Wie lernt eine Katze das Jagen und Töten?
Wie die Bezeichnung Jagd-Trieb ja schon nahelegt, handelt es sich beim Jagen um einen Trieb, also um ein angeborenes Verhalten/ Bedürfnis der Katze. Daher braucht sie das Jagen auch nicht im herkömmlichen Sinne erlernen und sie braucht auch niemanden, z.B. die Mutterkatze, um es ihr beizubringen .
Schon ganz kleine Katzen fangen an, sobald sie die Augen auf haben und erste staksige Schritte machen, zu spielen, indem sie nach dem Schwanz der Mutter haschen, nach dem Geschwisterchen oder nach dem eigenen Schatten.
Muss ein Kätzchen ohne Mutter und Geschwister aufwachsen, wird es anfangen, nach den Fingern ihres Menschen zu haschen, nach den Haaren, einer baumelnden Kette etc.
All dieses Spielen ist Vorbereitung auf das Jagen und je älter das Kätzchen wird, desto geschickter, zielgerichteter und sicherer werden die Attacken.
Auch das Lauern wird geübt, indem sich das Kätzchen versteckt und dann z.B. ein Geschwisterchen oder ihren Menschen plötzlich anspringt.
Dass die Fähigkeit des Jagens angeboren ist kann man auch sehr gut feststellen, wenn man eine erwachsene Katze hat, die nach einigen Jahren Wohnungshaltung Freigang bekommt. Die meisten Katzen werden nach kürzester Zeit draußen Beute machen und Mäuse u.ä. erjagen (und evtl. auch fressen – da aber der Jagdtrieb unabhängig vom Hunger existiert, fressen viele Hauskatzen ihre Beute nicht).
Trotzdem bringen Mutterkatzen ihren Jungen das Jagen nahe, oder auch ältere Freingängerkatzen jungen Neuzugängen.
Dazu wird von der erfahrenen Katze ein Beutetier, meist eine Maus, gefangen, aber nicht getötet, und zum Nachwuchs bzw. den Jungkatzen gebracht und vor deren Schnauze freigelassen – so dass diese die nicht mehr so wehrhafte Beute fangen und erlegen können.
Im Gegensatz zum Jagen muss der angeborene Tötungsbiss entwickelt bzw. erlernt werden. Wie dies genau geschieht, wird von verschiedenen Verhaltenforschern unterschiedlich gesehen.
Nach dem deutschen Zoologen und Verhaltensforscher Paul Leyhausen braucht es für die Entwicklung des Tötungsbisses neben der Reifung noch eine zusätzliche unspezifische Erregung, die normalerweise durch die geschwisterliche Konkurrenz entsteht. Lt. Leyhausen hat dies nichts mit einem Lernprozess zu tun und bleibt die Zusatzerregung aus, beherrscht die Katze in den meisten Fällen den Tötungsbiss zeit ihres Lebens nicht.
Lt. Leyhausen steuert die Katze den Tötungsbiss optisch auf den Nacken des Beutetieres. Sollte der Biss nicht exakt sein, beisst die Katze sofort nach, um spätestens mit dem zweiten Biss die Beute zu töten. Durch den Tötungsbiss wird das Rückenmark so stark verletzt oder gequetscht, dass der Tod des Beutetieres eintritt.
Der britische Zoologe und Verhaltensforscher Desmond Morris spricht davon, dass junge Katzen den Tötungsbiss von ihrer Mutter erlernen müssen. Sie üben an der noch lebenden Beute, die das Muttertier bringt oder die sie ab einem Alter von ca. 4 Wochen auch schon selbst fangen.
Der Tötungsbiss geht lt. Morris folgendermaßen vonstatten: Sofort nach Fang der Beute dreht die Katze ihren Kopf in die geeignete Stellung und die Beute berührt die Rezeptoren an den Lippen der Katze, wodurch sich der Kiefer öffnet. Hierauf reagieren Rezeptoren im Mund und lösen den Tötungsbiss aus. Dieser geschieht, indem die Fangzähne zwischen die Nackenmuskeln des Beutetieres gleiten und die Wirbelsäule durchtrennen, was den unmittelbaren Tod des Beutetieres zur Folge hat.