Mit Mara hab ich eine total kranke, extrem ängstliche und psychisch auffällige Katze übernommen. Sie lebte bei KlientInnen, die nicht über genügend Ressourcen verfügten, um sie ausreichend nach ihren Bedürfnissen zu versorgen. Ich wusste, was ich da übernahm. Ich bereue davon nichts, aber ich hatte gehofft, sie darf länger als 2 Jahre bei mir bleiben. Ich hab extrem viel Zeit, Geduld und Liebe investiert. Und das Wissen tat am Ende gut, dass Mara gespürt hat, wie es ist, ganz doll geliebt zu werden.
ZitatIch ticke ähnlich wie du, ich bau sehr schnell tiefe Beziehungen zu Tieren auf, häufig ist es sogar eher anders rum, Tiere kommen von klein auf zu mir von sich aus.
Nina, danke für deinen Beitrag! ![]()
Ich habe ja erst letztens deinen Mara-Thread gelesen, der mich wirklich sehr berührt hat, weil man deutlich gespürt hat, wie sehr du mit ihr gelitten hast und wie sehr du um sie gekämpft hast. Da hatte ich auch genau den selben Gedanken - wir sind uns sehr ähnlich, was das angeht. Man versucht immer sein Bestes, und wenn es am Ende nicht klappt, zweifelt man an sich selbst. Man denkt, man hat nicht genug getan, hätte dieses und jenes anders machen können. Das kenne ich nur zu gut ... (und wahrscheinlich alle hier im Forum).
ZitatWas mir aber bis heute nachhängt sind ihre schlimmen letzten Wochen und vor allem die schlimme letzte Nacht. Die hätte ich uns beiden gerne erspart, ersparen sollen, es ging ihr fürchterlich, es blieb nur die Erlösung am nächsten Morgen.
Das ich total verstehen, so ging es mir mit Pebbles auch. Soweit ich mich erinnere kam bei dir und Mara die Diagnose Bauchspeicheldrüse aber auch sehr spät, oder? Da war es im Grunde schon zu spät. Und so ähnlich ging es mir ja auch - mir hat ja niemand so richtig sagen können, was sie eigentlich hat. Hätte ich eine bestimmte Diagnose gehabt (z.B. Gehirntumor), hätte ich ihr auch die Klinik erspart. Aber wenn man es nicht weiß, oder eben zu spät erfährt ... was soll man machen? Natürlich versucht man alles, um das Tier zu retten.
Aber wie gesagt, ich kenne die Zweifel, die man hinterher hat ja selber ...
Wie oft, hab ich mich dafür schuldig gefühlt, weil ich nicht in die Zukunft blicken kann, um zu wissen, ob meine Entscheidung die richtige ist. Totaler Quatsch, aber ja - so fühlt man einfach.
Und was mir immer am Meisten weh tat, war dass ich dem Tier nie erklären konnte, dass ich ja nur helfen will. Die Angst, die dann nach den Tierarztbesuchen oft mir zu Teil wurde, hat mir jedes Mal das Herz gebrochen. Aber die Alternative ist halt auch nicht erstrebenswert. Man hat sich dann jedes Mal durchgequält, in der Hoffnung, dass es irgendwas genützt hat. Und wenn es dann so endet, wie bei Mara - oder Pebbles - fühlt man sich schnell als Versager, als hätte man am Ende doch alles falsch gemacht. Dabei sind es ja nicht wir, die über Leben und Tod, oder Krankheiten entscheiden. Das ist einfach der Lauf des Lebens. Ich glaube zumindest das habe ich aus der Situation lernen können.
ZitatWenn man sich für ein betagtes krankes Tier entscheidet, dann kann es hilfreich sein, wenn man seinen Blickwinkel erweitert. Die innere Haltung dazu. Ich würde wieder so handeln, aber von vornherein nicht immer nur hoffen, dass ich möglichst viele gemeinsame Jahre habe. Eher würde ich versuchen, mich als Hospizstelle zu betrachten, und mich über jede Phase freuen, die man zusammen noch ein Stück des Weges geht.
Das war genau meine Idee.
Und ich denke, das ist es auch was das ich aus den Jahren mit Pebbles (und Fee) mitgenommen habe. Nicht mehr dieses Versteifen auf unbedingte Heilung, sondern vielmehr die Zeit nutzen, die man hat, sie so schön wie möglich machen. Dadurch hat man am Ende (hoffentlich) nicht mehr diese Reue (hätte ich doch nur ... ), sondern kann einfach sagen: Ja, es war kurz, aber es war schön. Selbst wenn es nicht schön war.
Ich weiß das klingt wirr, ich hoffe man weiß wie es gemeint ist.
ZitatIch würde aber nicht, wie bei Mara, auf Teufel heraus mehr kämpfen. Ihre letzten Tage in der Klinik hätte ich ihr ersparen sollen.
Genau, auch das ist eine Sache, die ich heute ganz anders machen würde. Und bei einer alten, chronisch kranken Katze sowieso. Wozu sollte man die noch für lebenserhaltende Maßnahmen in die Klinik bringen? Und das war auch von Anfang an mein Gedanke, als ich mich damit auseinander zu setzen begann, welchem Tier ich nochmal ein zu Hause geben wollen würde.
Bei einem bereits kranken Tier weiß man was Sache ist, man kann sich darauf einstellen. Klar, nur weil eine Nierengeschichte vorliegt, heißt das nicht, dass nicht noch was dazu kommen kann. Aber wie du auch schreibst: Man schaut dann einfach, was macht noch Sinn? Aber man verbeißt sich nicht mehr so sehr in diesen Zwang, das Tier unbedingt gesund machen zu müssen. Zumindest ist das so die stille Hoffnung, die meinem Plan innewohnt. ![]()
Zitat
Wenn man also weiß, welche Baustellen es gibt, dann pflegt man diese so lange wie möglich und überschüttet das Tier nochmal mit Liebe. Aber ist sich auch bewusst, dass man eines Tages tapfer den Weg der Erlösung gehen muss, um dem Tier unnötiges Leid zu ersparen. Und dafür benötigt man innere seelische Balance, Energie und Stärke. Ich drücke dir die Daumen für eine friedvolle Entscheidung. Egal, wie sie ausfällt.
Seelische Balance hab ich vermutlich eher nicht, Energie mal so mal so, aber ich glaube schon, dass ich aus den Erfahrungen der letzten Jahre stärker hervorgegangen bin, viel dazu gelernt habe - auch über mich selber und das Leben (und Sterben) allgemein. Ich glaube, wenn ich mir das Ganze nicht ein Stück weit zutrauen würde, hätte ich schon längt abgesagt.
Das Schlimmste bei mir ist wirklich die Angst etwas falsch zu machen und mich hinterher den Schuldgefühlen stellen zu müssen. Aber genau davon muss ich wegkommen, und das schaffe ich im Prinzip nur, wenn ich mich solchen Situationen stelle.
Danke auf alle Fälle für deine Worte und fürs Daumendrücken! ![]()
Entschieden habe ich jetzt zwar noch nichts. Aber eure Beiträge helfen mir allesamt ungemein dabei.
Nochmal ein ganz großes Dankeschön! ![]()