Ich schaffe es nicht loszulassen...

  • Hallo


    Ich wende mich an euch, obwohl mein geliebter Kater bereits eingeschläfert wurde- und ihm somit nicht mehr geholfen werden kann...Genau das ist aber auch das Thema. Ich brauche eure Einschätzung als objektive Zuhörer . Hier seine Geschichte in Kurzversion. Mein 3 jähriger Kater zeigte im Januar sehr plötzlich Symptome wie Appetitmangel und Schwäche. Ausserdem trank er viel. Ich machte mich sofort auf den Weg zu meinem TA.


    Meinem Engel wurde schließlich nach einer tagelangen Diagnosenfindung und etlichen Tests um verschiedenes auszuschließen (Blut Parasiten, FeLV, FIV...) eine immunvermittelte hämolytische Anämie diagnostiziert. Er bekam daraufhin eine Bluttransfusion und Prednisolon sowie Antibiotika. Die Medikamente wirkten, und wir schlichen sie dann langsam über Wochen mit dauernden Bluttests aus. Vor den Bluttests hatte er solche Angst, dass er sich jedes mal vor dem TA, als ich ihn in die box gesetzt habe, einuriniert hat. Es brach mir jedes mal das Herz. Ich fütterte ihn jeden Tag morgen und abend von hand, damit er etwas frass. Als er medikamentenfrei war, operierten wir dann noch seine Zähne (er hatte zusätzlich auch noch FORL).


    Der Tierarzt meinte danach, ich solle ihn einfach ganz genau beobachten, falls die Anämie zurück käme, aber es könne gut sein, das alles überstanden sei. Danach schien auch vorerst alles gut. Doch ca 2 Monate nach seiner ersten Bluttransfusion (und zwei Wochen nach der Zahn op) wurde mein Kater plötzlich wieder etwas schwach. Bei den allerersten Anzeichen seiner Schwäche nahm ich ihn wieder in die Tierklinik mit (ich dachte, der Hämatokrit ist wieder etwas gefallen und man könnte direkt wieder mit Prednisolon starten) dann in der Klinik die Nachricht: der hämatokrit lag bei nur 9! Und er brauche eine erneute Bluttransfusion. Ich war am Boden zerstört, zermürbt und völlig fertig von all den Arzt Terminen und ständigen sorgen, die ich seit 5 Monaten um mein Tier hatte.


    Der Tierarzt in der tierklinik riet mir auf Rückfrage, was nun das beste sei, zu einer Einschläferung. Er meinte, mein Kater habe keine rosige Zukunft vor sich. Er sagte, Tiere mit dieser Erkrankung haben eine verkürzte Lebensdauer (80 Prozent sterben angeblich innerhalb der ersten 3-4 jahre) und schließlich stimmte ich in völliger Überforderung und Erschöpfung (finanziell,emotional, ihn leiden zu sehen) der Euthanasie zu. Ich habe auch die durchschnittliche Angabe mit den 3-4 Jahren falsch interpretiert. Ich dachte, da mein Kater schon 3 ist, hat er jetzt noch maximal ein schlechtes Jahr, mit lauter Bluttests und dauercortison vor sich.


    Nun mache ich mir riesige Vorwürfe meinem geliebten Tier nicht noch die Chance der zweiten Bluttransfusion gegeben zu haben.... Hätte er nicht doch noch länger Leben können als einen, oder ein paar Monate? Im Internet und verschiedenen Foren habe ich nämlich nach der Einschläferung von Fällen gelesen, bei denen die Katzen mit cortison gut eingestellt noch länger (zb. bis zu 3 Jahre)!! gelebt haben.


    Ich hatte diese Recherchen infos zu diesem Zeitpunkt nicht, trotzdem bleibt das beißende Gefühl, zu schnell aufgegeben zu haben. War es vielleicht zu früh? Mein kleiner hatte ja schließlich bei der ersten Bluttransfusion auch auf die Medikamente angesprochen. Habe ich ihn zu früh aufgegeben? Vielleicht hätte er noch einige Zeit gelebt,wenn er das prednisolon durchgehend genommen hätte.


    Die Schuld frisst mich auf. Der Tierarzt meinte auf meinen Hinweis, dass ich in Foren über positive Krankheitsverläufe gelesen habe, dass er meinem Tier wenn überhaupt einen odrr ein paar wenige schlechte Monate gegeben hätte. Aber woher kann der Tierarzt wirklich wissen, das er nicht doch noch Zeit gehabt hätte? Seine Aussagen zur verbleibenden Lebenszeit waren im Nachhinein betrachtet, völlig schwammig... Was heisst schon eine nicht rosige Zukunft? Und was heisst es schon dass die Tiere durchschnittlich innerhalb der ersten 3-4 Jahre sterben?? Und ich war so durch, dass ich die entscheidenden Fragen nicht gestellt habe, mein Kopf war wie vernebelt, total zu, ich war einfach nur durch...


    Es bleibt das Bauchgefühl danach, dass es falsch war.....Habe ich falsch gehandelt , Habe ich wirklich zum Wohl meines Tieres entschieden....? Was denkt ihr, schläfern Tierärzte manchmal auch zu früh/vorschnell ein?

    Habe ich meinem geliebten Tier Lebenszeit geraubt und ihn aus eigener Kraftlosigkeit aufgegeben? Danke im Voraus für eure Zeit...


    Dazu kommt, dass ich im Nachhinein, als ich wieder zu Kräften kam und Dauergast bei Google und co war auf Hinweis des Tierschutzes, von dem ich ihn habe, die Vermutung einer FIP als Ursache der Anämie bekam. Im Blut gab es durchaus Parameter, die darauf hindeuteten: Total Proteine an oberster max Linie, globuline erhöht, A/G Wert bei 0,6, die Blutarmut.... Von FIP war allerdings weder bei meinem Tierarzt noch in der Klinik je die Rede und ich hatte keine Ahnung von den ganzen Erkrankungen und war völlig überfordert mit allem.


    Auf Rückfrage meinerseits nach meiner nachträglichen Recherche meinten die Ärzte dann, dass prednisolon FIP verschlimmert hätte, dass man im Falle von FIP auffällige, organspezifische Blutwerte gesehen hätte, dass der A/G Quotient auch bei anderen Erkrankungen niedrig sein kann usw... Aber irgendwie klingt das für mich alles nicht so rund.


    Die Schuldgefühle sind gnadenlos und ich habe das Gefühl, kaum atmen zu können. Ich weiss nicht wonach ich suche, aber irgendwie bin ich einfach so verzweifelt....er fehlt mir so und ich habe das Gefühl meinen besten Freund verraten zu haben...


    Ich habe das Gefühl ihm so oder so Lebenszeit geraubt zu haben: in Fall 1 ,es war eine ImHA (dann hätte ich ihn palliativ begleiten müssen) und in Fall 2 - es war FIP- Sowieso, da es ja mittlerweile heilbar ist.




    Wie soll man damit nur leben....

  • Erst einmal möchte ich dich unbekannter weise einfach nur mal drücken. Deine Geschichte tut mir unfassbar leid.

    Ich kann gut verstehen das du dich so fühlst. So habe ich ähnliches erlebt, nur war mein Fall etwas anders gelagert. Meine Katze war ein medizinischer Notfall und wurde eingeschläfert im Nachgang erfuhr ich, eben auch durch belesen das es hätte Chancen gegeben. Ich zerfleischte mich innerlich. Stellte mir eben solche Fragen wie du dir.

    Und ich weiss bis heute nicht, ob das alles der richtige Weg wahr.

    Ich kann nur von mir reden, aber ich habe mir wenn ich einen Fehler gemacht habe vergeben. Ich bat in meinem Kopf meine Katze um "Vergebung" wenn ich ihr Lebensjahre genommen haben sollte. Ich hab unfassbar geweint und war regelrecht traumatisiert von dem Gedanken. Irgendwann wurde mir klar, das ich nur dem Urteil der Ärztin folgen konnte. Ich bin keine Ärztin, habe laienhaftes medizinisches Wissen ich musste mich auf das Urteil des anderen verlassen.

    Das ist vielleicht ein schwacher Trost, aber es halft mir. Ein bisschen...es wurde besser. Heute 5 Jahre später gibt es immer noch Momente wo ich zweifel, aber ich musste Vertrauen.

    Liebe Grüße Melanie mit Niko und Nane.

    <3 Jaana und Timmie im Herzen!<3

  • hallo moana,

    das tut mir sehr leid, dass du ähnliches mit deiner Katze erleben musstest. Schuldgefühle sind einfach gnadenlos. Auch wenn man rational weiss, dass man in dem Moment, mit den informationen die man zu diesem Zeitpunkt hatte, das beste gegeben hat was man eben konnte, fühlt man sich hinterher trotzdem, als hätte man versagt. Es ist so hart sich selbst zu verzeihen.

    Ich kann an nichts anderes denken als daran, ob er noch hier sein könnte, hätte ich anders entschieden.

    Danke für deinen Tipp, das Teilen deiner geschichte, deine lieben Worte.

  • Liebe Kiara, Deine Geschichte tut mir sehr leid, und ich kann sehr gut nachfühlen, dass Dich das ganze quält.


    Ich versuche jetzt mal, Dir ein bisschen Trost zu geben, auch wenn ich nicht weiß, ob Du das, was ich jetzt erzähle, annehmen kannst.


    Ich habe lange Jahre als Tierkommunikatorin gearbeitet und hatte auch sehr oft Kontakt zu verstorbenen Tieren. Den meisten meiner Kunden ging es wie Dir: Sie haben sich zerfleischt mit der Frage, ob es richtig war, ihren Liebling einschläfern zu lassen. Ob es zu früh oder zu spät war, ob es noch Chancen gegeben hätte, oder ob sie das Tier zu lange hätten leiden lassen.


    Ich kann Dir versichern: Nicht ein einziges der von mir befragten Tiere hat sich beklagt. Alle, und wirklich alle (!) waren mit der Entscheidung ihrer Menschen, sie erlösen zu lassen, im Einklang. Und nicht nur das: Sie hatten tiefstes Mitgefühl für ihre menschlichen Freunde und baten sie inständig, ihre Schuldgefühle und Zweifel loszulassen.


    Alle Tiere, die ich spüren durfte, waren glücklich, gesund und voller Liebe und Dankbarkeit. Und das haben sie sich auch für ihre Menschen gewünscht.


    Dein Kater ist Dir nicht böse, selbst wenn er noch ein paar Monate oder sogar ein paar Jahre hätte leben können. Zeit spielt da, wo er jetzt ist, keine Rolle mehr. Er hat Deine Liebe und Deine Fürsorge gespürt und dafür ist er Dir dankbar. Es steht nichts zwischen Euch, und Du solltest Dir selbst vergeben, obwohl es gar nichts zu vergeben gibt. Denn Du hast aus bestem Wissen und Gewissen heraus gehandelt, wolltest Deinen Liebling nicht mehr leiden lassen und bist deshalb dem Rat der Ärzte gefolgt. Du hast Dir gar nichts vorzuwerfen, wirklich gar nichts.


    Wie gesagt, ich weiß nicht, ob Du das annehmen kannst. Lass' es einfach auf Dich wirken.


    Und vergiss' nie: Dein Kater sorgt sich um Dich und möchte Dich glücklich sehen.

    Liebe Grüße von Monika, Kyra und Maya sowie den Sternchen Alina, Pauline und Robin! :knuddel:



  • Liebe Kiara,

    es tut mir sehr Leid, was du gerade durchmachen musst. :(


    Ich kann deine Situation sehr gut nachvollziehen. Von meinen bisher sechs Katzen und nur eine(r) im Prinzip eines natürlichen Todes, durch Krankheit gestorben (wir haben den Sterbeprozess damals mit der Spritze nur beschleunigen lassen), bei allen anderen musste am Ende auch eine Entscheidung auf dem Tierarzttisch getroffen werden. Diese Entscheidung zu treffen ist immer furchtbar und auch ich kenne die Schuld, die danach eintrifft. Das ist ganz normal, und hat nichts damit zu tun, dass du wirklich Schuld bist.


    Leider kann ich zu den Krankheiten und Diagnosen deines Katers nichts sagen, aber ich persönlich halte es tatsächlich so, dass ich bei chronischen und definitiv tödlichen Krankheiten nichts künstlich in die Länge ziehe, wenn es dem Tier schon sichtbar schlecht geht.

    Als vor Jahren bei einer meiner Katzen CNI festgestellt wurde, sie nicht mehr fraß und die Blutwerterte leider auch mit Infusionen nicht mehr als für ein paar Stunden besser wurden, habe ich entschieden sie gehen zu lassen. Es hat mir das Herz gebrochen und ja, auch ich habe mir direkt danach die Frage gestellt, ob ich überhaupt das Recht dazu hatte diese Entscheidung zu treffen und ob ich noch hätte warten sollen ...

    Mittlerweile glaube ich aber, dass in diesen Momenten, in denen wir diese Entscheidung treffen, die Vernunft aus uns spricht, und wir sie danach nur nicht mehr hören, weil die Gefühle der Trauer erstmal die Oberhand gewinnen.


    Wenn Katzen so jung sterben, ist es natürlich besonders tragisch, aber es ist wie bei Menschen auch - nicht alle werden alt. Manche werden schon früh krank und manchmal auch unheilbar. Vielleicht hätte man deinem Katerchen noch ein paar Jahren geben können - aber zu welchem Preis? Wenn eine Katze mit einer solchen Krankheit gestraft ist, und dann auch noch derart schreckliche Angst vor dem Tierarzt hat, dass sie wirklich in Todesangst verfällt, dann ist es meiner Meinung nach durchaus eine Gnade sie zu erlösen und nicht alles noch weiter herauszuzögern ... nur für ein paar "Vielleichts". Und ich glaube, das war auch der Gedanken des Tierarztes. Denn mal ehrlich - und ich weiß, das klingt nun vielleicht hart - aber an einer toten Katze verdient er nichts. Ich glaube, es zu beenden war ganz sicher ein Rat aus Mitgefühl euch beiden gegenüber.


    Und ich denke auch, dass dein Katerchen dir dafür dankt, dass du ihm ein paar wunderschöne Jahre geschenkt hast und am Ende dein eigenes Leid zurückgestellt und ihn so tapfer begleitet hast. Auch wenn es sich jetzt noch nicht so anfühlt, aber ich wünsche dir sehr, dass der Schmerz eines Tages weniger wird und du erkennst, dass du richtig gehandelt hast.

  • liebe Paulina, danke für deine Perspektive als ehemalige Tier Kommunikatorin. Ich finde den Gedanken total schön, dass mein Kater in Frieden ist - und möchte ganz fest daran glauben 🙏😪danke für deine lieben Worte.

  • liebe Liv, vielen Dank für deine Gedanken und deine Geschichte zu meinem Thema.

    Es hilft mir, eure Meinungen und Ansichten zu hören ❤ 😪

  • Mein herzliches Beileid zu deinem Verlust.



    Ich bin mir absolut sicher das Tiere Leben und Tod anders sehen als wir. Ich bin mir auch absolut sicher das dein Kater dich liebt und weiß, das du ihm helfen wolltest und er würde dir keine Vorwürfe machen würde.


    Es liegt bei dir, dir selbst zu verzeihen, das du auf einen erfahrenen Mediziner gehört hast.

  • danke dir 🙏ich hoffe es.... Er hatte so Angst und hat so gefaucht als ihm die Venenkanule eingeführt werden sollte. Hat sich aufgebäumt. 😪

  • Natürlich, wenn man nicht weiß was passiert, bekommt man Angst.

    Jetzt hat er bestimmt seinen Frieden und freut sich über die Zeit die er mit dir hatte.

  • Es hilft mir, eure Meinungen und Ansichten zu hören ❤ 😪

    Ja, das glaube ich gerne.

    Ich bin vor etwas über drei Jahren auf ähnlichem Wege wie du hier gelandet. Meine Katze Pebbles war auch auf, für mich, sehr traumatische Weise, über Nacht in der Tierklinik verstorben und ich hatte auch unendliche große Schuldgefühle.

    Es hat sehr geholfen hier mit all den lieben Menschen zu schreiben und ganz allgemein im Forum zu lesen.

  • das tut mir sehr leid für dich und pebbles. Es löst so viel in einem aus, das Wort traumatisiert trifft es wirklich...Ja, irgendwie hat man solche Foren gar nicht richtig auf dem Schirm, so geht es mir zumindest. Bis man sie sucht, aus Leidensdruck, weil man denkt: es muss doch noch andere Menschen geben, die sich fühlen, als hätten sie "zu früh" entschieden - und wie gehen sie damit um? Die lieben menschen um einen herum versuchen einen zwar zu trösten,aber sie fühlen einfach oft nicht das selbe.


    Ich ärgere mich so, dass ich nicht schon als mein Kater krank wurde seine Situation in einem Forum geschildert habe. Es gibt meist echt fitte Leute was Krankheiten betrifft in solchen Foren.... Hätte ich eine der immer wieder vorhandenen Erfolgsgeschichten in einem Forum gelesen, hätte ich gekämpft. Aber ich kannte die Geschichten nicht 😪

  • Ich ärgere mich so, dass ich nicht schon als mein Kater krank wurde seine Situation in einem Forum geschildert habe. Es gibt meist echt fitte Leute was Krankheiten betrifft in solchen Foren.... Hätte ich eine der immer wieder vorhandenen Erfolgsgeschichten in einem Forum gelesen, hätte ich gekämpft. Aber ich kannte die Geschichten nicht 😪

    Das gind mir bei Pebbles ganz genau so, und vor allem auch bei Fee, der Katze mit CNI. Bei beiden gab es im Nachhinein ganz viele "Hätte ich doch"s, und gibt es teilweise auch heute noch, aber zum Glück nur noch selten. Mittlerweile gestehe ich mir einfach zu, dass ich nicht alles weiß; dass ich nicht in die Zukunft schauen und auch keine Gedanken lesen kann. Man kann Entscheidungen immer nur mit dem aktuellen Wissensstand treffen, und der ist bei keinem Menschen vollkommen.


    Es ist also ganz normal, dass du dir jetzt all diese Fragen stellst, und Vorwürfe machst - aber sieh es so: Du weißt nicht, ob eine weitere Behandlung wirklich der bessere Weg für dein Katerchen gewesen wäre. So wie du ihn beschreibst, mit dieser wahnsinnigen Angst vor dem Tierarztbesuch und dieser Empfindsamkeit gegen die Behandlungen, hast du ihm vermutlich sehr viel Leid erspart. Wie ich schon schrieb: Die in die Länge gezogene Behandlung einer garantiert tödlich verlaufenden Krankheit muss nicht zwingend die richtige Entscheidung für das Tier sein. Diese Entscheidung trifft man oft eher für sich selber. Und damit meine natürlich nicht, dass man solche Krankheiten generell nicht behandeln sollte - aber ich finde, man muss so etwas immer von Tier zu Tier entscheiden.


    Dein Tierarzt scheint mir eigentlich, nach dem was du so geschrieben hast, nicht inkompetent oder von der vorschnellen Art zu sein. Alleine schon, dass er diese Diagnose gestellt und die passende Behandlung gewählt hat, spricht schon für ihn. Da habe ich selber leider schon ganz andere Sachen erleben müssen. Ich glaube wirklich, dass er gut abschätzen konnte, wieviel die Behandlung deinem Kater am Ende noch gebracht hätte, oder eben nicht. Und dass es Fälle im Internet gab, bei denen die Tiere noch mehrere Jahre lang gut (was wohl auch Ansichtssache ist ...) gelebt haben, das mag wirklich sein - aber du musst bedenken, dass solche Fälle wahrscheinlich eher eine Seltenheit sind (die Leute, bei denen es nicht so war, liest man oft nicht online, deshalb überwiegen scheinbar die Erfolgsgeschichten).

    Und man muss wirklich abwägen - kann ich das dem Tier dauerhaft antun? Es gibt Katzen, die sind super entspannt beim Tierarzt, egal was er mit ihnen macht - klar, kann man die bis zum geht nicht mehr therapieren. Aber eine Katze, die jedes Mal Todesängste aussteht ... der tut man damit meiner Meinung nach keinen großen Gefallen.

  • Hätte ich eine der immer wieder vorhandenen Erfolgsgeschichten in einem Forum gelesen, hätte ich gekämpft.

    ... und unter Umständen Euch beiden etwas Zeit herausgeschunden, aber nicht unbedingt Lebensqualität.


    Kämpfen ist gut, aber nicht um jeden Preis. Ein erfahrener Tierarzt kann das einschätzen, insofern glaube ich nicht, dass er zu früh aufgegeben hat.


    Und die Frage ist doch: Hätte Dein Kater kämpfen wollen? Oder hatte er die TA-Besuche, die Behandlungen, die Schmerzen, das ständige Unwohlsein gründlich satt?


    Wenn ich Deine Gedanken so lese, muss ich an meine Cousine denken, die vor gut zwei Jahren die Diagnose bekam, dass sie völlig verkrebst sei und nicht mehr lange zu leben hätte. Ich hätte mich mit so einem Befund zurückgelehnt, mir einen guten Schmerztherapeuten gesucht und mich bemüht, die verbleibende Zeit so sinnvoll wie möglich zu nutzen. Das haben ihr auch die meisten Ärzte geraten.


    Aber sie wollte "kämpfen" und hat sich noch den Stress mit drei schweren Chemos angetan und die letzten Monate unter fürchterlichen Qualen verbracht. Gewonnen hat sie dadurch vielleicht ein paar Wochen.


    Natürlich soll man nicht vorschnell aufgeben. Aber es ist immer abzuwägen, ob ein Kampf nicht auch zum Krampf werden kann und letztlich mehr Kraft, Energie und Lebensfreude kostet als ein Sich-Fügen und Loslassen.


    Ich kann das in Deinem Fall nicht beurteilen. Aber ich weiß, dass alles seinen Sinn macht, und das ein Gegen-den-Strom-schwimmen-wollen oft nicht die richtige Entscheidung ist.


    Ich meine gelesen zu haben, dass Du noch andere Katzen hast? Dann gib denen all Deine Liebe und Kraft. Sie leiden ja sonst nur unnötig mit Dir, und das tut ihnen nicht gut.

    Liebe Grüße von Monika, Kyra und Maya sowie den Sternchen Alina, Pauline und Robin! :knuddel:



  • Liebe Kiara,


    Gleich vorab, mein Kater ist vor 4 Tagen gestorben, ohne Spritze und zu Hause bei mir. Ich habe mich gefragt, warum ich die Symptome seiner Krankheit nicht erkannt und verstanden habe, er hat sich bis zum Schluss

    ganz normal verhalten, gefressen und getrunken.



    Zu dir:

    du hast absolut alles richtig gemacht. Wie ich so lese, du machst dir

    Vorwurfe und fragst dich ob die Einschläferung wirklich die einzige

    Option war?

    Ja, sehr oft ist es so. "keine Rosige Zukunft" ist auch auf dich bezogen,

    es geht um sehr hohen finanziellen Ausgaben, deinen psychischen und physischen Zustand, das Tier hat irrsinnig große Schmerzen,

    steht völlig unter Stress, und leidet NOCH mehr dabei, dazu noch Angst

    vor TA und dort macht er nicht mit....

    Und, es wird nicht besser, egal was du tust, egal was du versuchst,

    egal was du für gute Vorschläge von überall bekommst.

    Ich verstehe dich vollkommen, ich kämpfe auch mit Trauer, Tränen

    und tausenden Fragen: "was wäre wenn"....

    Sehr oft ist es einfach der Fall dass die Einschläferung der einzige und das beste Weg das Tier noch bleibt.


    Dein Kater schaut von Oben und sagt: "Danke Mamma, ich leide nicht mehr,

    ich bin dir sooo dankbar dafür und ich werde dich immer lieben!"

    Ganz bestimmt!


    Kopf hoch, liebe Kiara, schau auf dich, du musst jetzt deine Kräfte sammeln und für deine liebsten da sein! Du schaffst es!

  • In Foren kann man aber auch viel Blödsinn lesen.

    Und wie Paulina bereits geschrieben hat, länger am Leben bleiben, muss nicht heißen länger ein Leben haben.


    Unsere Sternchen hat lange gegen ihre CNI gekämpft. Vor allem im letzten Jahr bekam sie intensive Betreuung, mit Infusionen alle vier Tage beim Tierarzt.

    Sie war aber auch ein taffes Tier, das die Tierarztbesuche ohne großen Stress weggesteckt hat.


    Meine beiden verbliebenen Katzen haben viel zu großen Stress beim Tierarzt, als das ich ihnen diese Therapie auf Dauer antun würde.

  • Goya


    Das ist eine sehr vernünftige Einstellung.

    Stressige Situationen machen das ganze noch schlimmer und auf Dauer

    ist es eine Qual.

    Auch mein Justus hatte keinen Stress in der Praxis, was die Behandlung wesentlich erleichtert. Leider ohne Erfolg.

  • Danke ihr lieben, für eure Worte und ausführlichen Gedanken! Ich schätze es sehr, dass ihr euch diese Zeit zum tippen und da sein nehmt 🌷


    Vllt darf ich mir auch einfach diese ganzen Beiträge nicht mehr durchlesen, bei denen Alles gut ausging, bzw wo die tiere noch am Leben sind.


    Meine schlimmste Vorstellung ist halt, dass der Auslöser der Anämie evtl. FIP war, da es ja heilbar ist mittlerweile. Aber ich weiss, dass es alles nichts mehr ändert.



    Wisst ihr, ich glaube mein Ding ist : etwas, was sich nachträglich und nachhaltig SO schlecht anfühlt, kann doch keine richtige Entscheidung gewesen sein, oder ? 😟ich konnte mich bisher immer auf mein Bauchgefühl verlassen, habe Problemen getrotzt, schlimme Dinge überwunden (wie die meisten von uns irgendwann im Leben müssen) aber DAS hat mich aus der Bahn geworfen - auf eine Art wie nichts bisher. Und auch ich habe schon katzen gehen lassen müssen, einen Kater mit Herzfehler und einen der sehr alt war und einen schweren Bruch hatte. Irgendwie wehrt sich alles in mir, mir zu verzeihen, in diesem Fall.😪



    Paulina Ja, genau, ich habe aktuell 2 Katzen. Einen Kater (auch aus dem Tierschutz) und eine Katze, deren Vorbesitzerin sich leider das Leben nahm. Ich versuche alles, um für sie die beste Mama zu sein. Aber dass ich es für mein 3. Baby nicht in letzter Konsequenz sein konnte (so fühlt es sich zumindest an) hört einfach nicht auf weh zu tun. (Er ist jetzt 3,5 Monate tot). Ich weiss, ich werde mich noch lange Zeit fragen: wärst du jetzt noch da, hätte ich anders entschieden? (ZB an Weihnachten usw...)


    Es fühlt sich so an, als hätte er noch kämpfen können, als hätte ich aus eigener Schwäche aufgegeben. Mit Cortison eingestellt, denke ich, dass er noch hier sein könnte, auch schmerzfrei. Klar, eine Glaskugel habe ich nicht, aber diese Chance hätte ich ihm noch geben sollen vom Gefühl her im Nachhinein...😪


    Egal wie man es dreht und wendet ich muss in die Akzeptanz gehen, aber es ist so hart 😖


    Goya Wow, alle 4 Tage Infusion, du bist eine echte Löwen Mama, dass du das möglich gemacht hast ❤und Sternchen war wohl echt tapfer...

    Wie geht es deinen beiden anderen Katzen im Moment?


    Justus : mein herzliches Beileid! Erst vor 4 Tagen, das ist hart. Fühl dich gedrückt wenn du magst ❤


    Liv möchtest du die Geschichte um Fee erzählen? Ja, das stimmt. Er hat sich halt immer auf meinem Arm schon eingepinkelt wenn ich ihn zur Transport Box getragen habe, weil er wusste,es geht zum TA😪aber beim TA selbst war er meist tapfer. Und es stimmt: man kann nicht in die zukunft schauen...und ja, vielleicht sind die Menschen, bei denen es schlecht ausging einfach zu wenig vertreten in solchen Foren als dass es repräsentativ wäre...

  • Egal, ob ein Mensch oder ein Tier geht - es gibt immer jede Menge "hätte" oder "hätte nicht".


    Meine Mutter ist am Muttertag gestorben, und da gab es auch ganz viele "hätte-ich-doch's"...


    Ich hatte sie an dem Tag noch besucht, und wir hatten eine vollkommen schwachsinnige Auseinandersetzung, wo ich mir im Nachhinein auch denke, wir hätten sie besser nicht gehabt...


    Aber wir sind Menschen, wir machen Fehler, lernen daraus oder auch nicht, machen neue Fehler, verzweifeln an uns selbst, quälen uns mit Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen und behandeln uns selbst wie unseren ärgsten Feind.


    Was würdest Du denn einer Freundin raten, wenn sie Dir genau Deine Geschichte erzählen würde? Würdest Du sie nicht liebevoll trösten, in den Arm nehmen und ihr versichern, dass sie das bestmögliche getan hat und sich nichts vorwerfen muss?


    Ganz sicher würdest Du das - also nun sei doch bitte auch mal gut zu Dir selbst, nimm' Dich selbst in den Arm und sag' Dir, dass alles gut ist, so wie es ist. Dein Kater würde Dir genau das sagen!


    Was meine Mutter betrifft: Ich quäle mich nicht mehr mit Selbstvorwürfen. Ich weiß, dass sie das nicht wollen würde. Ich weiß, dass sie liebevoll auf mich schaut und über unseren dummen Streit lacht. Und inzwischen kann ich selbst darüber lachen, dass wir beide so dumme Hühner waren.


    Vergebung ist immer eine Befreiung. Aber sich selbst zu vergeben ist die größte.

    Liebe Grüße von Monika, Kyra und Maya sowie den Sternchen Alina, Pauline und Robin! :knuddel: