Antwort:
Rezeptur Voralpen-Rind: Sie besteht aus Grieben 17,5 %, Geflügelfleischmehl 12 %. Der Proteinanteil liegt (inkl. natürliche Proteingehalte der pflanzlichen Rohstoffe) bei 30%. Da wir keine pflanzlichen Eiweißextrakte zur Senkung der Mineraliengehalte (wichtig zur Vorbeugung vor Harnsteinen!!!) einsetzen, sondern entfettetes Bauchfleisch (Grieben), ist der Fleischanteil immer noch ca. 85 %. Dies ist für eine organschonende Rezeptur mit moderatem Proteingehalt ein hervorragender Wert!
Bei den Grieben handelt es sich um (in einem speziellen Verfahren) entfettetes Bauchfleisch. Bauchfleisch ist gegenüber Muskelfleisch knochenarm und somit mineralienarm. Es wird in den Rezepturen eingesetzt, um zur Krankheitsvorbeugung (Harnsteinbildung, Wachstumsstörungen etc.) bei der Bilanzierung der Rezepturen den Anteil an Mineralien optimal niedrig einstellen zu können. Alternativ dazu können anstelle von Bauchfleisch auch pflanzliche Eiweißextrakte verwendet werden (z.B. Maisgluten, Sojaproteinisolat, Maiskleber, Sojabohnenschrot, etc.) .
Futter-Allergien entstehen – wie alle Allergien spontan. Eine Allergie – also vereinfacht gesagt: eine Überreaktion des Immunsystems - kann nur auf etwas entstehen, mit dem der Organismus bereits Kontakt hatte. Wird das Tier bevorzugt mit getreidefreien Produkten gefüttert, dann kann mit der gleichen Wahrscheinlichkeit eine Allergie gegen die dort enthaltenen Kartoffeln entstehen, wie bei einem Tier, das mit einem getreidehaltigen Futter gefüttert wird, eine Allergie auf Mais oder Weizen entstehen kann. Getreidefreie Kost ist daher eher eine Geschmacksvariante und hat nur für einen Getreideallergiker einen echten gesundheitlichen Aspekt. Übrigens: Nur einer von 10 Allergikern hat tatsächlich eine Futtermittelallergie.
Bei allem, was man zu sich nimmt – egal ob Nahrungsmittel oder Medizin - gilt das Prinzip: „Die Dosis macht das Gift“ (Zitat Paracelsus). Der Fingerhut, als dessen Inhaltsstoffen Digitalis (Herzmedikament) gewonnen wird, ist beispielsweise eine gefährliche Giftpflanze. Schlichtes Kochsalz ist in zu großer Menge ein tödliches Gift - und doch lebensnotwendig. Ohne Salz, kein Leben. Bärlauch enthält viele gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe und wird in einer – selbstverständlich – sinnvollen Dosierung zugesetzt.
Rübenmelasseschnitzel (=Rübenfaser, Rübenschnitzel, Trockenschnitzel etc.) bleiben übrig, wenn der Zuckerrübe bei der Zuckerherstellung Kristallzucker und Melasse (Zuckersirup) entzogen wird. Es sind also die Zellwände der Zuckerrübe. In der Nutztierfütterung wird eine noch sehr zuckerhaltige Qualität als Mastfutter verwendet, was zu Missverständnissen führt. In der Heimtierfütterung verwendet man dagegen eher eine quasi "entzuckerte" sehr rohfaserreiche Qualität von Rübenmelasseschnitzel und zwar nicht zur Mast oder Geschmacksverbesserung, sondern als Ballaststoff. Ballaststoffe sind unerlässlich für die Darmgesundheit und können im Notfall auch Bakteriengifte krankmachender Darmerreger binden. Diese Qualität enthält deshalb nur noch minimalste Spuren von Zucker - in so kleiner Menge, dass man diese Zuckerrübenschnitzel sogar in Diabetikernahrung einarbeitet! Um also ganz genau zu sein: Wenn der Rohfaseranteil (entspricht etwa mengenmäßig dem Anteil an Zuckerrübenschnitzel) in 100 g Futter ca. 2,5-3,5 % beträgt, entspricht das bei einer Tagesfuttermenge von ca. 100 g für einen ca. 9 kg schweren Maine Coon Kater ca. 3 g. In 1000 g unmelassierten Trockenschnitzeln sind noch ca. 68 g Restzucker enthalten. Das sind 6,8 %. Also findet man in 3 g Trockenschnitzel (also pro Tagesfutterration für den 9 kg Kater) maximal 0,2 g Zucker.
Taurin ist für die Katze essentiell, das heißt diese Aminosäure muss über das Futter zugeführt werden, weil die Eigensynthese (also die Möglichkeit es aus anderen Nahrungsbestandteilen im Körper selbst zusammenzubauen) nicht ausreicht. Taurin ist in allen Arten von Fleisch enthalten, so dass ein großer Anteil über die natürlichen tierischen Proteinquellen in die Rezeptur geliefert. Da Taurinmangel aber gravierende Folgen haben kann (auf die Herzmuskulatur und das Auge) wird von allen seriösen Herstellern trotzdem eine gewisse Menge als Sicherheitspuffer zugesetzt.
Gerne stehen wir – wie im übrigen auch die Institute für Tierernährung der Universitäten Hannover, München, Berlin – auch bei anderen Fragen oder Unklarheiten rund um die Fütterung mit fachlichem Rat zur Seite.
Mit freundlichen Grüßen aus Wehringen
Christa Cornelia Günther
Tierärztin
Leitung HAPPY CAT Serviceabteilung