Liebe Sammy,
bevor ich mich für meine Katzen entschieden habe, hatte ich abgesehen, von ein paar angelesenen theoretischen Informationen, wirklich keine Ahnung, keine Erfahrung. Woher auch. Auch wenn ich dachte, ich hatte mich bewusst entschieden, war das natürlich nicht so, denn ich wusste ja wenig- wie kann man sich da beWUSST entscheiden. Auch ich hatte mich übrigens für eine Katze entschieden, obwohl alle Gefragten sagten, artgerecht seien zwei, weil sie mit einem Gefährten, ihre Art von Spiel (ohne Vorhänge) ausleben können, ihre Art von Gemeinschaft, Freundschaft und überhaupt Gefühle ausleben können. Denn Katzen raufen ja auch gerne. Das werden sie weder mit Dir noch mit Euren Kindern können. Der Vorhang ist ja nur ein Ersatz... Nach 3 Tagen mit unserem sehr süßen und kleinen Kater, der geplant natürlich nicht ins Bett, nicht auf die Küchenablage, nicht auf den Tisch und nicht auf den Schrank etc. sollte, waren fast alle Vorsätze perdu. Wir sind kein verwahrloster Haushalt und ich arbeite immer noch ab und zu mit einer Wasserpistole, wenn der Kater auf die Küchenablage springt, weil ich es einfach auch nach 10 Jahren noch zumindest verteidige, aber er ist ein Teil der Familie und er ist gerne "oben" und er ist neugierig und er lebt ja fast nur in der Wohnung. Also versuche ich die Möbel sauberzuhalten, kaufe nur noch ganz bestimmte Blumen (wenn überhaupt), verzichte auf Teppiche, die nicht einfach zu reinigen sind (unser 2000 € Teppich hatte ein paar Kotzflecken, mit denen wir uns angefreundet haben) und ab und zu habe ich einen kleinen Kackfleck auf der Bettwäsche. Echt eklig, aber ich könnte diesen Tieren niemals böse sein. Sind es doch ganz egoistische Motive, wegen derer ich mir den Kater angeschafft habe. Nun muss ich zumindest damit leben, was katzentypisch ist. Einer der Teppiche ist an einer Stelle aufgekratzt. Ich habe es aufgegeben, den Teppich zu retten. Im Moment liegt eine Kratzmatte über der Ecke, irgendwann wird der Teppich entsorgt.
Jedenfalls nach 4 Wochen mit dem Kater, hatte ich meinen Mann überredet, noch seine SChwester zu uns zu nehmen, und zack war Giulia da. Mindestens einmal am Tag pesen die Beiden hintereinander her und raufen, früher haben sie auch viel geschmust, das hat abgenommen. Sie schlafen beide gerne bei uns, vor allem im Winter. Artgerecht ist das Leben immer noch nicht und ich habe viel über artgerechtes Futter lernen müssen, bis ich zu einem praktikablem Kompromiss gekommen bin.
Ich denke, man muss sich klar machen, dass Katzenhaltung mehr ist, als ein Tierchen, dass sich einfach so anpasst. Man hat eine Verantwortung und wenn man der nicht gerecht wird, wird die Katze es auf ihre Art zeigen. Sie macht etwas kaputt, markiert oder entwickelt sonst irgendwelche Macken. Das haben wir alle hier schon erlebt und wir müssen lernen, die Katzen zu lesen und ihnen so entgegenzukommen, dass es Ihnen gut genug geht.
Die Liebe, die wir dann entgegengebracht bekommen, ist unbezahlbar! Viel Freude und Geduld in diesem Kennenlernprozess!
