Hallo
Ich wende mich an euch, obwohl mein geliebter Kater bereits eingeschläfert wurde- und ihm somit nicht mehr geholfen werden kann...Genau das ist aber auch das Thema. Ich brauche eure Einschätzung als objektive Zuhörer . Hier seine Geschichte in Kurzversion. Mein 3 jähriger Kater zeigte im Januar sehr plötzlich Symptome wie Appetitmangel und Schwäche. Ausserdem trank er viel. Ich machte mich sofort auf den Weg zu meinem TA.
Meinem Engel wurde schließlich nach einer tagelangen Diagnosenfindung und etlichen Tests um verschiedenes auszuschließen (Blut Parasiten, FeLV, FIV...) eine immunvermittelte hämolytische Anämie diagnostiziert. Er bekam daraufhin eine Bluttransfusion und Prednisolon sowie Antibiotika. Die Medikamente wirkten, und wir schlichen sie dann langsam über Wochen mit dauernden Bluttests aus. Vor den Bluttests hatte er solche Angst, dass er sich jedes mal vor dem TA, als ich ihn in die box gesetzt habe, einuriniert hat. Es brach mir jedes mal das Herz. Ich fütterte ihn jeden Tag morgen und abend von hand, damit er etwas frass. Als er medikamentenfrei war, operierten wir dann noch seine Zähne (er hatte zusätzlich auch noch FORL).
Der Tierarzt meinte danach, ich solle ihn einfach ganz genau beobachten, falls die Anämie zurück käme, aber es könne gut sein, das alles überstanden sei. Danach schien auch vorerst alles gut. Doch ca 2 Monate nach seiner ersten Bluttransfusion (und zwei Wochen nach der Zahn op) wurde mein Kater plötzlich wieder etwas schwach. Bei den allerersten Anzeichen seiner Schwäche nahm ich ihn wieder in die Tierklinik mit (ich dachte, der Hämatokrit ist wieder etwas gefallen und man könnte direkt wieder mit Prednisolon starten) dann in der Klinik die Nachricht: der hämatokrit lag bei nur 9! Und er brauche eine erneute Bluttransfusion. Ich war am Boden zerstört, zermürbt und völlig fertig von all den Arzt Terminen und ständigen sorgen, die ich seit 5 Monaten um mein Tier hatte.
Der Tierarzt in der tierklinik riet mir auf Rückfrage, was nun das beste sei, zu einer Einschläferung. Er meinte, mein Kater habe keine rosige Zukunft vor sich. Er sagte, Tiere mit dieser Erkrankung haben eine verkürzte Lebensdauer (80 Prozent sterben angeblich innerhalb der ersten 3-4 jahre) und schließlich stimmte ich in völliger Überforderung und Erschöpfung (finanziell,emotional, ihn leiden zu sehen) der Euthanasie zu. Ich habe auch die durchschnittliche Angabe mit den 3-4 Jahren falsch interpretiert. Ich dachte, da mein Kater schon 3 ist, hat er jetzt noch maximal ein schlechtes Jahr, mit lauter Bluttests und dauercortison vor sich.
Nun mache ich mir riesige Vorwürfe meinem geliebten Tier nicht noch die Chance der zweiten Bluttransfusion gegeben zu haben.... Hätte er nicht doch noch länger Leben können als einen, oder ein paar Monate? Im Internet und verschiedenen Foren habe ich nämlich nach der Einschläferung von Fällen gelesen, bei denen die Katzen mit cortison gut eingestellt noch länger (zb. bis zu 3 Jahre)!! gelebt haben.
Ich hatte diese Recherchen infos zu diesem Zeitpunkt nicht, trotzdem bleibt das beißende Gefühl, zu schnell aufgegeben zu haben. War es vielleicht zu früh? Mein kleiner hatte ja schließlich bei der ersten Bluttransfusion auch auf die Medikamente angesprochen. Habe ich ihn zu früh aufgegeben? Vielleicht hätte er noch einige Zeit gelebt,wenn er das prednisolon durchgehend genommen hätte.
Die Schuld frisst mich auf. Der Tierarzt meinte auf meinen Hinweis, dass ich in Foren über positive Krankheitsverläufe gelesen habe, dass er meinem Tier wenn überhaupt einen odrr ein paar wenige schlechte Monate gegeben hätte. Aber woher kann der Tierarzt wirklich wissen, das er nicht doch noch Zeit gehabt hätte? Seine Aussagen zur verbleibenden Lebenszeit waren im Nachhinein betrachtet, völlig schwammig... Was heisst schon eine nicht rosige Zukunft? Und was heisst es schon dass die Tiere durchschnittlich innerhalb der ersten 3-4 Jahre sterben?? Und ich war so durch, dass ich die entscheidenden Fragen nicht gestellt habe, mein Kopf war wie vernebelt, total zu, ich war einfach nur durch...
Es bleibt das Bauchgefühl danach, dass es falsch war.....Habe ich falsch gehandelt , Habe ich wirklich zum Wohl meines Tieres entschieden....? Was denkt ihr, schläfern Tierärzte manchmal auch zu früh/vorschnell ein?
Habe ich meinem geliebten Tier Lebenszeit geraubt und ihn aus eigener Kraftlosigkeit aufgegeben? Danke im Voraus für eure Zeit...
Dazu kommt, dass ich im Nachhinein, als ich wieder zu Kräften kam und Dauergast bei Google und co war auf Hinweis des Tierschutzes, von dem ich ihn habe, die Vermutung einer FIP als Ursache der Anämie bekam. Im Blut gab es durchaus Parameter, die darauf hindeuteten: Total Proteine an oberster max Linie, globuline erhöht, A/G Wert bei 0,6, die Blutarmut.... Von FIP war allerdings weder bei meinem Tierarzt noch in der Klinik je die Rede und ich hatte keine Ahnung von den ganzen Erkrankungen und war völlig überfordert mit allem.
Auf Rückfrage meinerseits nach meiner nachträglichen Recherche meinten die Ärzte dann, dass prednisolon FIP verschlimmert hätte, dass man im Falle von FIP auffällige, organspezifische Blutwerte gesehen hätte, dass der A/G Quotient auch bei anderen Erkrankungen niedrig sein kann usw... Aber irgendwie klingt das für mich alles nicht so rund.
Die Schuldgefühle sind gnadenlos und ich habe das Gefühl, kaum atmen zu können. Ich weiss nicht wonach ich suche, aber irgendwie bin ich einfach so verzweifelt....er fehlt mir so und ich habe das Gefühl meinen besten Freund verraten zu haben...
Ich habe das Gefühl ihm so oder so Lebenszeit geraubt zu haben: in Fall 1 ,es war eine ImHA (dann hätte ich ihn palliativ begleiten müssen) und in Fall 2 - es war FIP- Sowieso, da es ja mittlerweile heilbar ist.
Wie soll man damit nur leben....