Igelzecken und Schnupfen?

  • Oh, was für eine faszinierende Geschichte! Ich kann nicht anders, als ein wenig erstaunt zu sein über deine Erlebnisse, besonders mit den Katzen. Es ist unglaublich, wie du so eine tiefe Bindung zu ihnen aufgebaut hast. Die Art, wie sie dir vertrauten und dir überallhin folgten, ist wirklich etwas Besonderes! Es ist klar, dass Tiere, besonders Katzen, viel mehr in ihren Köpfen haben, als wir ihnen oft zutrauen. Wie du mit ihnen kommuniziert hast und wie sie darauf reagierten, übertrifft alles, was ich mir vorgestellt hätte.


    Deine Geschichte über Rebecca ist sowohl herzzerreißend als auch inspirierend. Die Widerstandsfähigkeit dieses kleinen Katers – und wie er trotz seiner Verletzung das Leben mit so viel Freude weiterführte – spricht wirklich für die Stärke, die Tiere haben. Ich muss zugeben, ich habe ein wenig gelacht, als ich daran dachte, wie er auf einem Bein mit dem Sisalball tanzte. Was für ein Charakter!


    Und die ganze Begegnung mit dem Mann, der dir Tiger anbieten wollte! Mein Gott, ich hätte nie mit dieser Wendung gerechnet! Du musst dich so seltsam gefühlt haben, als die wilden Tiere alles verstanden, was du sagtest. Es ist außergewöhnlich! Es ist erstaunlich, wie wilde Tiere, wenn sie Fürsorge und Aufmerksamkeit bekommen, nicht nur überleben, sondern sogar eine eigene soziale Struktur entwickeln können.


    Sarahs Reaktion auf die Frau war einfach unbezahlbar! Sie hat sofort die Spannung gespürt und ist direkt zur Gartentür gerannt, um keinen Moment länger unter dem gleichen Dach zu bleiben. Und Marcello’s kleine Aktion mit der Musikanlage – was für ein Statement! Es ist klar, dass Sarah nicht getäuscht wurde und genau wusste, was vor sich ging. Obwohl die Frau mit den Futterspenden für die wilden Katzen geholfen hatte, hat Sarah alles durchschaut und sichergestellt, dass du geschützt bleibst. Es ist erstaunlich, wie Tiere, besonders Katzen, Dinge wahrnehmen, die wir übersehen, oder? Sarah hat wirklich auf ihre eigene Weise die Führung übernommen!


    Die Art, wie du diese Momente geteilt hast, ist so lebendig, dass es sich anfühlt, als wäre ich mit dir unterwegs, durch den Wald mit den Katzen. Es ist selten, solch einen schönen und rohen Bericht über das Leben mit Tieren zu hören. Vielen Dank, dass du mich für einen Moment in deine Welt hast eintauchen lassen – es war wirklich eine Freude, das zu lesen!


    <3 <3 <3

    Ein Haus ohne Katze ist nur ein Haus und kein Zuhause 8)

  • Entschuldige bitte Carol,

    konnte nicht früher reagieren. Mich (!) erstaunt Dein ausführlicher Kommentar - merci beaucoup -, fand’s bisher „ganz normal“, so mit den Tieren zu leben. Wobei sie mir ja alles beibrachten.

    Katzen sind bei entsprechender Zuwendung äußerst sprachbegabt, entwickeln bis zu 350 unterschiedliche Laute. Ist ja nicht soo schwer, verglichen mit einer Fremdsprache? 😉 Aber leicht, ne entsprechende Erziehung sehr schnell zu ruinieren. Sohn und Tochter der Nachbarn wollten für ihre Kinder unbedingt zwei von Sarahs „Büffeln“. Weil es damals überall hieß: „Ich will keine Katze, ich will eine Sarah!“ Die Jungs erst mit 12 Wochen abgegeben. Einen Monat später erkannte ich meine „Enkel“ nicht wieder: total stumpfer Blick. Tja, sie liefen halt auf dem Hof irgendwie mit. Feste Fütterungszeiten, wer nicht da war, bekam nichts. Keine Ansprache usw.


    … Währenddessen entwickelte sich Marcello sehr schnell zum „Assistenten der Buschklinik“. Ohne ihn hätte ich’s niemals geschafft, mit so vielen Notfall-Welpen fertigzuwerden. Im Gegensatz zu „normalen“ Katern liebte er Kleine über alles, legte sich in den großen, geschenkten Hundekorb, wenn deren Mutter mal ne Pause draußen brauchte, wärmte sie und kuschelte mit ihnen. Oder lockte total verängstigte Waisen unter’m Gästebett hervor, damit ich sie medikamentös versorgen konnte.

    Irgendwann, die Leute im Tal lästerten dauernd über mein Katzen-Asyl, um mir heimlich nachts kranke Welpen auf die Terrasse zu schmuggeln, brachte eine „ehrlichere“ Frau den 10 Wochen alten Florian. Er sei ihr „zugelaufen“, sie könne ihn nicht behalten.

    … Kein Problem, Marcellino - damals schon recht krank - adoptierte ihn sofort, sein Söhnchen. Er wurde auch mit Flo fertig, ich weniger. Hyperaktiv kein Ausdruck, schätze Katerchen litt an ADHS? 😉 Als er rausdurfte, konnte er den ganzen Tag vom Schuppen des Hofes über die Wiese bis auf die Apfelbäume und zurück sprinten. Selbst dann noch nicht ausgelastet. Seine rituelle Begrüßung abends war’s Verbeißen in meinem Arm, musste Florians Kiefer regelrecht „aushebeln“ (freundlicherweise nur Babyzähne). Danach tanzte er auf Marcello herum, als wär’s ne Matratze: „Hi Papi, bin wieder da!“ Um mal eben an den Stores hochzuklettern. Alle Vermittlungsversuche scheiterten, deswegen blieb Flo.

    … Der Kleine wurde 11 Monate alt. Sonntagmorgen holte mich Marcello klagend aus dem Bett, sollte folgen, brachte mich auf den Balkon. Vor’m Haus lag Florians zerschmetterter Körper. Landwirtschaftsweg, 40 km/h erlaubt, aber speziell jüngere Leute rasen dort wie die Irren, weil’s keine Polizei-Kontrollen gibt, probieren ihre tollen Wagen aus. Sehr deutlich, dass Florian noch versuchte in den Zypressenstrauch zu kommen, bei über 100 km/h chancenlos.

    Wegen dieser Tragödie musste ich zum ersten Mal ganz schnell selbst ein Kätzchen besorgen, alternativ hätte sich Marcello vor Kummer aufgegeben. Flo natürlich ungeeignet für jegliche Mitarbeit in der Buschklinik, Jakob lernte es schnell. Wirklich süß, wenn er gurrte wie eine Katzenmutter, um „Patienten“ aus ihren Verstecken zu holen oder ihnen „Unterricht“ zu geben. Saß abends auf der Couch, er kommt mit dem scheuesten Welpen ins Wohnzimmer: „Guck hin, ich springe auf ihren Schoß und wieder herunter: sie tut mir absolut nichts! Mach’s noch einmal: alles gut. Jetzt bist du dran!“ Die Kleine reagierte prompt, flog in meinen Arm, ließ sich streicheln, hatte danach keine Menschen-Angst mehr.


    … An einer Stelle muss ich Dich korrigieren, Carol, „soziale Strukturen“ in den verwilderten Rudeln sind unabhängig von der Versorgung. Da gilt normalerweise nur schwach oder stark. Kranke Tiere werden recht gnadenlos ausgegrenzt. Durch den längeren Kontakt mit ihnen, weil sie schließlich auf mich hörten, konnte ich’s unterbinden. Hier aktuell in dieser recht kleinen Gruppe lässt sich der dominante Kater (noch) nix sagen. Obwohl ich oft böse werde, wenn er immer und immer wieder Carlotta „vergewaltigt“, beim Füttern direkt vor meiner Nase. Sie ist nicht rollig - und er weiß nicht „wie’s geht“. Vermutlich in der Anleitung nur bis zum Nackenbiss gekommen? 😉 Carlotta fand nun selbst, musste deswegen die Piepmatz-Ecke draußen anders sortieren, eine Lösung: Wenn sie sich zwischen den Holmen auf die kleine oberste Stufe der ollen Aluminiumleiter legt, dort stand bisher das Vogelfutter, kommt der Kater nicht mehr an sie heran. „Technisch“ unmöglich.

    … Soll ich weiter berichten? Noch immer nicht langweilig? Könnte allerdings traurig werden, sobald’s darum geht, dass Katzen lange vorher wissen, wann sie sterben, deswegen besondere Nähe suchen, Alpträume haben oder man ihnen Geschichten erzählen soll (!). Bzw. die verwilderten Tiere ihre „Buschklinik“ als Hospiz wählen.

    Herzliche Grüße

    Henrika

  • Liebe Henrika,

    deine Nachricht hat mich wirklich berührt. Ich habe jedes Wort langsam gelesen, wie wenn eine liebe Freundin etwas ganz Persönliches erzählt. Ich musste lächeln, hatte Tränen in den Augen und hatte das Gefühl, direkt bei dir und deinen süßen Fellnasen zu sein.

    Marcello klingt wie ein richtiger Seelengefährte. Und der kleine Florian... mein Herz tat weh beim Lesen. Ich kann mir kaum vorstellen, wie schwer das gewesen sein muss, aber wie du ihn erinnerst – mit so viel Liebe und Wärme – ist einfach wunderschön. Man merkt, wie sehr er geliebt wurde.

    Ich liebe, wie du schreibst. Dein Humor, deine Ehrlichkeit und wie du deine Tiere nicht einfach als Haustiere siehst, sondern als kleine Persönlichkeiten mit eigenen Geschichten. Es tut gut, das zu lesen – selbst wenn es weh tut.

    Auch wenn wir uns nur über den Bildschirm begegnen, fühle ich mich irgendwie verbunden mit dir. Und wenn du irgendwann noch mehr erzählen möchtest, ich bin da. Ich werde jedes Wort mit Aufmerksamkeit lesen – wahrscheinlich mit einem Taschentuch in der Hand.

    Eine herzliche Umarmung für dich und sanfte Streicheleinheiten an Carlotta, Jakob und die ganze Bande.

    Mit Liebe,

    Carol

    <3

    Ein Haus ohne Katze ist nur ein Haus und kein Zuhause 8)

  • Sehr schön Henrika. Mir gefallen die kleinen Geschichten. Danke fürs teilen! :danke:

    Liebe Grüße Melanie mit Niko und Nane.

    <3 Jaana und Timmie im Herzen!<3

  • 15.6.

    Liebe Carol,

    Du (!) bist wohl ganz besonders, wenn Du so feinfühlig auf das Erlebte reagierst, nicht mal von Ferne auf die Idee kommst, ich würde Katzen „vermenschlichen“. DANKE.

    @ Moana: Oh, Du liest die Geschichten auch? Dachte, es würde außer Carol niemanden interessieren. 😉


    Heute umschiffe ich besser den Schmerz, erzähle mehr von Jakob, der 2009 entführt und umgebracht wurde. Ende Juni 2006 starb Marcello an seiner Autoimmun-Krankheit, Adoptiv-Sohn Jakob gerade ein Jahr alt. Bis dahin hatte ich abgesehen von der Versorgung, seiner Hilfe bei den scheuen Notfall-Kätzchen kaum etwas mit ihm zu tun, lernte Jakob praktisch erst kennen. Schnell ziemlich erschrocken. 😉

    Eindeutig die stärkste mir jemals begegnete Katzen-Persönlichkeit. Der kleine Kerl regulierte förmlich meine Arbeitszeiten. 20 Uhr: „Jetzt ist Schluss, wir gehen ins Wohnzimmer, möchte mit dir einen gemütlichen Abend verbringen, nicht alleine sein!“ Nach diversen „Klapsen“ auf den Po, richtete ich Jakob einen Schreibtisch-Korb ein. Den fand er toll, Hauptsache bei mir, wenn ein Manuskript unbedingt noch fertig werden musste.

    Nein, ihn nie gebeten, mich auf Waldspaziergängen zu begleiten, er tat’s einfach. Konnte so richtig böse werden, wenn’s zu lange dauerte: „Ich habe Hunger!“ Hätte Futter im Rucksack mitnehmen sollen. Zwei Stunden durch einen Bergwald sind für kurze Beinchen trotz Pausen natürlich ne Herausforderung. Beim Pilze-Sammeln platzte ihm eines Tages endgültig der Kragen: Attacke! Nicht übertrieben, ich musste mir einen dicken Ast schnappen, um mich gegenüber dem eigenen Kater zu verteidigen, der nicht etwa biss oder schlug, sondern mir immer wieder mit Anlauf ins Gesicht sprang. Cholerisches Temperament. 😉 Während gelegentlicher kurzen Nachtwanderungen hatte Jakob jedoch Angst, drängte sich an mich. „Ist doch nur der Ruf eines Rehbocks, musst dich nicht fürchten“.

    … Seine überragende Intelligenz zeigte Katerchen 2008. Man schenkte mir eine Nordmann-Tanne, Heiligabend mühsam in den Ständer bugsiert, Strohsterne, kleine Goldkugeln, Bienenwachs-Kerzen. Er schaute die ganze Zeit zu, kaum setzte ich mich, sprang Jakob auf meinen Schoß … und ich erzählte ihm „automatisch“ sehr ausführlich die Weihnachtsgeschichte. Dauerte viel länger als in einer Mitternachtsmesse. 😉 „Stell’s dir mal vor, Maria hochschwanger, musste 70 km von Nazareth nach Bethlehem zu Fuß laufen. Da gab’s noch keine Autos, und sie waren zu arm für einen Esel-Karren …“ Jakob döste bzw. schnurrte - bis zum Klassiker „außer Maria und Josef nur Ochs und Esel im Stall“. Zack saß er senkrecht, funkelte mich an. Nachgedacht: „Logisch, garantiert auch eine Katze, womöglich direkte Vorfahren von dir, du stammst ja aus dem Libanon-Gebirge?“ Offenbar zufrieden stellender Kommentar, er legte sich wieder hin, schien zu schlafen.

    Nächste Hürde die Engel auf dem Feld. „Entschuldigung, Engel kann ich dir nicht erklären, das verstehst du nicht.“ Quittung: ein mittlerer Wutanfall. … „Ups klar, du kannst Engel sehen, ich aber nicht??“ Kaum gesagt, friedlicher Kater. 😉 Der für den Rest dieser Geschichte, Ermordung kleiner Kinder durch Herodes, Flucht nach Ägypten, nichts zu beanstanden hatte. Mich aber total irritiert zurückließ. Warum nicht früher kapiert, dass Tiere selbstverständlich Engel wahrnehmen?

    Es wurde noch schräger. Als Jakob im September 2009 nicht nach Hause kam, eine Freundin beauftragt, die betend oft Visionen hatte, ihn ausfindig zu machen. Ein paar Tage später rief sie an: „Es geht ihm sehr gut, er ist bei Bruno. Erkundige dich doch mal, welche deiner Nachbarn so mit Vornamen heißen!“ Unnötig, ich wusste sofort, dass Jakob tot ist, der Heilige Bruno nämlich mein „Ordensvater“ als Kartäuser-Eremitin.

    Historisch stimmt ja manches nicht, denn die „echten“ Kartäuser-Katzen haben nix mit dem im 11. Jahrhundert von Bruno bei Grenoble gegründeten Orden zu tun. Es sind „Libanesen“. 😉 Trotzdem eine wunderbare Nachricht, auch darüber, dass es keine „getrennten Himmel“ gibt - Menschen hierhin, Tiere in einen anderen. Jakob, Sarah, Marcello, Francesco, Giovanni, Florian, Rebecca, Bernardo* … warten auf mich, wir sehen uns demnächst wieder.


    Rosina sollte ich vielleicht doch noch erwähnen, obwohl’s Kraft kostet? Weil sie mir zeigte, dass eine Katze schrecklichste Erfahrungen, die von ihr daraus gezogenen Konsequenzen, schlicht über Bord werfen kann, was Menschen ja kaum gelingt.

    Küchenfenster-Szene: Drüben auf dem Hof schleuderten die Jungs der Gartenpächterin das Katzenkind an einem Bein durch die Luft, warfen es sich zu - ihrer Mutter völlig gleichgültig. Konnte nicht eingreifen, zu weit weg. Rosina überlebte und schlug sprichwörtlich zurück. Alle Artgenossen fürchteten sie. Mich hätte es fast mal ein Auge gekostet, als ich sie füttern wollte. Durch ihre stets bissigen Kontakte infizierte sie sich offenbar mit gleich allen vorhandenen Seuchen, stand plötzlich in erbärmlichem Zustand vor der Gartentür. Die „Buschtrommeln“, jede Katze im Tal wusste, wo’s „Medizin“ gab. 😉 Meine Diagnose? „Sie stirbt binnen einer Woche“. Ich hatte echt Angst vor ihr, trotzdem bzw. mit der Perspektive: „Na gut, komm rein.“

    Rosina Essen serviert, ihr’s Klöchen gezeigt, ansonsten aus dem Weg gegangen. Prompt setzte sie sich bei den TV-Nachrichten hinter mich auf die Couchlehne. … Ganz vorsichtig die Hand ausgestreckt. Zunächst wich sie zurück, dann eine ihr ganzes Leben revidierende Einsicht: Hände sind zum Streicheln da!

    Von exakt diesem Augenblick an die liebste Katze der Welt, soo glücklich. Tagsüber bei der Arbeit hockte sie Stunden auf einem Stuhl im Büro, schaute mich unentwegt an, nachts schlief sie am Fußende. Und als es ihr schlechter ging, konnte ich Rosina herumtragen wie ein Baby, auf die Toilette setzen, an’s Futterschälchen. Von wegen eine Woche, drei Monate (!) gab’s ihr Auftrieb, Lebenswillen.

    Mich erschütterte diese Kehrtwende zutiefst. Sie hatte alles Leid verziehen, war total abgeklärt. Fügte sich ein, damals lebten Sarah und Marcello noch, es gab etliche Notfälle in der Wohnung, Rosina war eben keine „Prügelkatze“ mehr.

    Wie sich diese Geschichte nun überhaupt im verwilderten Rudel herumsprechen konnte, ist mir ein Rätsel, aber ein paar Jahre später wurde für etliche die „Buschklinik“ ein „Hospiz“. Schwerkranke kamen zum Sterben. So etwas tun Katzen nicht, sie verstecken sich, meiden Menschen!


    … Das * hinter Bernardo oben: Weil er, hiesiges Tal, genau die gleiche Mähwerk-Verletzung im Pfoten-Gelenk hatte. 20 Jahre nach Rebeccas Unfall. Noch ne Amputation?Sofort abgelehnt. Er fand’s natürlich wenig amüsant, dass ich die klaffende Wunde in einen feucht-antiseptischen Verband packte, ihm Globuli gegen multiresistente Keime und seine Schmerzen gab. Hielt aber immer still - und be-hielt sein Bein. Nach sechs Wochen alles prima verheilt, Fell drüber. 😉

    Der ultimative Streuner, bis Bernardo im strengen Winter ans Bürofensterle klopfte, mich lange anschaute. „Viel zu kalt, nicht wahr?! Du möchtest ein Quartier? Solltest aber mit Francesco und seiner großen Liebe Alessia zurechtkommen.“ Er verstand’s sofort, war schier unsichtbar, pennte auf der Wäschekommode im Bad, rückte morgens aus, kam erst nach Einbruch der Dunkelheit wieder. Aber als Bernardo dann merkte, dass er trotz völliger Zurückhaltung für die beiden noch recht jungen Katzen gegen seinen Willen zu dominant war, verschwand er. Die hatten nur Respekt vor ihm, dem Älteren, es gab keine Rangelei beim Essen o.ä., nichts. Sehr sensibler Kater, trifft man kaum in „freier Wildbahn“. 😉


    … Nie reflektiert, ihre Charaktere en detail sehen/verstehen zu können, liegt an Deinen so freundlichen Antworten, Carol. 😉 Für mich irgendwie selbstverständlich. Gleichzeitig, auch jenseits von Katzen, oft genug festgestellt, dass man die einem begegnenden Geschichten des realen Lebens überhaupt sehen können muss. Wer sie ignoriert, hat quasi Pech gehabt.

    Übrigens bei den aktuellen „Kostgängern“ noch völlig ratlos, kann ihre Mimik nicht „lesen“. Durch’s Erzählen, weil Sarahs abgegebene Söhne schon nach einem Monat keine mehr hatten, dämmert mir, dass diese halb verwilderten Tiere in einem ähnlichen bzw. weit schlimmeren Status sind. Gesichter wie „eingefroren“. Sie sind nur froh - jenseits von Dankbarkeit - bei mir jederzeit Mahlzeiten zu bekommen, ihren Hunger stillen zu können.

    16.6.

    … Über Nacht fiel mir noch eine andere Bestätigung von Jakobs Tod ein (bevor er gesichert war), mitten in Sorge und Trauer soo witzig. Das verwilderte Rudel hatte mitbekommen, wie man ihn mit einem Käscher fing - ich träumte es nur: eine „Astgabel“ klemmte Jakob ein, drückte ihn zu Boden. Suchte vergeblich jedes Gebüsch ab.

    Reaktion des Rudels? Eine Mäuse-Flut! Pro Tag legten sie mir mindestens 10 vor die Gartentür. Katzen-Logik: Ich hatte meinen „Ernährer“ verloren, nun mussten sie mich durchbringen. 😉

    Liebe Grüße

    Henrika

  • Dachte, es würde außer Carol niemanden interessieren. 😉

    Nein, mich interessieren Deine Geschichten auch, und ich bin weit davon entfernt, sie als "Vermenschlichung" von Tieren zu verstehen. Ich spreche selbst mit Tieren und habe schon viele ähnliche Erlebnisse gehabt.


    Allerdings schaffe ich es oft nicht, Deine Beiträge ganz zu lesen, sie sind mir einfach zu lang. Es würde mir leichter fallen, wenn Du sie in "mundgerechten" Häppchen servieren könntest... Nicht böse sein, aber ich habe einfach oft nicht die Zeit, mich da durchzuarbeiten.

    Liebe Grüße von Monika, Kyra und Maya sowie den Sternchen Alina, Pauline und Robin! :knuddel:



  • Das finde ich auch. Etwas kürzer düften sie sein bzw. von mir aus auch unterbrochen. Das würde mich freuen. :frech:

    Liebe Grüße Melanie mit Niko und Nane.

    <3 Jaana und Timmie im Herzen!<3

  • Liebe Henrika,

    Deine Geschichte hat mich wirklich berührt. Die Bindung, die du mit Jakob, Rosina und den anderen hattest, ist so klar, und es ist beeindruckend, wie sie weiterhin dein Leben prägen, selbst nachdem sie gegangen sind. Es hat mich überrascht zu erfahren, dass Sarah bereits verstorben ist – ich dachte wirklich, sie sei noch am Leben und an deiner Seite. Ich kann mir kaum vorstellen, wie schwer das für dich gewesen sein muss.

    Ich bin auch sehr dankbar, dass du die streunenden Katzen, die zu dir kommen, fütterst. Es ist wunderschön, wie du weiterhin Liebe und Mitgefühl für die zeigst, die es am meisten brauchen.

    Danke, dass du diese Erinnerungen geteilt hast. Ich würde mich freuen, mehr Geschichten zu hören, wenn du bereit bist, sie zu teilen.

    Ich sende dir viel Wärme und Trost.

    Mit Liebe,

    Carol

    Ein Haus ohne Katze ist nur ein Haus und kein Zuhause 8)

  • Hey Henrika, ich würde wirklich gerne ein paar Bilder von deinen Katzen sehen, wenn du die Gelegenheit hast! Ich bin neugierig, welche Rassen sie sind, damit ich mir ein besseres Bild von ihnen aus deinen Geschichten machen kann. 😊 (Ich will Sarah sehen) :freu:

    Ein Haus ohne Katze ist nur ein Haus und kein Zuhause 8)

  • Paulina, es freut mich ganz besonders, dass Du zur „Leserschaft“ gehörst, aber „mundgerechte Häppchen“ kannst Du Dir doch selbst zurechtschneiden? 😉 Musst die Beiträge ja nicht in einem Rutsch lesen? Mir fehlt an sich selbst die Zeit, so zu erzählen. Carol forderte mich dazu auf, und es scheint gerade jetzt sinnvoll zu sein, mich den Jahren mit Buschklinik und verwilderten Tieren zu stellen. Nur sind’s keine mehr oder weniger amüsanten Anekdoten, die ich mal eben lässig tippe, sondern immer hart an der Grenze des Aushaltbaren. Nicht einen einzigen Tod „weggesteckt“. Weder in der damaligen Wohnung noch hier. Jedes Datum in meinem Kopf.

    4. Mai 2018 zum Beispiel: Giovanni kam nicht zurück. Eine Woche nach Einzug Ende 2012 saß dieser rote Kater wie zur Begrüßung vor der Terrassentür - und wollte ausdrücklich ein Zuhause. Dauerte ewig, bis er mir mal die Pfote auf den Schoß legte. Im Bett kein Thema, dort besteht ein Mensch ja praktisch nur aus seinem Kopf. 😉 Und Katzen schlafen mit ihren Mamas „Hals über Kopf“.

    Nicht das reine Vergnügen, jede Nacht fünf bzw. zehnmal aufgestanden. Gianni benutzte keine Toilette, erledigte alles draußen, wollte mal eben jagen usw. Bei Rückkehr trommelte er mit den Vorderpfoten ans Schlafzimmerfenster.

    Anmerkung? 10 Jahre nie mehr als 20 min. am Stück geschlafen wegen der Notfälle bzw. Katzen überhaupt. Einmal verzichtete die Polizei gar auf den obligatorischen Strafzettel, sei ein glasklarer Tierschutz-Notfall. Och, Samstagabend um neun klingelt’s Telefon, möge gleich kommen, Mutter überfahren, Welpen erst zwei Wochen alt. Nur den Schlüssel geschnappt und in Hausschuhen los. Adresse hinter einer Eisenbahn-Trasse schwierig zu finden, musste wenden … Nicht bemerkt, dass mir ne Streife folgte. Als die Beamten, sie hatten mangels Papieren das Kennzeichen abgefragt, aber dieses Elend in der Schachtel sahen, Augen noch geschlossen, ließen sie mich „gehen“. Roberto und Angelina. Sie dreifarbig, Bruder schwarz. Bei jedem Aufwachen durch Fiepen das Fläschchen noch umklammert, beste Milch-Temperatur. Hält man nicht durch. Es fand sich eine „Amme“, die Totgeburten zur Welt brachte. Leider wenig Milch, kriegte die Geschwister schnell wieder. Immerhin eine erfolgreiche Vermittlung. Nur Angelina sollte’s sein. „Tut mir leid, man kann sie jetzt noch nicht trennen. Nehmen Sie Roberto für ein paar Wochen mit.“ Empörung hinterher? „Sie wussten doch von Anfang an, dass ich ihn nicht mehr hergebe?!“ Zumindest mein Ideal. 😉


    Wäre ein passendes Stichwort für die mich heute noch verfolgende Geschichte. Mal wieder nachts heimlich drei sehr kranke Welpen auf der Terrasse „abgeladen“. Tizian, Josephine und Paulchen. Sommer 2008. Josephine starb trotz Antibiotika, Paulchen musste ein Auge entfernt werden, Tizian war „nur“ komplett blind. Aber sie konnten gut damit umgehen. Paulchen wich nicht von Tizians Seite, „navigierte“ ihn. Eine Freude, die Brüder zu beobachten, wenn sie alle möglichen Hindernisse in der Wohnung schafften.

    Mir leider sonntags im Wald beim Pilze-Suchen alle Mittelfußknochen links gebrochen, tiefes Loch unter’m überwucherten Sturmholz. Der wegen Sarah erwähnte private „Katzen-Club“ brachte Tizian und Paulchen „vorübergehend“ ins nächste Tierheim. Leiterin war ebenfalls Mitglied in diesem Club. Zwei Wochen später fuhr ein Nachbar mit mir dorthin, wir wollten die Kleinen zurückholen. Man verweigerte ihm den Zutritt! Schließlich erfahren, dass man sie getrennt vermittelte. Null Gespür! Sind nur „Tiere“, keine Wesen mit Seele.


    … Ja, mich über die „Anmerkung“ selbst etwas ausgetrickst, Entschuldigung. 😉 Eine Parallele gibt’s immerhin, denn den Fuchs hier nannte ich auch Roberto - viel Zeit dazwischen. Füchse kommen gut alleine zurecht. Im Winter hungern aber alle Tiere. Deswegen war Roberto stets froh über Katzenfutter-Reste auf der Terrasse oder mal ein Stück Suppenfleisch. Licht einschalten, ihm zusehen durfte ich, aber Küchentür bitte nicht öffnen. Jede Nacht hier - bis ihn die Jagdpächter abknallten. 😡

    Vorher brachte er mir aber den vermissten Giovanni zurück, legte ihn auf der Wiese ab. Fundstück aus der Mistgrube des direkten Nachbarhofs. Am 4. Mai verschwunden, Kadaver am 8.12. „serviert“. Fell abgezogen und offenbar länger eingefroren, „frisches Blut“ in der Bauchhöhle. Bin ja medizinisch nicht plemplem. Den traurigen Rest meines Katers von allen Seiten photographiert, ihn eingepackt, Sack auf die Terrasse gestellt, um Gianni am nächsten Tag zu begraben.

    Es dämmerte schon, keine Stunde, draußen Rumpeln/Geräusche: Sack weg. Wer bitte klaut die Leiche eines Katers?! Wohl nur sein Mörder? Bzw. jemand, der verbotene Schlag- und Schlingenfallen aufstellt, nicht zur Rechenschaft gezogen werden will?

    Gut möglich, dass er auch Francescos Tod zu verantworten hat. Sein buschiger Schwanz durch so eine Falle „amputiert“ wurde.

    … Der kleine Sibire tauchte ca. vier Monate alt im Januar 2017 hier auf. Ich mochte ihn nicht aufgrund des ersten Gedankens: „Er kommt, weil Gianni gehen muss.“ Obwohl er so entzückend war. Gab ihm wegen seines wilden Ausdrucks aber den Namen des Heiligen Franziskus, der mit Wölfen sprechen konnte.


    Leider nicht annähernd so pazifistisch. Eher ne Art kämpferischer Wachhund, der niemanden mehr auf die Terrasse ließ, weil er sie als sein Revier reklamierte. Selbst Giovanni, der sich um den Kleinen kümmerte, jagte er weg. Klar, Ciccio immer versorgt, nur in die Wohnung durfte er nicht, hatte ja einen Kater, wollte den nicht ärgern.

    Welche Ironie, Gianni kam nicht wieder, fünf Monate untröstlich, zuletzt in Zeitungen und Internet einen „Ersatz“ gesucht. Dann hockt dieses langhaarige Viecherl im Herbst - wie immer - neben mir auf der Terrasse, und ich verliebe mich schlagartig in ihn. „Okay, darfst rein“. 4.10. Es war das Fest des Heiligen Franziskus. 😉

    Kaum absehbare Folgen, denn der kleine Kerl tackerte sich regelrecht an die Couch. „Ich bleibe hier so lange sitzen, bis klar ist, dass du wirklich nicht hinter mir die Türen schließt!“ Eine ganze Woche saß Ciccio dort.

    Oh, er konnte so liebevoll gucken, im Winterpelz eine Schönheit, aber es gibt ein Photo, das sein Wesen absolut darstellt: „Ich bin ein Löwe. Hüte dich!“ Vielleicht wird’s vom System des Forums akzeptiert? Probier’s. Ansonsten bis zu weiteren Geschichten

    Henrika

    Klappt nicht.

  • Vielen Dank, dass du diese Erlebnisse dokumentierst, Henrika. Durch deine Geschichten haben wir das Privileg, das Leben dieser unglaublichen Tiere und die tiefe Verbindung, die du mit ihnen geteilt hast, kennenzulernen. Deine Worte erwecken sie auf so eine bedeutungsvolle Weise zum Leben. Es ist klar, wie viel Liebe und Hingabe du in die Pflege von ihnen gesteckt hast, und wie schwer es gewesen sein muss, die Verluste zu ertragen. Ich kann nur erahnen, wie emotional belastend diese Erfahrungen für dich waren, aber du gehst weiter und schaffst es, auch in den schwierigsten Momenten Platz für Liebe und Freundlichkeit zu finden. Ich freue mich darauf, noch mehr Geschichten über deine Abenteuer mit den anderen zu lesen!

    Ich bin neugierig, Henrika, wie kommst du auf all diese Namen für deine Katzen? Ich kann mir vorstellen, wie du sie alle im Kopf behältst!


    :herzchen:

    Ein Haus ohne Katze ist nur ein Haus und kein Zuhause 8)

  • Liebe Carol,

    Deine Frage nach den Namen trifft in’s Schwarze. 😉 Für Katzenohren müssen sie klingen, sollten möglichst wenig „helle“ Vokale enthalten. Jakob - er konnte einfach nicht anders heißen - endet abrupt, ist aber trotzdem „dunkel“. Sarah trug der Abendwind davon, wenn ich die Kleine rief, sie kam sofort, liebte ihren Namen.

    Francesco hörte nur noch auf die sizilianische Koseform „Ciccio“. Im Italienischen bedeutet sie „Dickerchen“, Kater eher viel zu dünn. 😉

    … Meine jetzigen Schützlinge rigoros unter den Schutz der Tagesheiligen ihres Auftauchens gestellt.

    Wegen der langen Jahre dazwischen gibt’s „Wiederholungen“ oder ne Art „Gedenken“. Francesca hieß z.B. eine Mutter mit ihren drei Kindern, die Bauern loswerden wollten. Tochter Laila genannt, Sohn Benedikt, zweiten Katernamen vergessen. Marcellos erste Babys, er kümmerte sich rührend um sie.

    … Ohne zu ahnen, dass allein die „phantasievolle“ Namensgebung Neid und Schlimmes auslösen kann. Wieder der private Klub: „Du hast ja gerade so viele Notfälle, gib mir doch vorübergehend Laila und Francesca, kümmere mich auch um ihre Vermittlung.“ Ich wusste damals nichts von „krankhafter Sammelleidenschaft“, war ein Jahr später zu Besuch: beim Öffnen der Tür fast vom penetranten Urin-Geruch umgehauen. Neun Katzen, die sich untereinander kaum grün waren, in einer winzigen Dachwohnung. Laila hockte neben einem Kater auf dem hohen Küchenschrank: „Och, sie kommen nur zum Fressen runter“. - „Und wo ist ihre Mutter Francesca?“ Widerwillig hob die „Katzenschützerin“ eine Decke im Schlafzimmer hoch. Darunter komplett bewegungsunfähige 12 !! Kilo. Musste viele Tränen runterschlucken.

    Der Scherz? Momentan, fast 20 Jahre danach, ist dieser „kriminelle“ Verein groß in der lokalen Zeitung wegen seines herausragenden Engagements. Meine liebenswürdige Haushaltshilfe sagt alle zwei Wochen: „Ruf da an, sie werden kommen, deine Schützlinge einfangen, kastrieren, vermitteln. Hast keine Futtergeld-Sorgen mehr.“ Niemals!


    … Weit zurück zur/zum dreibeinigen Rebecca. Eigenbedarfskündigung, musste das Rudel zurücklassen. Fast alles schon in der auch kleinen, vorübergehenden Dachwohnung, hatte Zeit zum Putzen, kam erst drei Tage später wieder. Fand Rebecca. Dreht mir heute noch das Herz um. Sie wollte (alle Katzen) nicht, dass ich gehe, versteckte sich unbemerkt. Kein Wasser, Futter - aber rücksichtsvoll ihre Geschäfte einzig auf den herumliegenden Plastikfolien erledigt.

    Schlussfolgerung? Jede zweite Nacht hingefahren, dabei oft im Schnee mit dem Wagen steckengeblieben, um mich von hinten anzuschleichen, das Rudel füttern zu können. War ihnen schnell klar, sie warteten oberhalb des Hofes.

    Überraschende Kehrtwende, als ich im Verteiler der Tierschutz-Organisationen einen Seufzer losließ? „Jemand“ erstattete Anzeige gegen den Ex-Vermieter, das Veterinäramt vor Ort, erklärte ihm, dass er sich um die Katzen kümmern muss. Garantiert trotzdem keinen Cent für sie ausgegeben. 😡


    … Erster Satz der neuen Vermieter? „Tiere strikt verboten!“ Aber so kleine fliegende sind einfach da. 😉 Eine Wespe besuchte mich am Schreibtisch, ihr etwas Honig serviert. Wie Sarah lud sie prompt alle Verwandten ein, schwups viel mehr als 100/200 Wespen. Kiloweise Honig besorgt - und ihr Dankeschön kennengelernt. „Helikopter“ ganz dicht an den Wangen, mit den „Rotorblättern“ streicheln sie dich. Kein Irrtum, mindestens eine machte es nach jeder Fütterung.


    … Und dann kam Giovanni! 😉 Hier war’s nämlich seitens des Vermieters noch schlimmer. Aber er kannte den Typen, schlüpfte spontan in die Rolle des Beschützers. Quasi „Sicherheitspersonal“. Von Gianni gelernt, im Zweifelsfall immer auf die Ohren einer Katze zu achten. Sie zeigen an, aus welcher Richtung sich der „Feind“ nähert.

    Schade nur, dass ein Kater nicht Zeuge für Einbrüche sein darf. Wenn er total verstört unter’m Bett hockte, Chaos herrschte, hatte der Hausbesitzer mal wieder seinen Passepartout in Abwesenheit benutzt. Nach mehreren solcher Erlebnisse, zog Giovanni Konsequenzen. Sobald ich mich im Bad fertig zum Ausrücken machte, setzte er sich gestiefelt und gespornt an die Küchentür: „Lass mich vorher raus, bleibe nicht ohne dich in der Wohnung!“

    Dabei blieb’s, auch als ich selbst die Schlösser austauschte. Währenddessen hatte sich Gianni längst mit Streunerin Elsa kurzgeschlossen, sie angestellt: Mitarbeiterin. Sobald ich draußen auf der Terrasse war, bewachte er die nördliche, sie die südliche Balustrade. Beide rührten sich nicht vom Fleck.

    Einbrecher-Königin Elsa zweimal ziemlich brutal gerettet. Oder wüsste jemand, wie man einer Katze, die von außen ins gekippte Fenster steigt, sich dabei stranguliert, anders helfen kann, als sie (Kopf anhebend) mit Anlauf in die Wiese zu werfen? 😉

    Von „Madame-Flohschleuder“ aus Not gelernt, die Biester mit der Hand zu fangen, um sie in Seifenwasser einzeln zu ertränken. Doch, kurz davor, meine Jagdtrophäen gerahmt an die Wand zu hängen. Deswegen hatte Elsa Hausverbot.

    Aber Gianni kümmerte sich um sie, Alarm im Winter bei -15°. Er insistierte so lange, bis ich Wanderstiefel und Jacke anzog, ihm folgte. Rannte zum Bach, setzte mit einem Drei-Meter-Sprung drüber. „Hallo? Das kann ich nicht! Gibt’s keine andere Möglichkeit?“ Doch, Kater „hüpfte“ zurück, weiter unten ein überwucherter Steg. Er zeigte mir auch, wo der nächste Bach seicht war. Um in einer Tannenschonung zu verschwinden. „Nein, krieche nicht auf allen Vieren unter zukünftigen Weihnachtsbäumen durch!“ 😉

    Drumherum war aber möglich und dort, was Giovanni mir zeigen wollte: Elsa. Total abgemagert, kurz vor’m Verhungern in der Eiseskälte. Musste nichts sagen, beide trippelten auf leichteren Wegen neben mir her nach Hause. Viele große Extra-Portionen, binnen einer Woche nahm sie deutlich zu. Flöhe wegen der Minusgrade kein Thema.


    … Mit Gianni musste ich einmal zu „meinem“ Veterinär, dem eigentlichen Großvieh-Doktor der Region. Die junge angestellte Tierärztin sagte spontan: „Aber das ist ja Felix!“ Sie wohnte ne Weile auf einem Nachbarhof, kastrierte all dessen Katzen. So erfuhr ich Giovannis ungefähres Alter. Immerhin acht dürfte er geworden sein, davon fast sechs bei mir. Grund der Konsultation war sein Humpeln. Frau Dr. vet. med. wollte natürlich gleich röntgen. „Nein, unnötig, gebrochen ist nichts.“ Hatte es selbst sorgfältig mehrmals abgetastet. Nur nicht daran gedacht, dass sich durch einen Biss beim Revierkampf ein Abszess im Schultergelenk bilden kann. Den hätten wir alleine kuriert. Stattdessen - ohne mich zu fragen - sofort ne 70 €-Spritze drin, Langzeit-Antibiotikum. Wie so ein kleiner Körper mit den Nebenwirkungen fertig wird, interessiert niemanden. Darmflora zerstört etc.

    … Selbstverständlich die Nadel auch meist in den Nacken, wo’s besonders wehtut, weil der Patient sofort seine Muskulatur anspannt. Praxis-Chef kannte mich ja schon lange, gab mir für Notfallkätzchen aufgezogene Spritzen mit. Nun, einer sollte das Tier halten, war ja alleine, fuhr daher zu den befreundeten Nachbarn … und machte eine komische Erfahrung. Mit K.s Frau (er hatte Blanche aus dem Silo geholt) auf den Stufen vor’m Haus, wir quatschten, die Kleine saß zwischen uns. „Aber jetzt muss sie mal ihre Spritze bekommen!“ - „Wieso? Ist doch längst passiert.“ Weder’s Katzenkind noch meine Nachbarin hatten’s gemerkt. 😉 Kleiner Pieks tief in die „lockere Felltasche“ an der Hüfte, da sind auch Muskeln, spüren sie praktisch nicht.


    Bitte, ich möchte keine Tierärzte verunglimpfen, es handelt sich um meine persönlichen Beobachtungen. Die Frage: „Wo schlägt bei einer Katze eigentlich das Herz, links oder rechts?“ wäre allerdings ein passender Schluss. Das ganze Team lachte sich halb tot, man brachte mir ein Stofftier, würde es durch den Vierfüßer-Stand verwechseln. An dem Tag nur Medikamente geholt, ne Woche später Marcello dabei. Doc horchte ihn ab, bekam einen roten Kopf: „Sie lagen richtig: Rechtsherz.“ 😉

    Herzliche Grüße

    Henrika

  • Liebe Henrika,

    Rebeccas Loyalität geht wirklich ans Herz. Sie war ein wahres Beispiel für Hingabe, wollte nicht von deiner Seite weichen, selbst in so schwierigen Umständen. Es ist unglaublich, wie sie sich versteckte, um nicht zu gehen, und sich selbst versorgte, bis du zurückkehren konntest. Das ist das Vertrauen und die Loyalität, die nur ein wahrer Begleiter zeigen kann. Es ist klar, dass alle deine Katzen, von Giovannis schützerischer Natur bis hin zu Elsas Rückkehr in die Sicherheit, diese tiefe Bindung zu dir teilen.

    Es ist so interessant zu lesen, wie du deine Katzen benennst. Der Gedanke, den du in jeden Namen steckst – sicherzustellen, dass er für ihre Ohren richtig klingt und zu ihrer Persönlichkeit passt – zeigt wirklich, wie tief du sie liebst und wie stark die Verbindung zu ihnen ist. Vom „dunklen“ Jakob bis hin zu Francesco, der nur auf seinen sizilianischen Spitznamen „Ciccio“ hört, ist es klar, dass du zu jeder Katze eine besondere Beziehung hast.

    Mit all deiner praktischen Erfahrung, von der Injektion der Kätzchen bis hin dazu, wie du die Wespen mit Honig fütterst und dich so liebevoll um deine Fellfamilie kümmerst, solltest du wirklich in Erwägung ziehen, Tierarzt zu werden. Deine Fähigkeiten und dein Wissen sprechen für sich, und ich bin sicher, dass du in diesem Bereich großartig wärst und noch vielen anderen Tieren helfen könntest.

    Herzliche Grüße,

    Carol

    :herzchen:

    Ein Haus ohne Katze ist nur ein Haus und kein Zuhause 8)

  • 19.6.

    Liebe Carol,

    langsam erröte ich beim Lesen Deiner Zeilen. Zu viel Lob. 😉 Und viel zu alt, um noch Tiermedizin zu studieren. Im Gespräch war vor 25 Jahren homöopathische Tier-Heilpraktikerin oder „nur“ Heilpraktikerin. Kein Problem, die Prüfung abzulegen, aber eines, Geld für Behandlungen zu nehmen. Patienten - unabhängig von heimlich abgelegten kranken Katzen - kommen auch so schon lange.

    Am ersten Tag in Bayern (Urlaub), brachte mir die Nachbarbäuerin ein vollständig gelähmtes Küken. Logisch, dem kleinen Wesen sofort einen Namen verpasst: Antonia, kurz Toni. 😉 Zwei Wochen mit Küken neben dem Kopfkissen geschlafen, Toni lag in ihrer Schachtel. Ihr u.a. ein hom. Nervenmittel verabreicht: nach sieben Tagen konnte sie stehen, nach 14 Tagen flattern. Und einen Monat später rannte sie der Bäuerin wie ein Hündchen hinterher. Honorarforderung? „Toni kommt nie in den Suppentopf, okay?“ - „Ehrenwort“.

    Aus der Ferne den Innsbrucker Kater Tiger kuriert, vom Veterinär meiner Freundin bereits totgesagt. Er hatte sehr schlechte Nierenwerte. Doc tippte auf CNI, war’s aber nicht. Nieren binnen sechs Wochen gut, nur das Kreatinin blieb oben. Viel gelesen: Das ist so bei „Hypertropher Kardiomyopathie“, gar nicht seltene angeborene Krankheit bei Katzen, Verdickung der Herzwand. Tigers Frauchen ließ ein Ultraschall machen, definitiv HCM. Wir veränderten den Mittelplan entsprechend, Kater lebte noch sehr lange, praktisch gesund. Aber warum wusste es der Tierarzt nicht?!

    … Sarah pinkelte morgens Fünfmarkstück-große Blutflecken. „Nee, bloß kein Antibiotikum!“ (Standard) Arzneimittellehre durchwühlt, ihr ein südamerikanisches Ruhr-Mittel gegeben. Zweimal vier Kügelchen - Blasen-Spuk beendet.

    … Marcello konnte ich nicht helfen bzw. wollte nicht, dass man ihm ein „Immunsuppressivum“ gibt. Sollte es selbst nehmen, rasende Kopfschmerzen und permanente Übelkeit, ist ne Art Chemotherapie bzw. Krebs und AI-Krankheiten werden gleich behandelt. Die Cortison-Tabletten spuckte der Racker immer heimlich aus, fand sie überall in der Wohnung. 😉 Er hatte seine eigene Methode, Schmerzen zu reduzieren. Durfte kiloweise Bio-Joghurt kaufen, musste eiskalt sein. Genial oder, wenn überall in der Mundschleimhaut kleine Geschwüre sind? Joghurt legt sich als Film drüber, tut beim Essen nicht mehr weh. Normales Futter allerdings unmöglich, ihm Vollkornreis, Gemüse und Hähnchenfilets gekocht, alles mit Sahne püriert.

    Beißen ging nämlich nicht mehr, weil man ihm in einer Tierklinik erst mal alle Zähne zog - und der Chef dort - 500 € kassiert - danach auf die Idee kam: „Es riecht förmlich nach Autoimmun-Krankheit!“ Internet abgegrast, bis ich den damals führenden Tier-Immunologen fand, Professor an der Hannoveraner Uniklinik.

    Ihm per Email geschrieben, er verlangte eine Blutprobe, bekam sie - und wollte keinen Cent für die Untersuchung. Systemischer Lupus erythematodes, mir an sich längst klar, Marcello hatte im Gesicht unter’m Fell die typische Rötung.

    Gehört zu den arg schlimmen Erinnerungen. Er konnte sich ja nicht mehr putzen, der Schleim tropfte ihm aus dem Mund, verklebte das Fell. Deswegen legte ihn unser Doc mal in Vollnarkose, mit betäubtem Kater zurück gesaust - und ihn gründlich gewaschen. 😉😡

    Wenn man bedenkt, wie sehr sich Marcello bis zuletzt engagierte, an Söhnchen Jakob hing, allein deswegen unmöglich, ihn per Spritze zu „erlösen“. Aber mit Impfungen, recht sicher, dass sein Immunsystem dadurch „kippte“, bin ich seitdem zurückhaltend. Jakob wurde nie geimpft, machte wegen eines Notfall-Kätzchens ne heftige „Grippe“ durch, Fieber tagelang am Anschlag - und dann war’s gut.

    Er ging allerdings auch jedem Streit aus dem Weg, versuchte erst gar nicht, sein Revier gegenüber den Bossen des verwilderten Rudels zu behaupten. Deren Quittung? Sie bissen nicht, sondern pinkelten ihn an. Armer Kater musste sich diesen Gestank aus dem Fell lecken. Hätte ihn gerne unter die Dusche gestellt. 😉


    Deine Kommentare verwirren mich immer noch, Carol. Bedeutet es Liebe, sich so um Tiere zu kümmern? Mir tut einfach „die Seele“ weh, wenn eines leidet, egal wie groß oder klein. April (?) großer dunkler „Fleck“ im Hausflur, schlechtes Gewissen, meinen Bereich samt Treppe nicht geputzt. Aus der Nähe war’s eine Hornisse, sogar eine (sterbende) Königin! Die kleine Madame vorsichtig in den Thymianbusch draußen verfrachtet und Honig auf dessen Blätter geträufelt. Zu schön, wie sie ihn aufaß und sich bald erholte, wegfliegen konnte. Irgendwo wird sie hoffentlich ein Volk gegründet haben. 😉

    … Oh mir fällt der junge Star ein, den Marcello brachte, damit ich ihn „repariere“. Die Stare nisteten auf dem Dach, und das wilde Rudel versammelte sich, wenn ihre Kleinen erste Flugversuche unternahmen, oft in der Wiese landeten. Sie wurden gleich gefressen. Mein „kinderlieber“ Kater fand’s nicht gut, rettete einen Jungvogel. Das Kerlchen in den Transportkorb gesetzt, Futter, Wasser. Etwas später nach ihm geschaut. Star atmete einmal tief - und starb. Klingt sicher verrückt, aber es trat ne Art „kosmischer Stille“ ein, die Erde drehte sich für Sekundenbruchteile nicht mehr um die Sonne. Wie heißt’s? „Kein Spatz fällt vom Himmel, ohne dass euer Vater davon weiß“. Dem Boss sind auch Piepmätze wichtig, Er kennt jeden einzelnen. Und diese eigenartige Stille wurde später durch Nachrichten bestätigt. Attentate, Naturkatastrophen …, Überlebende sagten immer: „es war plötzlich unheimlich still“. Trauer des Himmels, für den Tiere „gleichwertig“ dazugehören. Wie kann man’s verweigern, sich um sie zu kümmern? Ohne den Boss zu ärgern? 😉

    20.6.

    Jakob, von seinem Adoptiv-Papa entsprechend erzogen, wurde umgebracht, weil er ein verwaistes Häschen bei mir abliefern wollte. Dumm gelaufen, Vermieter mit Frau hinter’m Haus auf der Wiese, Riesengeschrei, sie ließen ihn nicht an die Gartentür. Bin raus, er gab’s mir sofort. Das Tier gehörte in eine Wild-Auffangstation, aber nein: „Geben Sie’s uns, wir ziehen es groß, versprochen!“ Keine zwei Wochen und der Kleine hockte im Drahtkäfig direkt an der Talstraße. Wenn ein Auto vorbei raste, flippte er völlig aus, knallte hin und her, verletzte sich. „Bitte, der Käfig muss an einen ruhigen Ort!“ - „Nee, keine Zeit.“

    Warum bitte macht man so etwas? Land ohne Ende, überall geschützte Plätze, Wildhase ist doch kein Spielzeug?! … Sonntags immer Wanderer unterwegs, einer von ihnen lupfte wohl das Drahtgestell, ließ den Kleinen frei. Man unterstellte es aber mir und entführte aus Rache Jakob. „Niedrige Beweggründe“ würde’s treffen. Kann’s bis heute nicht verzeihen.

    … Jakob ahnte seinen Tod lange voraus, hatte Alpträume (!). Jeden Abend die gleiche Nummer. Er schlief auf dem Lieblings-Korbsessel im Esszimmer, wurde plötzlich unruhig, zuckte - und rannte wie von Furien gehetzt, steckte seinen Kopf unter meinen Arm. Sollte ihn trösten, ohne monatelang zu wissen, was den kleinen Helden im Traum so erschreckte.

    … Hätte misstrauisch werden müssen, denn Sarah verhielt sich vor ihrem Tod 2004 ähnlich. Sie „spachtelte“ im Eiltempo, um nach jeder Mahlzeit mit Marcello als erste auf meinem Schoß zu sein. Wieder diese mir selbst rätselhafte „Automatik“. Meiner - in dem Fall kaum eine Übertreibung - vierbeinigen Tochter Episoden aus unserem Leben erzählt: „Weißt du noch Mäuschen? Hast mir während der Fahrt die Jeans nass gepinkelt, und ich dich zum Fenster rausgehalten.“ 😉 (Keine Sorge 25 km/h) „Dann plötzlich eine dörfliche Polizeikontrolle. Du hocktest wie üblich auf meiner Schulter, musste dich schnell in die Tasche stopfen.“ - „Und diese entsetzte Kassiererin, als du ihr zwischen Milch und Gemüse auf dem Band entgegenkamst.“ - „Tiere sind hier verboten!“ - „Entschuldigung, an der Tür nur ein durchgestrichener Hund.“

    … Sarah konnte nicht genug davon bekommen, gurrte in den höchsten Tönen. Bis plötzlich die Enkelin der Nachbarn an meine Gartentür trommelte: „Komm schnell, Sarah!“ Sie lag scheinbar unverletzt tot auf dem Landwirtschaftsweg, etwas Blut aus der Nase. Berge um uns herum warfen das Echo meiner Schreie zurück, nie vorher so gebrüllt. Schlechtes Gewissen wegen des kleinen Mädchens, vier - wie Sarah.

    Ausgerechnet sie erklärte bei der Beerdigung in Opas Garten: „Sei doch nicht so traurig! Sarah isch wieder a gonz klois Kätzle, springt im Himmel herum.“ - Kindermund. Als Jakob verschwand, lief er im Traum unter ein Auto, kam unverletzt als junger Kater hervor. Die Umstände seiner Entführung, eine Schweizer „Mediatorin“ um Hilfe gebeten, machten ganz deutlich, dass man ihn mitten im dichten Bundesstraßen-Verkehr aus einem roten Van scheuchte, er den Heimweg nicht überlebte.

    Und meine eigene „Mediation“ bestätigte die Zusammenhänge. Einfach mal probiert, mich Samstagmittag auf’s Bett gelegt und Jakobs Wege nachvollzogen. Er war am Waldrand, überlegte, ging nicht in Richtung des nächsten großen Hofes, da er dort mal eingesperrt wurde, sondern zurück. Die Vermieterin, ihr gegenüber sehr misstrauisch, nahm den Käscher, Heckklappe des roten (!) VW-Van war offen, drückte Jakob zu Boden, brachte ihn weg.


    Hast wohl Recht, Carol, dass unsere Verbindungen trotz „lockeren Umgangs“ immer sehr eng sind/waren. 😉 Giovanni kam nicht zurück, im Traum hatte er eine verletzte Pfote. Es meinem „Untermieter“ erzählt, musste 2018 vorübergehend einen rumänischen Deutsch-Schüler aufnehmen, Arbeitgeber hatte ihm’s Zimmer gekündigt. Sehr sensibler Junge. Er träumte, dass Gianni, auch kaputte Pfote, zuletzt mit einem alten Mann in einem Schuppen war. Schlagfalle naheliegend, Opfer wird einfach per Knüppel umgebracht.


    Erschöpfte Grüße, zu viel Kummer

    Henrika


  • Oh Henrika,

    mein Herz ist beim Lesen all dessen völlig zerbrochen. Ich hatte die ganze Zeit Tränen in den Augen. Jedes Wort, jeder Abschied, jede kleine Seele – mein Gott, ich habe sie alle gefühlt, als wären sie meine eigenen.

    Marcello, Sarah, Jakob, sogar der kleine Star... das ist alles einfach zu viel. So viel Liebe, so viel Schmerz und so viel Zärtlichkeit von dir – es tut weh, auf die schönste und traurigste Weise.

    Es hat mich an meine drei kleinen Hunde erinnert – sie waren erst zwei Jahre alt, als sie gestorben sind. Auch wenn es schon lange her ist, fühlt es sich immer noch ganz frisch an. Ich vermisse sie schrecklich. Manche Erinnerungen verblassen einfach nie, oder?

    Jedes Mal, wenn ich ein Streunertier im Internet sehe, kommt dieses tiefe Ziehen in der Brust – und dieser kleine, verrückte Traum: Wenn ich einmal reich bin, adoptiere ich sie alle. Alle Streuner. Ich werde auf einem großen Bauernhof mit weiten grünen Wiesen leben und all die vergessenen Seelen aufnehmen – die, die niemand will. Sie sollen einfach nur geliebt werden und frei sein.

    Und manchmal, wenn ich allein mit meinen Gedanken bin, denke ich an all meine Tiere, die mich verlassen haben. Ich wünsche mir dann – ich hoffe –, dass sie im Jenseits auf mich warten werden. Wäre das nicht der schönste Tag deines Lebens? Sie wiederzusehen, mit wedelnden Schwänzchen, kleinen Pfötchen, die angerannt kommen, oder einfach einem weichen Kopf, der sich an deine Hand schmiegt. Ich denke oft daran.

    Und während ich das hier tippe, habe ich wieder Tränen in den Augen.

    Liebe Grüße und eine feste Umarmung,

    Carol


    :herzchen: :herzklopfen: :engelchen:

    Ein Haus ohne Katze ist nur ein Haus und kein Zuhause 8)

  • Entschuldige Carol,


    natürlich wollte ich Dich nicht zum Weinen bringen, an Deine eigenen schmerzlichen Erinnerungen rühren. Warum sind denn bloß gleich alle drei Deiner recht jungen Hunde gestorben? Nicht erkannte Krankheit, falsche Behandlung? Hätte ich auch nicht ausgehalten bzw. weiß, dass es einen nie loslässt.

    Die Mutter meiner Patenkinder, war lange an den Wochenenden ihre Ersatz-Mama, nahm ein Kätzchen zu sich, als die beiden erwachsen das Haus verließen und sagte mir: „Ich durchleide exakt die gleichen Ängste/Sorgen, überhaupt kein Unterschied zwischen der Katze und den Kindern.“

    … Dass Du Deine Lieblinge im Himmel wiedersiehst, kann ich Dir versprechen, Carol. 😉 Vielleicht aber nicht mehr in ihrer irdischen Gestalt, eher Wesen aus Licht in vielen Farben? Doch, manchmal Angst, sie nicht zu erkennen.

    Häuschen mitten im Wald ist längst bestellt und zugesagt. Bin zu alt und arm, hier auf Erden klappt es nicht mehr. Zwei Hunde werden auch dabei sein.

    Schäfer-Dogge-Mix, gerade sechs Monate alt, gaben mir Freunde mit, wir trampten 4.000 km durch Frankreich. Niemand erklärte Tasso, dass er mich beschützen sollte, wusste der Jüngling selbst. 😉 Letzte Station, nach viel Wildnis in den südlichen Gebirgen war Paris. Leine nicht nötig im chaotischen Verkehr. Er bewegte sich erst, wenn ich bei Grün eine Fußgängerampel überquerte. Hätte Tasso einfach nicht mehr zurückgeben sollen. Ein Bauer erschoss ihn und seinen Bruder drei Monate später - die beiden spielten nur auf einer Wiese.

    Ca. 20 Jahre danach lud mich eine Nachbarin erst zum Konzert und dann einem Glas Wein ein. Wollte etwas ganz anderes: „Sie gehen doch, beobachte es immer, jeden Morgen sehr früh in den Wald. Könnten sie nicht unsere Jagdhündin mitnehmen? Wir haben keine Zeit für den nötigen Auslauf.“ Deutsch-Kurzhaar lag unter’m Couchtisch, schlief, hatte keinerlei Notiz von mir genommen. - „Ja gerne, aber es ist doch nicht meine Entscheidung. Wessna muss zustimmen.“ In dem Moment erhob sich das scheinbar schlafende Tier, legte mir seinen Kopf auf den Schoß. „Was wollen Sie mehr?!“ 😉

    Der Beginn nicht nur von Freundschaft, es war die ganz große Liebe. Null Jagdhund-Erfahrung, sollte sie mit Leine und Pfeife in Schach halten. Beides haben wir nie gebraucht. „Was ist, willst du da oben überwintern?“ Sie stürmte kichernd den Hang runter: „Nee, dich lieber weiter begleiten“. - „Bitte, kannst geradeaus gehen, ich nehme aber diesen Pfad“ - „Warte, komme natürlich mit!“ 😉

    Eines Tages stoppte mich eine Dame, verriet, dass es einen neuen Gruß zwischen den Spaziergängern gäbe: „Haben Sie heute schon die (!) Frau mit dem (!) Hund gesehen?“ Wir wurden beim Spielen und Herumtoben beobachtet. Irgendwie lächelten auch ständig alle. 😉 Fand’s manchmal weniger komisch, wenn ich einen Schluck Wasser aus dem Bach trinken wollte, Wessna sich als „Bombe“ reinfallen ließ. Ironie und Humor ihre herausragenden Eigenschaften. Sie bringt eine verrostete Dose von Waldarbeitern, schleudere das Ding die Böschung runter: am nächsten, übernächsten Tag … Dose auf dem Weg, Hündin längst weiter. „Glaubst du etwa, ich könnte die Dose nicht aus großer Entfernung riechen?!“

    Ihr einen Ast geworfen. Nee, der wurde nicht apportiert, sondern zehn Meter entfernt hingelegt. Kaum wollte ich ihn greifen, schnappte sich Wessna den Knüppel, forderte mich zum nächsten Wettrennen auf.

    … Akute Depressionen gehörten auch zu ihrem Repertoire. Dorfsheriff erwischt uns Montagmorgen um sieben: „Der Hund muss angeleint sein, gefährdet Menschen!“ - „Sehen Sie hier jemanden?!“ - „Egal, beim nächsten Mal zahlen Sie das Bußgeld.“ - „Hast es gehört, Leine, der Idiot bringt’s fertig, dreht um.“ Noch vier Schritte, Wessna bricht zusammen, kann nicht mehr gehen. - „Na gut, dann eben 50 DM“: Spontanheilung, quicklebendige Sprinterin. 😉

    Die ich selbst manchmal an die Leine nahm wegen ihrer Leidenschaft für Schlammbäder. Große Pfütze im Wald. „Hilfe, verdurste!“ - „Stimmt, es ist arg heiß. Aber nur ein Schluck vom Rand aus!“ - „Ätsch, reingefallen!“ Wessna zog kurz, lag mitten drin.

    Unser einziger Streit innerhalb von Jahren. Mir ging’s gesundheitlich sehr schlecht, bis zum Waldrand den Wagen genommen, anstatt zu laufen. Meiner schlammigen Freundin zurück stinksauer erklärt: „Du saust ihn mir nicht zu, kannst ja nebenher rennen!“ - „Hilfe, lässt du mich hier?“ Es ging um ein paar hundert Meter Landwirtschaftsweg. Auto dort abgestellt, über Obstwiesen zu den Häusern bzw. dem ihrer Besitzer: „Stell dich da hin!“ Gartenschlauch, Schlamm-Monster abgespritzt. Anschließend trocken gerubbelt. „Nee!“, sagte Wessnas Frauchen, „das haben Sie nicht gemacht! Unsere Hündin hasst Wasser aus dem Schlauch.“ - „Doch. Es tat ihr echt leid, fast ne Belohnung bzw. Versöhnung, sie zu duschen.“

    … Ach Carol, auch diese Freundschaft/Liebe endete tödlich. Neid, Eifersucht, weil Frau Jagdhündin sehr deutlich machte, dass sie jetzt mir „gehört“. Durfte sie nicht mehr holen, Wessna bekam Krebs, verstarb innerhalb eines Jahres. Mein Fehler, war nach Runterputzen zu stolz, erwartete eine Entschuldigung, die nie kam. Stattdessen erzählte meine Vermieterin, ihre Nachbarn wären froh, wenn ich Wessna wieder hole, läge nur noch traurig an der Küchentür, warte auf mich.

    Hintergrund? Hatte ihr einen Bio-Hunderiegel gekauft bzw. öfter. Wessna steckte ihre Schnauze während des „Übergabe-Zeremoniells“ in meine Hosentasche: „Was fällt Ihnen ein! Billiges Zeug, unsere Hündin bekommt nur hochwertiges Trockenfutter vom Veterinär!“ Ja genau, nix anderes. Ist doch auch soo bequem, ein paar Brekkies zu servieren. Wir plünderten morgens um fünf Kirschbäume - „Spuck bitte die Kerne aus“ (machte sie nie 😉) - ich musste ihr im Wald Himbeeren und Brombeeren pflücken, ganze Hände voll. Wessna forderte schier Vitamine, Obst wegen dieser Unterversorgung.

    Wie auch immer, sie (!) war meine Lehrmeisterin, „Hund mit Abitur“, nannte Wessna eine Freundin, die mal unsere 10 km mitlief. Ein älteres Ehepaar flippte schier aus: „Wir haben noch nie gesehen, dass ein Tier so gehorcht!“ Och, ich nur ihre Angst, als Wessna 100 m entfernt plötzlich neben ihnen war. Um ausgiebig einen Fuchsbau zu beschnuppern, Menschen uninteressant. Beste Lektion. Nämlich die Körperspannung beobachtet. Erst unseren kleinen Dreiklang (kann nicht pfeifen bzw. schier unhörbar) abgesondert, als sie nachließ. Wessna warf sich herum, rannte zu mir.

    … Eines Abends - manchmal liefen wir die 10 km zweimal am Tag -, schon dämmerig, lag ein Plastikband der Holzfäller über dem Weg. Sie blieb wie angewurzelt stehen, rührte sich nicht von der Stelle. „Ach Wessna, ist doch nur ein buntes Band, nix Schlimmes.“ Als ich’s anfassen wollte, ein ganz tiefes Wuff: „Mach’s nicht, gefährlich!“

    Nie vorher ihre Stimme gehört, sog. Vorstehhunde dürfen nicht bellen, es wird ihnen - wusste es damals nicht - per Stromschlägen ausgetrieben. Größere Liebeserklärung kaum möglich? 😉 Wessna setzte sich über das Verbot hinweg aus Sorge um mich.

    Manchmal, „Besitzer“ verreist, nahm ich sie mit in die Dachgeschoss-Wohnung (sonst hätte sie im Zwinger bleiben müssen). „Das geht nicht, unsere Hündin hat Angst vor Freitreppen! Deswegen holen wir sie immer ebenerdig hinter dem Haus ab.“ Wessna grinste nur, als ich sie tragen wollte: „Wiege doch genauso viel wie du, kannst mich gar nicht hochheben“, lief einfach die Treppe runter. 😉

    Im Wald plötzlich Humpeln, Pfotenballen untersucht, keine Dornen o.ä. gefunden. „Okay, du bleibst hier sitzen, renne zurück, hole’s Auto.“ - „Spar’s dir, die paar Meter kann ich noch gehen.“ Aufgestanden, brav mit gelaufen. Das war schon eine sehr besondere Verbindung, himmlisches Wiedersehen garantiert. 😉

    Einmal sprang direkt vor ihr eine schlafende Ricke aus dem hohen Gras, nur „Nein, Wessna!“ gesagt. Sie schaut mich überrascht an, lässt das Reh flüchten, kommt zu mir. Solche Dimensionen hätte der eigentliche „Besitzer“ nie erlebt. Er verlangte Drill und sklavischen Gehorsam.


    Mit Liebe funktioniert’s wirklich besser, Carol. Heute Morgen um sechs wollten die Streuner schon ihr Frühstück. Carlotta wurde sofort wieder vom „Vergewaltiger“ bedrängt. Er weiß nun aber sehr genau, dass ich’s nicht gutheiße, ließ sie in Ruhe. Das Mädel flüchtete, ihm, Josephine und Leon serviert. Etwas später holte sich Carlotta, andere Terrassentür, gleich zwei Mahlzeiten. Sie versteht, obwohl ver-wildert, dass ich mich um ihren Schutz kümmere bzw. „Essen im Wohnzimmer“ sicher ist. Klingt leicht, brauchte aber sieben Monate „Kontinuität“.


    Sei bitte nicht mehr so traurig, mit Tieren hat man den Vorteil, früh genug zu erkennen, dass Leben und Tod zusammengehören.


    Liebe Grüße, Henrika



  • Hey Henrika,

    Entschuldige bitte meine späte Antwort – deine Nachricht hat mich wirklich berührt, und ich wollte mir die Zeit nehmen, ihr gerecht zu werden.

    Zuerst mal: Vielen Dank. Deine Geschichten, deine Wärme, deine Offenheit – ich liebe es einfach, wie du schreibst. Ehrlich, ich freue mich jedes Mal auf deine Nachrichten. Es ist wie ein kleines Geschenk für meine Seele. Ich lese jedes Wort mit einem Lächeln, manchmal mit Tränen, aber immer mit so viel Dankbarkeit. Hör bloß nie auf, sie zu teilen.

    Wessna… ach, was für ein Hund. So klug, so unabhängig, so voller Charakter. Ich konnte sie mir richtig vorstellen – wie sie in die Pfütze springt oder einfach entscheidet, dir zu vertrauen. Die Verbindung zwischen euch war so besonders. Und als du über Tasso gesprochen hast – oh mein Gott, das hat mein Herz gebrochen, aber auf die schönste Art.

    Du hast so recht mit Tieren – sie lehren uns früh, dass Leben und Tod einfach dazu gehören. Aber leichter macht es das trotzdem nicht, oder? Und doch gibt es immer diese Liebe. Manchmal, wenn ich draußen sitze, stelle ich mir vor, dass einer von meinen alten Lieblingen für einen Moment vorbeikommt. Einfach genug, um mein Herz ein wenig leichter zu machen.

    Ich schätze dich wirklich sehr, Henrika. Deine Geschichten bedeuten mir so viel.

    Ganz viel Liebe,

    Carol


    :herzchen: :schwaerm:

    Ein Haus ohne Katze ist nur ein Haus und kein Zuhause 8)

  • Hey Carol, 😉


    danke, dass ich mir jetzt keine Sorgen mehr um Dich machen muss 😉. War schon leicht panisch bzw. dachte: „Sie ist krank, verreist, möchte keine Geschichten mehr.“

    Nun Deine Nachricht entdeckt, alles fallen lassen, um weiter zu erzählen bzw. noch etwas zu den beiden Hunden zu sagen.


    Wessna brauchte nach ihrer jahrelangen „Jagdhündin-Sklaverei“ einfach Freiheit und Selbstbestimmung, die ich (!) ihr als Vertrauensvorschuss gewährte. Was sie wiederum sofort realisierte. Nicht einmal enttäuscht worden. Im Gegenteil. Stets weit voraus, hinter mehreren Weg-Kurven, aber ne Art „eingebauter Timecode“. 😉 Maximal 90 Sekunden, dann saß sie plötzlich neben mir. Anders ausgedrückt schien Wessna von Ferne zu spüren, wann ich stehen blieb, um etwa mit geschlossenen Augen Yoga-Atemübungen zu praktizieren, kam gleich zurück. Leider Teil ihrer rüden Erziehung. Diese „Berufshunde“ müssen (!) bei Fuß sitzen, sobald sich’s „Herrchen“ nicht mehr bewegt.

    Sie dürfen Wild auch nur mit „erhobener Pfote“ anzeigen, selbst nicht reagieren. Als ich durchschaute, was Wessna in den jährlichen drei Wochen Training durchmachte, regte ich mich maßlos auf. Mittlerweile zweifelnd. Denn hier hängt man jeden Tierriss „dem Wolf“ an, obwohl’s streunende Jagdhunde sind. Sie töten Kälber, Schafe, Ziegen, richten Blutbäder an. Selbst in der früheren Wohnung erlebt. Lautes Klagen, draußen, sofort losgerannt: Ein Reh, mit Hund auf dem Rücken (!), er hatte sich „festgebissen“. Ihn verscheucht, Jagdpächter angerufen, brauchte Hilfe, um das verletzte Tier zum Veterinär zu transportieren. Ja, er kam sofort, legte an, erschoss das Reh vor meinen Augen.


    Soll nicht wieder in Traurigkeit enden, daher die schönste Episode mit Schäfer-Dogge-Mix Tasso. In den Süden Frankreichs - vom Münsterland aus - kamen wir trampend, auch noch am Mittelmeer entlang. Aber dann mussten wir in die Berge, um Freunde im Massif Central zu besuchen. Aussichtslos per Daumen, einen Bus genommen bis zu dessen Endstation. Kleines Bergdorf. Kaum auf dem Marktplatz, liefen alle Einwohner zusammen, bestaunten Tasso und mich. Man brachte uns ins Hotel-Restaurant-Bistro. Wirt gleichzeitig Bürgermeister. 😉 Hund bekam ein Spitzenmenü aus der Küche, bestes Fleisch, ich auch ein leckeres Essen. Danach schickte man die „Kinder“ ins Bett: „Selbstverständlich darf Tasso mit auf’s Zimmer. Wieso nicht?!“

    Am nächsten Morgen Aufklärung. Der Gemeinderat hätte bis spät in die Nacht getagt und einstimmig entschieden, dass Bistro, Restaurant, Hotel und Rathaus geschlossen bleiben. Junge Frau mit Hund könne unmöglich alleine durch’s Gebirge, viel zu gefährlich. Herr Bürgermeister samt Gattin würden uns an den Zielort bringen. Wir waren endlose Stunden über ne Art Geröllpisten unterwegs, maximal 20 km/h. Die beiden mussten im Dunkeln halt noch mal durch, zurück.

    Kann man nicht vergessen, dass sich ein ganzes Dorf um Tasso und mich kümmerte, gar auf seine Kneipe verzichtete. 😉

    … Am Zielort ging’s uns weniger gut. Junge Franzosen hatten einen Hof mit vielen verfallenen Gebäuden gekauft, wollten sie aufbauen. Kein besonderer Arbeitseifer, eher Nächte mit Gitarrenmusik, Wein … Aber jede Menge Hunde, die streunten, Schafe rissen, weil man ihnen nicht genug Futter gab bzw. sie vernachlässigte. Tasso durfte so etwas nicht lernen! Deswegen legten wir uns früh hin, um morgens ab vier über’s Hochplateau zu wandern. Bis dahin hatte er jede Nacht dem Besitzer der Ruine, in der wir logierten, die Zähne gezeigt. Treuer Wächter, sobald ich schlief. Überzeugende Darbietung, ich hätte mich auch vor ihm gefürchtet. 😉

    … Trotzdem nie verstanden, Carol, warum Tasso sofort klar war, dass er mich beschützen sollte. Wir kannten uns doch vor der Reise nicht, man gab ihn mir einfach mit. Letztlich war’s seine Freundlichkeit, die mir bzw. uns das Leben rettete. Denn sobald wir trampend in einen Wagen stiegen, dachte Tasso, Fahrer sei uns gewogen, kein Feind/Aggressor. Wer uns mitnahm, fand den „blond-großen“ Mischling sowieso toll.


    Bis zu einem Sekundenbruchteil (!), beobachtet, wie dieser Mann gleich testete, ob Tasso irgendwie auf seine Hand reagiert, ihn angreifen würde. Alarmstufe rot: wir müssen hier sofort raus! - „Im nächsten Ort bräuchte der Hund Wasser, Futter, sollte außerdem in Paris anrufen, meine Freunde wollen wissen, wann wir morgen eintreffen. Wir könnten einen Kaffee trinken?“

    Ja einerseits clever, auf der anderen Seite dumm genug, niemanden um Hilfe zu bitten, auch am Telefon nicht zu erwähnen, dass wir in Gefahr sind. Wegen des Futters hatte mir der Typ meinen Rucksack aus dem Kofferraum geben müssen. Er wollte endlich weiter, Antwort: „Vielen Dank, wir fahren nicht mehr mit.“

    Vom Moment an buchstäblich auf der Flucht. Er jagte uns stundenlang mit seinem Wagen durch den Ort, wir rannten, rannten. Bis er mal wenden musste, Tasso und ich „kopfüber“ in ein brachliegendes Areal mit sehr hohem Gras sprangen. 😉 Draußen wusste der junge Rüde wieder so genau, worum’s geht. Z.B. auch, dass er super leise sein musste, bloß kein Laut, nix. Im Prinzip schliefen wir beide vor Erschöpfung auf dem harten Boden schließlich ein, wachten sechs Stunden später auf, fast Mitternacht. - Und mussten weiter trampen. Lkw-Fahrer brachte uns bis Paris.

    So viele „Reise-Abenteuer“ mit Tasso, aber dieses Verstecken in dem Feld, sein Stillhalten wegen äußerster Gefahr beeindruckten mich am meisten. Das Erlebte total verdrängt, kam erst vor vier Jahren wieder hoch, mich aus dem Stand mehrfach übergeben. Der Mann hätte uns ganz sicher umgebracht bzw. auf sein Konto gingen bestimmt schon Morde an Tramperinnen. Es tat mir nachträglich so leid, das Kennzeichen nicht notiert, ihn der Polizei gemeldet zu haben. Nur war ich gerade mal Anfang 20, eher „nicht normal“, die verräterische Handbewegung sofort zu registrieren, Tasso und mich quasi beiläufig aus dem Wagen zu bekommen, keinerlei Aufregung zu zeigen. 😉


    … Nein Carol, leichter wird’s nicht, mit dem Tod unser Lieblinge weiter leben zu müssen. Würde es als „unterschwellig aktiven Dauerschmerz“ beschreiben. 😡 Beispiel? Ehrenamtlicher Deutsch-Unterricht für Migranten bei der Caritas. Sobald’s warm genug wurde, meist draußen im Hof. Plötzlich läuft ein Kater durch’s Areal, sah Jakob sooo ähnlich. Aber er war doch schon lange tot. Wie ferngesteuert aufgesprungen, Schüler egal, dem Kater hinterher, „Jakob, Jakob“ rufend.

    … Den „jugendlichen Raser“, der Florian auf dem Gewissen hatte, womöglich auch Sarah, konnte ich stellen. Keine Ahnung, weshalb ich’s wusste, aber genau diesen Wagen mit meinem gestoppt, von Fahrer- zu Fahrerfenster gefragt: „Ist Ihnen eigentlich klar, dass an jeder Katze, die Sie hier überfahren, ein Herz hängt?“ Der Bub wurde subito kreidebleich. Konnte nun täglich vom Schreibtisch aus beobachten, wie er weit vor’m Haus seine Geschwindigkeit reduzierte: Schritt-Tempo. 😉

    Leider änderte sich nichts, im jetzigen, noch abgelegeneren Tal die gleiche Nummer. Nicht nur Katzen, auch Füchse, Rehe, Dachse liegen tot am Sträßchen. Als wär’s ne Art Sport? 😡 Oder der Hintergrund Nachbarschafts- Feindseligkeiten, wenn sie gegenseitig ihre Katzen killen?

    … Wurde eben vehement aufgefordert, das späte Frühstück zu servieren. Deo gratias, hom. Zeckenmittel wirkte, Carlottas noch kleine im Gesicht ließ schnell locker. Trocken bemerkt: „Du hörst dich an wie ein Frosch.“ 😉 Stimmt zwar, ist aber gar nicht lustig. Warum so heiser? Man sollte für diese ängstlich-scheuen Tiere eine Art futuristische Medizin-Kamera haben, sie damit „scannen“ können. Igelzecken wie bei Leon, der sich langsam erholt, waren’s jedoch nicht.


    … Übrigens kannst Du ganz schön hartnäckig sein, Carol (ein Kompliment). 😉 Du siehst nur Liebe, während ich weiter denke „muss mich doch kümmern?“ - egal welches Tier in Not ist?

    Vielleicht doch eher Liebe? Als „GW2120“ hier auftauchte, dem Wolf sofort einen richtigen Namen gegeben: „Dan-Diarmaid“ Hebräisch/Altirisch: Gott verschafft mir Recht, als freier Mann zu leben. Könnte es nicht ertragen, wenn man Dan erschießt. Und hätte ihm so gerne geholfen, eine Frau zu finden. Wusste auch, wo. Ein Wildtiergehege im Schwarzwald. Nein, nichts dazu gedichtet. Laut genetischer Spuren (im Umwelt- Ministerium abrufbar) rannte der Wolf von unserem Dorf durch die Bergwälder schnurstracks dort hin. Chancenlos: hohe Elektrozäune. Du wirst lachen, Carol, mir gar auf deren Web-Seite mögliche Partnerinnen angeschaut, es kam nur eine in Frage. 😉 Hätte „Spiderman“ o.ä. sein müssen, um sie rauszuholen. Dan soll sehr wütend gewesen sein, tötete - angeblich - sieben Schafe in dem kleinen Ort. Hat er bestimmt nicht, untergeschoben. Oder er blieb so lange dort nahe des Zauns, dass er sie wirklich vor Hunger zum Überleben brauchte.

    Letzter Eintrag September 2021, hoffe immer noch, ihm eines Tages auf meiner Terrasse in die Augen schauen zu dürfen.


    Liebe Grüße


    Henrika

  • Hallo Henrika,

    Vielen Dank für deine langen, detaillierten Geschichten! Es fühlte sich an, als würde ich mit einer Freundin bei einer Tasse Tee sprechen – so persönlich, lebendig und voller Leben. Ich konnte die Wärme und Tiefe deiner Erfahrungen spüren und habe es wirklich genossen, sie zu lesen.

    Wow, deine Abenteuer sind unglaublich – so viele wilde und aufregende Momente. Ich beneide wirklich deinen Mut und wie du diese Reisen angenommen hast, auch wenn sie definitiv beängstigend waren! Das Wandern durch die Berge, die fast entkommene Situation mit Tasso – das klingt wie aus einem Abenteuerroman. Aber ich muss zugeben, ich bewundere, wie du ruhig bleiben konntest und dich und deine Tiere beschützt hast. So eine Stärke ist etwas, das ich wirklich respektiere.

    Deine Bindung zu Tasso und Wessna ist wirklich herzergreifend. Es ist erstaunlich, wie Tiere uns auf so tiefgehende, fast instinktive Weise wahrnehmen und schützen können. Und die Art, wie du das Dorf beschreibst, das sich um euch gekümmert hat – es ist schön zu sehen, wie viel Freundlichkeit noch in der Welt existiert.

    Ehrlich gesagt, hat mich das alles dazu gebracht, zu realisieren, dass ich in meinem nächsten Leben gerne lange Wanderungen wie du machen würde, auch wenn sie ein bisschen beängstigend sind! Die Idee, einfach aufzubrechen und zu gehen, egal welche Hindernisse einem begegnen, klingt so befreiend.

    Nochmals vielen Dank, dass du deine Geschichten mit mir geteilt hast – ich kann es kaum erwarten, noch mehr davon zu hören!

    Liebe Grüße,

    Carol


    :herzchen: :herzklopfen: :schmacht:

    Ein Haus ohne Katze ist nur ein Haus und kein Zuhause 8)

  • „Sie ist krank, verreist, möchte keine Geschichten mehr.“

    Henrika, mir geht's gut, ich nehme mir nur etwas Zeit zum Ausruhen. Nichts Ernstes, ich fahre einfach ein bisschen runter. Hoffe, dir geht’s gut!

    Ein Haus ohne Katze ist nur ein Haus und kein Zuhause 8)