgrube des direkten Nachbarhofs. Am 4. Mai verschwunden, Kadaver am 8.12. „serviert“. Fell abgezogen und offenbar länger eingefroren, „frisches Blut“ in der Bauchhöhle. Bin ja medizinisch nicht plemplem. Den traurigen Rest meines Katers von allen Seiten photographiert, ihn eingepackt, Sack auf die Terrasse gestellt, um Gianni am nächsten Tag zu begraben.

    Es dämmerte schon, keine Stunde, draußen Rumpeln/Geräusche: Sack weg. Wer bitte klaut die Leiche eines Katers?! Wohl nur sein Mörder? Bzw. jemand, der verbotene Schlag- und Schlingenfallen aufstellt, nicht zur Rechenschaft gezogen werden will?

    Gut möglich, dass er auch Francescos Tod zu verantworten hat. Sein buschiger Schwanz durch so eine Falle „amputiert“ wurde.

    … Der kleine Sibire tauchte ca. vier Monate alt im Januar 2017 hier auf. Ich mochte ihn nicht aufgrund des ersten Gedankens: „Er kommt, weil Gianni gehen muss.“ Obwohl er so entzückend war. Gab ihm wegen seines wilden Ausdrucks aber den Namen des Heiligen Franziskus, der mit Wölfen sprechen konnte.


    Leider nicht annähernd so pazifistisch. Eher ne Art kämpferischer Wachhund, der niemanden mehr auf die Terrasse ließ, weil er sie als sein Revier reklamierte. Selbst Giovanni, der sich um den Kleinen kümmerte, jagte er weg. Klar, Ciccio immer versorgt, nur in die Wohnung durfte er nicht, hatte ja einen Kater, wollte den nicht ärgern.

    Welche Ironie, Gianni kam nicht wieder, fünf Monate untröstlich, zuletzt in Zeitungen und Internet einen „Ersatz“ gesucht. Dann hockt dieses langhaarige Viecherl im Herbst - wie immer - neben mir auf der Terrasse, und ich verliebe mich schlagartig in ihn. „Okay, darfst rein“. 4.10. Es war das Fest des Heiligen Franziskus. 😉

    Kaum absehbare Folgen, denn der kleine Kerl tackerte sich regelrecht an die Couch. „Ich bleibe hier so lange sitzen, bis klar ist, dass du wirklich nicht hinter mir die Türen schließt!“ Eine ganze Woche saß Ciccio dort.

    Oh, er konnte so liebevoll gucken, im Winterpelz eine Schönheit, aber es gibt ein Photo, das sein Wesen absolut darstellt: „Ich bin ein Löwe. Hüte dich!“ Vielleicht wird’s vom System des Forums akzeptiert? Probier’s. Ansonsten bis zu weiteren Geschichten

    Henrika

    Klappt nicht.

    15.6.

    Liebe Carol,

    Du (!) bist wohl ganz besonders, wenn Du so feinfühlig auf das Erlebte reagierst, nicht mal von Ferne auf die Idee kommst, ich würde Katzen „vermenschlichen“. DANKE.

    @ Moana: Oh, Du liest die Geschichten auch? Dachte, es würde außer Carol niemanden interessieren. 😉


    Heute umschiffe ich besser den Schmerz, erzähle mehr von Jakob, der 2009 entführt und umgebracht wurde. Ende Juni 2006 starb Marcello an seiner Autoimmun-Krankheit, Adoptiv-Sohn Jakob gerade ein Jahr alt. Bis dahin hatte ich abgesehen von der Versorgung, seiner Hilfe bei den scheuen Notfall-Kätzchen kaum etwas mit ihm zu tun, lernte Jakob praktisch erst kennen. Schnell ziemlich erschrocken. 😉

    Eindeutig die stärkste mir jemals begegnete Katzen-Persönlichkeit. Der kleine Kerl regulierte förmlich meine Arbeitszeiten. 20 Uhr: „Jetzt ist Schluss, wir gehen ins Wohnzimmer, möchte mit dir einen gemütlichen Abend verbringen, nicht alleine sein!“ Nach diversen „Klapsen“ auf den Po, richtete ich Jakob einen Schreibtisch-Korb ein. Den fand er toll, Hauptsache bei mir, wenn ein Manuskript unbedingt noch fertig werden musste.

    Nein, ihn nie gebeten, mich auf Waldspaziergängen zu begleiten, er tat’s einfach. Konnte so richtig böse werden, wenn’s zu lange dauerte: „Ich habe Hunger!“ Hätte Futter im Rucksack mitnehmen sollen. Zwei Stunden durch einen Bergwald sind für kurze Beinchen trotz Pausen natürlich ne Herausforderung. Beim Pilze-Sammeln platzte ihm eines Tages endgültig der Kragen: Attacke! Nicht übertrieben, ich musste mir einen dicken Ast schnappen, um mich gegenüber dem eigenen Kater zu verteidigen, der nicht etwa biss oder schlug, sondern mir immer wieder mit Anlauf ins Gesicht sprang. Cholerisches Temperament. 😉 Während gelegentlicher kurzen Nachtwanderungen hatte Jakob jedoch Angst, drängte sich an mich. „Ist doch nur der Ruf eines Rehbocks, musst dich nicht fürchten“.

    … Seine überragende Intelligenz zeigte Katerchen 2008. Man schenkte mir eine Nordmann-Tanne, Heiligabend mühsam in den Ständer bugsiert, Strohsterne, kleine Goldkugeln, Bienenwachs-Kerzen. Er schaute die ganze Zeit zu, kaum setzte ich mich, sprang Jakob auf meinen Schoß … und ich erzählte ihm „automatisch“ sehr ausführlich die Weihnachtsgeschichte. Dauerte viel länger als in einer Mitternachtsmesse. 😉 „Stell’s dir mal vor, Maria hochschwanger, musste 70 km von Nazareth nach Bethlehem zu Fuß laufen. Da gab’s noch keine Autos, und sie waren zu arm für einen Esel-Karren …“ Jakob döste bzw. schnurrte - bis zum Klassiker „außer Maria und Josef nur Ochs und Esel im Stall“. Zack saß er senkrecht, funkelte mich an. Nachgedacht: „Logisch, garantiert auch eine Katze, womöglich direkte Vorfahren von dir, du stammst ja aus dem Libanon-Gebirge?“ Offenbar zufrieden stellender Kommentar, er legte sich wieder hin, schien zu schlafen.

    Nächste Hürde die Engel auf dem Feld. „Entschuldigung, Engel kann ich dir nicht erklären, das verstehst du nicht.“ Quittung: ein mittlerer Wutanfall. … „Ups klar, du kannst Engel sehen, ich aber nicht??“ Kaum gesagt, friedlicher Kater. 😉 Der für den Rest dieser Geschichte, Ermordung kleiner Kinder durch Herodes, Flucht nach Ägypten, nichts zu beanstanden hatte. Mich aber total irritiert zurückließ. Warum nicht früher kapiert, dass Tiere selbstverständlich Engel wahrnehmen?

    Es wurde noch schräger. Als Jakob im September 2009 nicht nach Hause kam, eine Freundin beauftragt, die betend oft Visionen hatte, ihn ausfindig zu machen. Ein paar Tage später rief sie an: „Es geht ihm sehr gut, er ist bei Bruno. Erkundige dich doch mal, welche deiner Nachbarn so mit Vornamen heißen!“ Unnötig, ich wusste sofort, dass Jakob tot ist, der Heilige Bruno nämlich mein „Ordensvater“ als Kartäuser-Eremitin.

    Historisch stimmt ja manches nicht, denn die „echten“ Kartäuser-Katzen haben nix mit dem im 11. Jahrhundert von Bruno bei Grenoble gegründeten Orden zu tun. Es sind „Libanesen“. 😉 Trotzdem eine wunderbare Nachricht, auch darüber, dass es keine „getrennten Himmel“ gibt - Menschen hierhin, Tiere in einen anderen. Jakob, Sarah, Marcello, Francesco, Giovanni, Florian, Rebecca, Bernardo* … warten auf mich, wir sehen uns demnächst wieder.


    Rosina sollte ich vielleicht doch noch erwähnen, obwohl’s Kraft kostet? Weil sie mir zeigte, dass eine Katze schrecklichste Erfahrungen, die von ihr daraus gezogenen Konsequenzen, schlicht über Bord werfen kann, was Menschen ja kaum gelingt.

    Küchenfenster-Szene: Drüben auf dem Hof schleuderten die Jungs der Gartenpächterin das Katzenkind an einem Bein durch die Luft, warfen es sich zu - ihrer Mutter völlig gleichgültig. Konnte nicht eingreifen, zu weit weg. Rosina überlebte und schlug sprichwörtlich zurück. Alle Artgenossen fürchteten sie. Mich hätte es fast mal ein Auge gekostet, als ich sie füttern wollte. Durch ihre stets bissigen Kontakte infizierte sie sich offenbar mit gleich allen vorhandenen Seuchen, stand plötzlich in erbärmlichem Zustand vor der Gartentür. Die „Buschtrommeln“, jede Katze im Tal wusste, wo’s „Medizin“ gab. 😉 Meine Diagnose? „Sie stirbt binnen einer Woche“. Ich hatte echt Angst vor ihr, trotzdem bzw. mit der Perspektive: „Na gut, komm rein.“

    Rosina Essen serviert, ihr’s Klöchen gezeigt, ansonsten aus dem Weg gegangen. Prompt setzte sie sich bei den TV-Nachrichten hinter mich auf die Couchlehne. … Ganz vorsichtig die Hand ausgestreckt. Zunächst wich sie zurück, dann eine ihr ganzes Leben revidierende Einsicht: Hände sind zum Streicheln da!

    Von exakt diesem Augenblick an die liebste Katze der Welt, soo glücklich. Tagsüber bei der Arbeit hockte sie Stunden auf einem Stuhl im Büro, schaute mich unentwegt an, nachts schlief sie am Fußende. Und als es ihr schlechter ging, konnte ich Rosina herumtragen wie ein Baby, auf die Toilette setzen, an’s Futterschälchen. Von wegen eine Woche, drei Monate (!) gab’s ihr Auftrieb, Lebenswillen.

    Mich erschütterte diese Kehrtwende zutiefst. Sie hatte alles Leid verziehen, war total abgeklärt. Fügte sich ein, damals lebten Sarah und Marcello noch, es gab etliche Notfälle in der Wohnung, Rosina war eben keine „Prügelkatze“ mehr.

    Wie sich diese Geschichte nun überhaupt im verwilderten Rudel herumsprechen konnte, ist mir ein Rätsel, aber ein paar Jahre später wurde für etliche die „Buschklinik“ ein „Hospiz“. Schwerkranke kamen zum Sterben. So etwas tun Katzen nicht, sie verstecken sich, meiden Menschen!


    … Das * hinter Bernardo oben: Weil er, hiesiges Tal, genau die gleiche Mähwerk-Verletzung im Pfoten-Gelenk hatte. 20 Jahre nach Rebeccas Unfall. Noch ne Amputation?Sofort abgelehnt. Er fand’s natürlich wenig amüsant, dass ich die klaffende Wunde in einen feucht-antiseptischen Verband packte, ihm Globuli gegen multiresistente Keime und seine Schmerzen gab. Hielt aber immer still - und be-hielt sein Bein. Nach sechs Wochen alles prima verheilt, Fell drüber. 😉

    Der ultimative Streuner, bis Bernardo im strengen Winter ans Bürofensterle klopfte, mich lange anschaute. „Viel zu kalt, nicht wahr?! Du möchtest ein Quartier? Solltest aber mit Francesco und seiner großen Liebe Alessia zurechtkommen.“ Er verstand’s sofort, war schier unsichtbar, pennte auf der Wäschekommode im Bad, rückte morgens aus, kam erst nach Einbruch der Dunkelheit wieder. Aber als Bernardo dann merkte, dass er trotz völliger Zurückhaltung für die beiden noch recht jungen Katzen gegen seinen Willen zu dominant war, verschwand er. Die hatten nur Respekt vor ihm, dem Älteren, es gab keine Rangelei beim Essen o.ä., nichts. Sehr sensibler Kater, trifft man kaum in „freier Wildbahn“. 😉


    … Nie reflektiert, ihre Charaktere en detail sehen/verstehen zu können, liegt an Deinen so freundlichen Antworten, Carol. 😉 Für mich irgendwie selbstverständlich. Gleichzeitig, auch jenseits von Katzen, oft genug festgestellt, dass man die einem begegnenden Geschichten des realen Lebens überhaupt sehen können muss. Wer sie ignoriert, hat quasi Pech gehabt.

    Übrigens bei den aktuellen „Kostgängern“ noch völlig ratlos, kann ihre Mimik nicht „lesen“. Durch’s Erzählen, weil Sarahs abgegebene Söhne schon nach einem Monat keine mehr hatten, dämmert mir, dass diese halb verwilderten Tiere in einem ähnlichen bzw. weit schlimmeren Status sind. Gesichter wie „eingefroren“. Sie sind nur froh - jenseits von Dankbarkeit - bei mir jederzeit Mahlzeiten zu bekommen, ihren Hunger stillen zu können.

    16.6.

    … Über Nacht fiel mir noch eine andere Bestätigung von Jakobs Tod ein (bevor er gesichert war), mitten in Sorge und Trauer soo witzig. Das verwilderte Rudel hatte mitbekommen, wie man ihn mit einem Käscher fing - ich träumte es nur: eine „Astgabel“ klemmte Jakob ein, drückte ihn zu Boden. Suchte vergeblich jedes Gebüsch ab.

    Reaktion des Rudels? Eine Mäuse-Flut! Pro Tag legten sie mir mindestens 10 vor die Gartentür. Katzen-Logik: Ich hatte meinen „Ernährer“ verloren, nun mussten sie mich durchbringen. 😉

    Liebe Grüße

    Henrika

    Entschuldige bitte Carol,

    konnte nicht früher reagieren. Mich (!) erstaunt Dein ausführlicher Kommentar - merci beaucoup -, fand’s bisher „ganz normal“, so mit den Tieren zu leben. Wobei sie mir ja alles beibrachten.

    Katzen sind bei entsprechender Zuwendung äußerst sprachbegabt, entwickeln bis zu 350 unterschiedliche Laute. Ist ja nicht soo schwer, verglichen mit einer Fremdsprache? 😉 Aber leicht, ne entsprechende Erziehung sehr schnell zu ruinieren. Sohn und Tochter der Nachbarn wollten für ihre Kinder unbedingt zwei von Sarahs „Büffeln“. Weil es damals überall hieß: „Ich will keine Katze, ich will eine Sarah!“ Die Jungs erst mit 12 Wochen abgegeben. Einen Monat später erkannte ich meine „Enkel“ nicht wieder: total stumpfer Blick. Tja, sie liefen halt auf dem Hof irgendwie mit. Feste Fütterungszeiten, wer nicht da war, bekam nichts. Keine Ansprache usw.


    … Währenddessen entwickelte sich Marcello sehr schnell zum „Assistenten der Buschklinik“. Ohne ihn hätte ich’s niemals geschafft, mit so vielen Notfall-Welpen fertigzuwerden. Im Gegensatz zu „normalen“ Katern liebte er Kleine über alles, legte sich in den großen, geschenkten Hundekorb, wenn deren Mutter mal ne Pause draußen brauchte, wärmte sie und kuschelte mit ihnen. Oder lockte total verängstigte Waisen unter’m Gästebett hervor, damit ich sie medikamentös versorgen konnte.

    Irgendwann, die Leute im Tal lästerten dauernd über mein Katzen-Asyl, um mir heimlich nachts kranke Welpen auf die Terrasse zu schmuggeln, brachte eine „ehrlichere“ Frau den 10 Wochen alten Florian. Er sei ihr „zugelaufen“, sie könne ihn nicht behalten.

    … Kein Problem, Marcellino - damals schon recht krank - adoptierte ihn sofort, sein Söhnchen. Er wurde auch mit Flo fertig, ich weniger. Hyperaktiv kein Ausdruck, schätze Katerchen litt an ADHS? 😉 Als er rausdurfte, konnte er den ganzen Tag vom Schuppen des Hofes über die Wiese bis auf die Apfelbäume und zurück sprinten. Selbst dann noch nicht ausgelastet. Seine rituelle Begrüßung abends war’s Verbeißen in meinem Arm, musste Florians Kiefer regelrecht „aushebeln“ (freundlicherweise nur Babyzähne). Danach tanzte er auf Marcello herum, als wär’s ne Matratze: „Hi Papi, bin wieder da!“ Um mal eben an den Stores hochzuklettern. Alle Vermittlungsversuche scheiterten, deswegen blieb Flo.

    … Der Kleine wurde 11 Monate alt. Sonntagmorgen holte mich Marcello klagend aus dem Bett, sollte folgen, brachte mich auf den Balkon. Vor’m Haus lag Florians zerschmetterter Körper. Landwirtschaftsweg, 40 km/h erlaubt, aber speziell jüngere Leute rasen dort wie die Irren, weil’s keine Polizei-Kontrollen gibt, probieren ihre tollen Wagen aus. Sehr deutlich, dass Florian noch versuchte in den Zypressenstrauch zu kommen, bei über 100 km/h chancenlos.

    Wegen dieser Tragödie musste ich zum ersten Mal ganz schnell selbst ein Kätzchen besorgen, alternativ hätte sich Marcello vor Kummer aufgegeben. Flo natürlich ungeeignet für jegliche Mitarbeit in der Buschklinik, Jakob lernte es schnell. Wirklich süß, wenn er gurrte wie eine Katzenmutter, um „Patienten“ aus ihren Verstecken zu holen oder ihnen „Unterricht“ zu geben. Saß abends auf der Couch, er kommt mit dem scheuesten Welpen ins Wohnzimmer: „Guck hin, ich springe auf ihren Schoß und wieder herunter: sie tut mir absolut nichts! Mach’s noch einmal: alles gut. Jetzt bist du dran!“ Die Kleine reagierte prompt, flog in meinen Arm, ließ sich streicheln, hatte danach keine Menschen-Angst mehr.


    … An einer Stelle muss ich Dich korrigieren, Carol, „soziale Strukturen“ in den verwilderten Rudeln sind unabhängig von der Versorgung. Da gilt normalerweise nur schwach oder stark. Kranke Tiere werden recht gnadenlos ausgegrenzt. Durch den längeren Kontakt mit ihnen, weil sie schließlich auf mich hörten, konnte ich’s unterbinden. Hier aktuell in dieser recht kleinen Gruppe lässt sich der dominante Kater (noch) nix sagen. Obwohl ich oft böse werde, wenn er immer und immer wieder Carlotta „vergewaltigt“, beim Füttern direkt vor meiner Nase. Sie ist nicht rollig - und er weiß nicht „wie’s geht“. Vermutlich in der Anleitung nur bis zum Nackenbiss gekommen? 😉 Carlotta fand nun selbst, musste deswegen die Piepmatz-Ecke draußen anders sortieren, eine Lösung: Wenn sie sich zwischen den Holmen auf die kleine oberste Stufe der ollen Aluminiumleiter legt, dort stand bisher das Vogelfutter, kommt der Kater nicht mehr an sie heran. „Technisch“ unmöglich.

    … Soll ich weiter berichten? Noch immer nicht langweilig? Könnte allerdings traurig werden, sobald’s darum geht, dass Katzen lange vorher wissen, wann sie sterben, deswegen besondere Nähe suchen, Alpträume haben oder man ihnen Geschichten erzählen soll (!). Bzw. die verwilderten Tiere ihre „Buschklinik“ als Hospiz wählen.

    Herzliche Grüße

    Henrika

    Muss Dich enttäuschen, liebe Carol: Die Buch-Idee ist ein „alter Hut“. Wurde schon so oft dazu aufgefordert. Kannst gerne ein paar tausend Dateien durchforsten, daraus etwas machen. 😉 Ich war selbst bis zur Rente Lektorin bei einem wissenschaftlichen Verlag, weiß, dass es nicht zu schaffen ist. Einige Geschichten, hier noch nicht erzählt, wurden allerdings unter Pseudonym im Internet veröffentlicht.

    Das komplett Verrückte, hatte es mehr als 30 Jahre vergessen, war eine Begegnung am Strand, nahe St. Tropez. Musste dort mehrere Tage bleiben, mich versorgen lassen, schlimmer Sonnenbrand. Offenbar die ganze Zeit von einem Mann beobachtet, der mich schließlich ansprach: „Mademoiselle, ich gebe Ihnen sofort vier junge Tiger zur Dressur. Sie können das. Glauben Sie mir bitte, so etwas sehe ich!“ Ihn abblitzen lassen: „Tiger gehören nicht in den Zirkus, sondern Dschungel. Würde sie dorthin zurückbringen.“

    Fiel mir erst wieder ein, als die verwilderten Tiere jedes Wort verstanden. „Paulchen, Rodrigo, ihr kommt sofort vom Baum, lasst Annabelle zufrieden!“ (bis in die obersten Äste gescheucht) - „Okay, Chefin, wir sind doch schon hier.“ - „Das Schälchen gehört der Verletzten, niemand macht ihr mehr’s Futter streitig, klar?!“ - „Ja natürlich.“ 😉 Konnte’s selbst nicht glauben, vom Fenster aus beobachtet, wie’s Mobbing schlagartig beendet war.

    Wobei’s Rudel selbstverständlich zwei lange Jahre kontinuierlicher Versorgung brauchte, um mir den Titel „Clan-Chefin“ überhaupt zu verleihen. Och es gibt „Forschungsberichte“ von Biologen über verwilderte Populationen. Nur gehen die ein-, zweimal pro Woche hin, machen sich Notizen, leben nicht mit den Tieren.

    Wenn ich in den Wald wollte, kamen alle (!) mit. Die Mädels liefen neben mir her, schnatterten ununterbrochen, erzählten von den Missetaten der Kater. Mussten aber oben am Waldrand gleich in die allerletzte „Reihe“. Gruppenhierarchie. Pause auf einem Baumstamm. Es bildeten sich „automatisch“ mehrere Halbkreise. Rudelbosse auf dem Stamm, dahinter je nach Durchsetzungsfähigkeit die Kater, ganz zuletzt, unterste Kategorie „ihre Frauen“.

    So etwas wird nicht dokumentiert, bzw. niemand sieht es. Lange gesucht: keine Parallele zu Füchsen/Fähen gefunden. Zum Greifen nahe. Wenn verwilderte Katzen sicher sind, ihren täglichen Bedarf an Futter zu bekommen, müssen sie sich nicht mehr wahllos „reproduzieren“. Statt vier Würfen pro Kätzin und Jahr nimmt nur noch eine stellvertretend auf.


    … Gut, wollte von Rebecca erzählen, pechschwarz, mich - kam öfter vor - im Geschlecht geirrt, sie war ein Kater. bzw. ein verwildertes Katerkind, das zum Spielen oft in die Wohnung platzte, hingebungsvoll Sisalbälle auf den Hinterpfoten balancierend tanzte. Ein Traum bzw. ne exquisite Ballett-Vorstellung.

    Bis zum tragischen „Absturz“. Morgens Klagen vor’m Schlafzimmerfenster: Verletzung unmittelbar im linken Pfotengelenk. Bei der Heuernte ins Mähwerk geraten. Wir rasten zum Tierarzt, Operation würde dauern, solle Rebecca später abholen. Ja, so richtig prima: noch drei Beine. „Man kann bei Katzen nicht anders amputieren, nur am Schultergelenk!“ Oder einfach gar nicht amputieren, die Wunde behandeln?? 😡 Bin auch 20 Jahre später noch zornig.

    Musste zunächst eben ihr Aufwachen daheim begleiten, hatte einen Pflegefall. Es war grauenvoll mitzukriegen, wie der kleine Kater namens Rebecca versuchte, sein Gleichgewicht zu finden, dauernd umfiel. Unmöglich, ihn so in die Wildnis zu schicken. Eines Tages hatte er/sie es geschafft, griff sich den nächsten Sisalball und tanzte … auf nur einem Bein.

    Ups, Doc verlangte für seine Buchführung einen männlichen Vornamen. Aussichtslos, er/sie wollte Rebecca heißen. Vielleicht schon lange „queer“, bevor der Begriff aufkam? 😉


    … Gut möglich, Deine Frage, dass es wichtig ist, die Persönlichkeit eines Tieres zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Sarahs Söhnchen Marcello zum Beispiel „der Systematiker“. Immer ein (von der Spiegelablage geklautes) Q-Tipp lässig im Mundwinkel à la Humphrey Bogart’s Zigarette. Jetzt war ihm das Ding unter die Wohnungstür gerutscht. Er stürmte ins Büro: „Kannst du mal schnell kommen, helfen?“ Tür geöffnet, Wattestäbchen ausgehändigt. Der Beginn einer nervenden Serie, wo immer er seine „Zigarette“ verbummelte. - „Marcellino, ich schwör’s dir, sie ist nicht unter der Wohnungstür!“ - „Machst du die bitte trotzdem auf, damit ich’s selbst sehe?“ … „Ookay. Na gut, hol mir ne neue, weiß ja, wo sie sind.“ 😉


    … Zur Frage nach den jetzigen, stand mal ganz oben im Thread: Es sind sechs, und nicht meine. Halb verhungert im November zugelaufen, betrachten mich seitdem als Imbissbude und „Hausärztin“ in Personalunion. Wenn ich morgens um 4.40 Uhr! die erste „Currywurst“ servieren soll, ohne selbst mal am Kaffee genippt zu haben, vergeht mir gelegentlich der Humor. Aber, Erfahrungswert, nur so entwickelt sich Freundschaft. Muss mir oft anhören, völlig „unter dem Pantoffel“ zu stehen. Fehlanzeige, Katzen knüpfen ihr Vertrauen an permanente Bereitschaft. Wenn die sehr, sehr lange nicht einbricht, du ihnen immer „gehorchst“, sind sie an deiner Seite.

    … Als 2009 Jakob verschwand - wie sich später herausstellte, entführt und ermordet - ich ihn sogar über’s regionale Radio suchen ließ, überall TASSO-Plakate aufhängte, sagte mir die Vorsitzende des Tierschutzvereins: „Der kommt doch wieder, meine Katze war drei Wochen weg, lag plötzlich im Gästezimmer!“ Fremde Welt. Niemals wäre eines „meiner“ Tiere selbst vom kürzesten Ausflug zurückgekehrt, ohne sich sofort bei mir zu melden. „Bin wieder daha!“

    Jakob versehentlich tagelang irgendwo auf einem Hof eingesperrt, bis der Bauer den Schuppen wieder öffnete. Katerchen schleppte sich direkt nach Hause, kam ins Büro, brach vor meinen Füßen zusammen. Ihn auf’s Bett gelegt, Wasser, Futter offeriert: beides verweigert. Tierarzt angerufen. „Klar, er ist völlig dehydriert, braucht dringend Infusionen. Morgen früh um acht, stationär.“ Nächste Quizfrage oder keine wegen der sensiblen Katzenohren? Warum verstehen sie ohne Lautstellung, worüber geredet wird? Jakob verputzte, kaum den Hörer aufgelegt, drei Portionen nacheinander, trank einen „Eimer“ Wasser, strahlte mich an: „Muss doch morgen nicht ins Krankenhaus?!“ 😉

    … Sarah überbot die „Spionage“ allemal. Mehr als unangenehmes Gespräch mit einem privaten „Katzenschutz“-Klub, fiel auf’s Bürobett, weinte. Sie sprang hinzu, wischte mir ganz vorsichtig mit der Pfote die Tränen aus dem Gesicht.

    Etliche Wochen danach die „Dame“ zu einem Versöhnungsessen eingeladen. Es klingelte, Marcello und Sarah „bei Fuß“ - beide schneller weg, als man gucken konnte. Sie rannte zur Gartentür: „Lass mich raus, mit der bleibe ich keine Sekunde unter einem Dach!“ Söhnchen pinkelte vor die Musikanlage, nie vorher oder nachher getan. Seine Mutter hatte ihn offenbar informiert, der Kleine war ja während des Gesprächs gar nicht anwesend. 😉 Völlig durchgeknallte Situation. Hätte auf meine Bodyguards hören sollen, dann wären mir noch schlimmere Erfahrungen mit diesen Leuten, denen es nie um das Wohl der Tiere ging, erspart geblieben.

    Um die Ungeheuerlichkeit richtig einordnen zu können, wäre hinzuzufügen, dass die Frau regelmäßig bei uns ein uns aus ging, besorgte mir immerhin üppige Futterspenden für’s verwilderte Rudel. Sarah kuschelte mit ihr, hockte beim Essen auf ihrem Schoß. Plötzlich diese krasse Abwehr nach dem Telefonat, als wüsste sie genau, mit wem ich sprach. Und Marcello zog mit. Da geht’s wohl um „seismographische Antennen“, von denen wir uns kein Bild machen können?


    … Lebende Katzen hier sind versorgt, gute Nacht

    Henrika

    Na gut, hast mich überredet. 😉

    Sarahs Kinder sind (drei Wochen) auf dem „Avatar“, einziges gelungenes Photo. Wenig später konnten sie laufen, erhielten den Spitznamen „die Büffel“, weil sie ab halb fünf morgens rauf und runter durch den langen, gefliesten Flur galoppierten, es sich wie Hufe-Geklapper anhörte.

    Nachdem ich einmal fast die kostbare Wurzelholzkommode meiner Großmutter zersägte, weil Marcello von hinten bis in die oberste, flache Besteck-Schublade kletterte - hätte ihm beim Öffnen den Kopf abgerissen - und ich wegen Serafino die Küchen-Unterschränke komplett abbauen musste, wurde ein stündlicher (!) Appell eingeführt: „Alle noch da? Gut.“

    … Gerade erst anderthalb Monate alt, kam Lissy. Nämlich beim Vermitteln von Fundkätzchen versprochen, sie immer zu nehmen, wenn ihre Herrchen/Frauchen in Urlaub etc. wollten. Lissy reiste mit großem Gepäck an. Die Büffel fasziniert vom überdachten Klo, jeder wollte sofort einmal rein pinkeln. 😉

    Nebenbemerkung: Diese Vermittlung ging „über Bande“, Tierarzt fragte nach einem Kleinen, hätte es selbst den Leuten, speziell der recht hysterischen Frau, nicht gegeben.

    Jedenfalls war Lissy nach so kurzer Zeit dort - als Wohnungskatze - schon total verstört. Und am zweiten Tag durch’s für Mama Sarah angelehnte Schlafzimmerfenster getürmt. Wir, Suchtrupp bestand aus einem Dutzend verwilderter Katzen, Sarah und mir, klapperten stundenlang das Gelände ab: vergeblich. Gegen Mitternacht mit Sarah gesprochen. „Du kannst unter jedes Dornengestrüpp, ich nicht. Geh bitte noch einmal los, bring Lissy zurück.“ … Um zwei klopfte sie ans Fenster, schien alleine zu sein. Von wegen! Ein paar Meter weiter saß Lissy artig vor der Gartentür. 😉 Nämlich buchstäblich „zusammengefaltet“ (ihr Gesichtsausdruck). Keine Ahnung, was ihr Sarah - die Lissy nicht mochte ! - erklärte, das Tierchen wie ausgewechselt.

    Tagsüber, musste ja arbeiten, lag sie auf meinem Schoß im Büro, abends durfte das Mädel mit den Büffeln ne Weile nach draußen, kam stets als erste, wenn ich rief. Beim Abholen fragte der Besitzer sofort: „Wie haben Sie das denn geschafft, unsere Katze ist so ausgeglichen?!“ Er hätte sich an Sarah wenden sollen. 😉


    … Kurz darauf, Mutter und Söhne schliefen, hörte ich nachts, normaler „Kontrollgang“ über den Hof, ein leises Wimmern: Katzenbaby war von oben ins leere Getreidesilo gefallen. Zurück gerannt, alle Bettlaken aus dem Schrank gezerrt, sie verknotet - keine Chance. Kätzchen wollte sich nicht daran festhalten. Den weiter entfernten, befreundeten Nachbarn angerufen, ihm die Situation erklärt. „Ich komm, bringe ne lange Leiter mit. Wie spät ist es eigentlich?“ „Halb drei.“ - „Ach so. 😉 Selbst Landwirt wusste er, wie man vom Stall aus das Silo öffnet, gab ihm eine Korbtasche. Er kletterte rein, auch von dort noch etliche Meter tief, kam nach einer Weile hoch. „Hast du sie?“ - „Ja, wenn du möglichst die Tasche zu lässt!“

    … Es gibt ein Drama von Bernanos über Nonnen, die während der Französischen Revolution hingerichtet wurden, daher gab ich ihr den Namen Blanche (von der Todesangst Christi). Offenbar passend, denn sie blieb „panisch“. Trotzdem für Blanche das ideale Konzept, wieder eine Mutter zu haben, die sie gerne stillte, und gleich drei Brüder.

    Pointe? Irgendwann eine Anzeige geschaltet: „Blanche sucht liebevolle Adoptiveltern, die ihren unsanften Sturz ins Leben abfedern.“ Es meldete sich nur ein Ehepaar. Blanche - mühsam eingefangen - im Korb auf dem Wohnzimmer-Tisch. „Wir müssten sie aber mal sehen?“ - „Nein! Bitte nicht aufmachen!“ Zack weg. Wir robbten zu dritt durch die Wohnung. Kätzchen wieder im Korb, Pipi lief raus, dann roch’s nach Stinkerle. Frau zweifelt, Mann sagt: „Liebling, du willst doch eigentlich keine Katze, sondern eine Aufgabe?“ - „Stimmt! Wir nehmen sie.“ Setzt sich im Wagen das „undichte Katzenklo“ mit Inhalt auf den Schoß, lacht: „Muss ich jetzt mal aushalten.“

    Ganze zwei Wochen hockte Blanche hinter’m Kühlschrank, holte sich nur nachts Futter. Dann war der Bann gebrochen, sie Familien-Mittelpunkt. Email? „Komme nach Hause, mein Mann liegt mit ihr auf der Couch, sagt: ‚Entschuldige Schatz, konnte dich unmöglich anrufen, hätte sie ja geweckt‘.“ 😉


    … Eine Geschichte geht noch? Ne Weile vor den Büffeln, Sarah erst ein halbes Jahr alt. Lidödem durch Katzenschnupfen, teure Medikamente, außerdem täglich Augentropfen/-salben. Mäuschen ließ es sich gefallen, nur verschwanden ihre Augenmittel permanent. Einmal steckten sie zwischen den Duschhandtüchern im Regal, dann will ich meine Schuhe anziehen: Fläschchen drin. Weihnachtseinladung, vom Schwarzwald aus lange Fahrt bis zum „Niederrhein“. Kein Problem, Klöchen vor’m Beifahrersitz, Futter auf der Rückbank. Großer Empfang draußen - Sarah plötzlich weg. Hatte eine gewisse „Ahnung“, fand meine kluge Katze im Bad, erster Stock. Augentropfen der Gastgeberin schon zwischen den Zähnen, sie wollte „das gemeine Zeug“ verstecken. Hunde können gut riechen, weiß man - aber wieso rennt ein Kätzchen schnurstracks durch’s völlig unbekannte Haus zum Medikament, nimmt spontan an der Tür Witterung auf?

    Vier Monate später, konnte Sarah doch überlisten, zum 60. Geburtstag nach Münster, riefen mich ihre Babysitter, die total aufgelösten Nachbarn im Hotel an. Ganze Familie suche seit Stunden. Tropfen hätten auf der Anrichte gestanden, seien nicht mehr da. 😉 Später unter’m Kühlschrank entdeckt.


    Soweit heute. „Rebecca tanzt“ wäre noch eine tragisch-schöne Geschichte? Übrigens ist mir alles so gut in Erinnerung, weil ich jede Episode aufschrieb, ne Art „Tier-Tagebuch" führte.

    Herzliche Grüße

    Henrika

    Liebe Carol,


    Deine Anteilnahme und die Begeisterung für erlebte Geschichten, merci beaucoup (!), ermutigt mich zwar, weiter zu erzählen … aber außer Leon und den anderen jetzt zugewanderten fünf lebt keine der (bisher) erwähnten Katzen-Persönlichkeiten mehr.

    Es sind auch zwei verschiedene Täler, in der früheren abgelegenen Wohnung das riesige Rudel mit 70 Jungen jährlich, einer Art privater Auffangstation/„Buschklinik“, hier relativ wenige „Patienten“.

    Entscheidend vorher wohl, dass ich jahrelang praktisch rund um die Uhr da war, „uns“ kaum jemand störte. Dazu Sarah. Null Ahnung von Katzen, aber „über Nacht“ gleich ein Baby, das mich als langbeinige Mutter betrachtete. Selbst lange nicht kapiert, dass sie mir ihre Sprache beibrachte - so wie das verwilderte Rudel draußen. Im Gegenzug lernten sie meine. An kalten Winterabenden durften alle rein, verteilten sich auf Schlafzimmer, Büro, Ess- und Wohnzimmer. Haudegen Sirkan hätte gerne Marcellos Platz auf der Couch neben mir eingenommen, attackierte Sarahs Sohn. Kurze Ansage: „Wenn du noch einmal deine Pfote erhebst, fliegst du achtkantig raus, für immer!“ - Er schaut mich an: „Stimmt eigentlich, der Platz vor deinen Füßen ist genauso schön“, legt sich hin. 😉

    Total witzig unser Silvester-Besuch bei Freunden. Gastgeber fragt Sarah während des Neujahrsfrühstücks: „Du Käse?“ Ich wäre vor Lachen wegen ihrer Mimik fast geplatzt: „Du Ausländer?“ Sie rührte sich nicht von der Stelle. - „Bitte sprich normal mit ihr, Sarah ist an ganze Sätze gewöhnt.“ - „Möchtest du ein Stück von diesem ausgezeichneten französischen Brie?“ - „Ja gerne.“ Sie erhob sich sofort, nahm ihm den Käse vorsichtig aus der Hand.


    Muss es in diesem Forum bestimmt nicht wiederholen? Passiert extrem selten, dass sich ein noch nicht vierwöchiges Tierchen auf die Suche nach seiner toten Mutter begibt, 50 m oder mehr herum tapst, sich dann an einem Menschen als Ersatz „orientiert“. Daraus resultieren ungewöhnliche Prägungen. Wessen Katze holt einen verdruckten DIN A-Bogen mit Kopfsprung aus dem Papierkorb, legt ihn glatt auf den Boden und sagt: „Da, mach mir einen Ball“? Steht als Keeper im Tor - apportiert? Oder kriegt beim Anblick des gepackten, offenen Koffers … ne ganz andere Krise? „Sie will ooohne mich verreisen!“

    Ja, ausnahmsweise, großes Geburtstagsfest, lange Fahrt und Sarah hochschwanger. Och, mit drei Jungs im Bauch kann man noch locker vom Balkon fliegen, sich in undurchdringlichem Brombeer-Gestrüpp verschanzen. Nämlich exakt soo lange, bis Hotelzimmer und die Reise an dem Tag storniert sind.

    „Hochzeit“ eher meine Idee, um ihre Instinkte zu stärken. Katze, die Angst vor Mäusen hat, ist a bisserl seltsam? Aber gut, wenn eine junge Mutter gelernt hat, aus dem Glas zu trinken. Ihr im „Kindbett“ Wasser und Futter angereicht. 24 Stunden blieb sie nonstop bei den Kleinen, dann war ich plötzlich und definitiv „Oma“. Rigorose Aufsichtspflicht. So entstand die „Wanderkiste“. Neugeborene im Büro, Küche und Wohnzimmer. Falls einmal vergessen, wollte Mama sie über den Garderobenständer mit waghalsigem Sprung auf den fast deckenhohen Kleiderschrank in Sicherheit bringen. Oder war beim Couch-Nickerchen erst zufrieden, wenn ihre Jungs und sie auf meinem Bauch lagen. Nachts zu fünft mit den Zwergen im Bett gewöhnungsbedürftig. Mensch dreht sich nur um, Baby erdrückt?

    … Aber dann verstanden, was Sarah Sorgen bereitete. Überarbeitete am Rechner einen Buchtext, sie stillte neben mir in der Wanderkiste die Jungs, als „etwas“ draußen fürchterlich schrie. Wir stürmten gleichzeitig los, Sarah nahm’s Fenster, ich die Gartentür. 😉 Kater hatte einer anderen Mutter ihr Junges aus dem „Nest“ geklaut. Löwenmanier, man muss den Nachwuchs des Konkurrenten töten, um seine eigenen Gene fortpflanzen zu können. Dieser Typ nur sehr schlechte Karten, ahnte ja nicht, dass sie auf Zuruf kooperierte. „Lauf unten herum, schneid ihm den Weg ab, treib ihn zu mir!“ So eingekesselt ließ er’s unversehrte Kleine fallen und türmte.

    Ganz nebenbei ging meine Rechnung auf: Früh verwaistes Kätzchen fand seine Instinkte wieder.


    Falls erwünscht, könnte ich die Fortsetzung liefern, bei der Blanche mitten in der Nacht abenteuerlich aus einem 10 Meter tiefen Getreide-Silo gerettet wurde (Sarah - hatte genug Milch - adoptierte das Baby) und meine „Hunde-Katze“ auf Wunsch die geflüchtete „Urlauberin“ Lissy nicht zur zurückbrachte, ihr auch einen heftigen „Verweis“ erteilte. 😉

    Kann gut schreiben, klar, aber dass die erlebten Tiergeschichten ein Herz „zum Schmelzen bringen“, sagte mir noch niemand, macht mich nachdenklich. Kommt wohl genau da an, wo ich selbst bin? Danke Carol